Eishockey

Eisbären Berlin: Von der Herausforderung, Talente langfristig zu binden

Einst prägte der Jahrgang 1985 eine Eishockey-Ära. Ähnliches zu wiederholen, scheint in der heutigen Zeit schier unvorstellbar.

Benedikt Paetzholdt
3 Min
Lukas Reichel wird nicht mehr lange für die Eisbären auf Torejagd gehen.

Lukas Reichel wird nicht mehr lange für die Eisbären auf Torejagd gehen.

© imago images

Dass mehrere Profis eines Geburtsjahres über fast zwei Jahrzehnte hinweg einen Verein prägen, wie es bei Hördler, Busch, André Rankel (trat im Dezember zurück) und Jens Baxmann (spielt in Iserlohn) der Fall war, ist unwahrscheinlich. Zu sehr hat sich das Eishockey mitsamt seiner Infrastruktur hierzulande verändert.

Zuletzt standen mit Torwart Tobias Ancicka, 19, Verteidiger Leon Gawanke, 21, sowie den Stürmern Haakon Hänelt, 17, Lukas Reichel, 18, und Nino Kinder, 19, fünf Profis im Aufgebot, die 21 Jahre oder jünger sind. Das sieht hoffnungsvoll aus, gerade vor dem Hintergrund, dass sie alle eines Tages auch der Nationalmannschaft zur Verfügung stehen. Dennoch trügt der Schein, denn Gawanke weilt ja nur deshalb in Berlin, weil die American Hockey League derzeit ruht. Dort spielte er zuletzt für Manitoba Moose, das Farmteam des AHL-Klubs Winnipeg Jets. Und auch bei Reichel ist der Abgang nur eine Frage der Zeit. Die Chicago Blackhawks haben ihn ja bekanntlich in der ersten Runde des NHL-Drafts ausgewählt. Und in nicht so ferner Zukunft wird er seine Zelte in Nordamerika aufschlagen.

Die Konkurrenz wird härter

Und auch auf die anderen drei haben die Späher längst ein Auge geworfen: Hänelt taucht bereits auf, wenn es um die Kandidaten für die nächste Talente-Auswahl geht, Ancicka und Kinder waren dort ebenfalls schon gelistet, Kinder spielte bereits in der Nachwuchsliga WHL. Sollten sie in Berlin groß aufspielen, und das ist ihnen persönlich und aus EHC-Sicht zu wünschen, werden Konkurrenten auf den Plan treten. Auch hierzulande hat sich der Markt im Vergleich zu Anfang des Jahrtausends gewandelt. Mit München ist ein Player dazugekommen, der nicht nur ein einzigartiges Ausbildungsmodell geschaffen hat, sondern aufgrund seiner Finanzkraft durch Red Bull als äußerst attraktiver Arbeitgeber gilt.

Eisbären-Geschäftsführer Peter John Lee erinnert sich noch an die Zeit, als Busch mit 17 Jahren in Berlin aufschlug. „Er hat immer gesagt: ,Ich bin hier, weil ich Eiszeit bekomme‘“, erinnert sich Lee. Der damalige Trainer Pierre Pagé wirkte seinerzeit geradezu revolutionär, als er jungen Spielern Verantwortung übertrug. Fast 20 Jahre später sind junge Profis, auch dank fester Quoten, gesetzt. Sie fest an den Verein zu binden, ist ungleich schwerer geworden. Auch weil das deutsche Eishockey international stark an Ansehen gewonnen hat.

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