131,23 Milliarden Dollar für ein Flugzeug, dessen Grundentwurf aus den frühen Siebzigerjahren stammt: Diesen Rahmenvertrag hat die US-Luftwaffe am 24. August mit Boeing geschlossen.
Die F-15 Eagle soll damit bis weit in die 2030er-Jahre fliegen. Bestellt wurde bisher allerdings keine einzige Maschine.
F-15 Eagle Crest: Was der Vertrag wirklich bedeutet
Die Summe ist keine Rechnung, sondern eine Obergrenze. Der Vertrag mit dem Namen „F-15 Eagle Crest“ bündelt Neubau, Modernisierung, Nachrüstung und Wartung in einem einzigen Vehikel. Die Luftwaffe kann daraus über Jahre einzelne Aufträge abrufen.
Wie wenig bislang festgelegt ist, zeigt eine zweite Zahl aus derselben Mitteilung, über die zuerst das US-Fachportal Defense News berichtete: Tatsächlich gebunden wurden bei der Vergabe 343.740 Dollar.
Bestellungen sind bis zum 24. August 2031 möglich, mit Option bis 2036. Abgewickelt sein soll alles 2037. Gebaut wird in St. Louis im US-Bundesstaat Missouri.
Enthalten ist auch der Aufbau eigener Werften der Luftwaffe. Große Überholungen soll sie künftig selbst übernehmen, statt sie an Boeing zu geben. Gegenüber dem Fachmagazin Air & Space Forces Magazine betonte die Luftwaffe, die Obergrenze stehe für künftigen Bedarf, nicht für eine Zusage, das Geld auszugeben.
Warum die USA auf einen Kampfjet aus den Siebzigern setzen
Die naheliegende Frage: Warum so viel Geld für ein altes Muster, wenn es die F-35 gibt? Die Antwort ist Zuladung.
Ein Tarnkappenjet muss seine Waffen innen tragen, sonst verliert er seine Unsichtbarkeit. Die aktuelle Version F-15EX Eagle II kann dagegen außen bis zu zwölf Luft-Luft-Raketen mitnehmen – als schwer bewaffneter Begleiter der Stealth-Flotte, nicht als deren Ersatz.
Dazu kommen Reichweite, Robustheit und niedrigere Betriebskosten. Der frühere Luftwaffenchef C. Q. Brown zählte die F-15EX deshalb neben F-35, F-16 und dem Nachfolgeprogramm NGAD zu den vier Säulen der US-Flotte von 2030.
F-15EX für Polen? Warschau dementiert
Für Europa interessant ist die Kundenliste. Als mögliche Empfänger von Rüstungsexporten nennt die Vergabemitteilung Japan, Israel, Saudi-Arabien, Südkorea, Singapur, Indonesien – und Polen. Die beiden Letzten fliegen bislang keine F-15.
Warschau hat schnell dementiert. Das polnische Verteidigungsministerium erklärte, die Streitkräfte planten keine Beschaffung der F-15EX; die Nennung im US-Rahmenvertrag sei keine Kaufentscheidung. Auch Boeing bestätigte dem US-Portal The War Zone, dass es bisher keine Entscheidung gebe.
Aus der Luft gegriffen ist die Sache trotzdem nicht: Boeing wirbt seit Jahren in Warschau für die F-15EX, zuletzt auf der Rüstungsmesse MSPO. Polen setzt bislang auf 32 F-35 und 48 leichte FA-50 aus Südkorea. Deutschland hat sich gegen die F-15 entschieden, hier ersetzen F-35A und Eurofighter den Tornado.
Israel bestellt 25 Maschinen, die USA stocken auf 268 auf
Konkret ist der Auftrag aus Israel. Laut dem Beschaffungsbericht zum US-Haushaltsentwurf 2027 wurde Ende Dezember 2025 ein Abkommen über 25 Maschinen des Typs F-15IA geschlossen, mit Option auf 25 weitere. Volumen: 8,58 Milliarden Dollar.
Die US-Luftwaffe selbst erhöht ihre Bestellung deutlich: von ursprünglich 98 auf 268 F-15EX bis zum Haushaltsjahr 2031. Weil die Serie damit erheblich länger läuft, müssen Radar, Missionscomputer, elektronische Kampfführung und Triebwerke erneuert werden.
Streik in St. Louis: Einsatzbereitschaft verschiebt sich
Pünktlich wird das nicht. Der Bericht räumt ein, dass die volle Einsatzbereitschaft im Juli 2027 verfehlt wird. Als Grund nennt er einen 15-wöchigen Streik im Werk St. Louis zwischen dem 4. August und dem 17. November 2025 – und dass Boeing die selbst gesetzten Aufholziele danach verfehlt habe.
Bemerkenswert ist die Gegenmaßnahme. Zu den Schritten zählt laut Bericht eine Neubewertung der Definition von „voller Einsatzbereitschaft“. Die Luftwaffe prüft also, den Maßstab zu ändern, an dem sie gerade scheitert.
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