13-Jährige raubten Schülerinnen aus / Zwölfjährige brachen einer Frau den Arm

Geil auf Gewalt

Lutz Schnedelbach
4 Min

Sie prügeln und rauben aus Spaß. Sie sind Kinder, die wissen was sie tun. "Sie sind geil auf Gewalt", sagt die Polizei. Zuerst treten und schlagen sie auf ihre Opfer ein, danach stehlen sie alles, was sie gebrauchen können. Anschließend brüsten sie sich vor Gleichaltrigen mit den Taten. Die Gewalt von Kindern, die nicht mal 14 Jahre alt sind, hat in Berlin eine neue Dimension erreicht, sagen Polizisten. Erst gestern wurde bekannt, dass sich am Dienstag innerhalb weniger Stunden zwei krasse Beispiele von Brutalität unter Kindern ereignet haben.Das Einkaufszentrum Allee-Arcaden in der Schönhauser Allee in Prenzlauer Berg am Abend: Franziska aus dem Landkreis Havelland ist zusammen mit ihrer Pankower Freundin Anika auf Shopping-Tour. Die Schülerinnen merken nicht, dass sie von vier Mädchen beobachtet werden. Darunter eine 17-Jährige, die ihren einen Monat alten Sohn im Kinderwagen vor sich her schiebt.Handy und Geld weggenommenFranziska und Anika verlassen um 19 Uhr die Arcaden und gehen in die Berliner Straße. Zwei Mädchen, 13 und knapp 15 Jahre alt, folgen ihnen. Unweit des U-Bahnhofs Vinetastraße schlagen die Verfolgerinnen plötzlich zu. Sie treten auf die beiden Schülerinnen ein, reißen einen MP3-Player und ein Telefon an sich und klauen das Geld der Opfer. Anika kann entkommen. Sie rennt zu einer nahe gelegenen Tankstelle und bittet einen Feuerwehrmann um Hilfe, der gerade seinen Rettungswagen betankt. Er läuft sofort einer der Täterinnen hinterher und fasst sie in der Schonenschen Straße und hält sie fest, bis die Polizei kommt.Die Beamten erfuhren später, dass das Kind in Hohenschönhausen wohnt. Die Polizei informierte den Vater des Kindes, der es von der Wache abholte. Noch am selben Abend fand die Polizei heraus, dass die Komplizin ebenfalls in Hohenschönhausen wohnt. In der Wohnung ihrer Eltern wurden das geraubte Handy und der MP3-Player sichergestellt.Bereits am Nachmittag hatte die Polizei vier Jungs aus Schöneberg nach einem versuchten Raub und einer Körperverletzung festgenommen.16 Uhr im Oberdeck eines BVG-Busses der Linie 148 in der Rheinstraße in Schöneberg: Zwei 13 und 14 Jahre alte Jungs werden von vier anderen Jungen, gerade mal zwölf und 13 Jahre, zuerst bedroht und dann geschlagen. Die Täter gehen brutal vor. Und sie lassen erst von ihren Opfern ab, als eine 57-jährige Frau dazwischen geht. Sie droht, die Polizei zu rufen. Das beeindruckt die Täter - sie flüchten. Doch zuvor schubsen sie die Frau beiseite - mit einer derartigen Wucht, dass die Frau aus Schöneberg zu Boden stürzt. Dabei bricht sie sich den rechten Oberarm.Kurz darauf fand die Polizei die Kinder, nahm sie fest und brachte sie kurz darauf zu ihren Eltern.Nach Einschätzung der Polizei ist in Berlin die Hemmschwelle von Kindern bei Gewalttaten spürbar zurückgegangen. Die Gründe dafür seien sehr unterschiedlich. Das liege häufig an der Armut in den Familien, am Desinteresse der Eltern an ihren Kindern sowie an gewaltverherrlichenden Spielen.Das Landeskriminalamt hat herausgefunden, dass bei Gewaltdelikten Mädchen seltener als Jungs in Erscheinung treten. Das heißt aber nicht, dass sie weniger brutal vorgehen, sagt die Polizei.So wurden im Dezember in Neukölln sechs Mädchen festgenommen, die wochenlang Kinder an den S-Bahnhöfen Hermannstraße und Köllnische Heide in Angst und Schrecken versetzt hatten. Die Täterinnen suchten ihre Opfer gezielt aus, raubten sie aus und drohten damit, ihnen die Kehle durchzuschneiden. Die Täterinnen gehörten einer Clique an. Solche organisierten Banden seien in Berlin eher selten, sagen Ermittler. Vielmehr treffen sich gewaltbereite Kinder eher spontan. Aus diesen Gruppen entwickeln sich später Straßengangs von Jugendlichen, so die Polizei.------------------------------Junge TäterRund 25 Prozent der tatverdächtigen Kinder sind Mädchen. Die Polizei weiß, dass in Neukölln mehrere Mädchengruppen ihr Unwesen treiben und Gleichaltrige überfallen. Es handelt sich dabei nicht um organisierte Banden, sagen Polizisten. Die Gewalt unter Kindern hat zugenommen, so die Polizei.67 Kinder wurden im vergangenen Jahr von der Polizei wegen Rauschgiftdelikten erfasst. Vor allem durch Ladendiebstahl, Körperverletzung, Sachbeschädigung, Raubdelikte und Taschendiebstahl fallen Jungen und Mädchen auf.------------------------------Grafik: Die Zahl der verdächtigen Kinder sank in den vergangenen Jahren.

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