Flughafen

Für Vögel ist der BER eine Todesfalle

Die großen Glasfronten sind eine große Gefahr – auch für geschützte Arten wie Eisvogel und Waldkauz. In einem offenen Brief fordern Tierschützer Abhilfe.

3 Min
Schön anzusehen: das Terminal 1 des Flughafens BER. Doch die Glasfront birgt Risiken für Vögel.

Schön anzusehen: das Terminal 1 des Flughafens BER. Doch die Glasfront birgt Risiken für Vögel.

© dpa/Patrick Pleul

Eine Aufnahme zeigt eine Singdrossel, die tot auf dem Rücken liegt. Auf einem anderen Bild ist ein Bereich vor dem Terminal 1 zu sehen, der mit Vogelkadavern übersät ist. Andere Fotos zeigen Anprallspuren, die belegen, dass Vögel mit Wucht gegen das Glas geprallt sind. Claudia Wegworth vom BUND, die sich seit mehr als zehn Jahren mit dem Problem des Vogelschlags an Glasfronten befasst, hat viele Aufnahmen dieser Art. „Uns erreichen seit einigen Wochen zahlreiche Berichte und Fotos von toten und verletzten Vögeln, die an Glasflächen des BER kollidiert und zu Tode gekommen sind“, heißt es in einem Schreiben der Vogelschützer. 

Eine Anprallspur: An dieser Stelle ist ein Vogel gegen die Scheibe geflogen.

Eine Anprallspur: An dieser Stelle ist ein Vogel gegen die Scheibe geflogen.

© Claudia Wegworth

Auch der Schriftsteller David Wagner hat Bilder beigesteuert. Als er den BER im vergangenen Jahr vor der Eröffnung besuchte, fand er neben dem Terminalgebäude unter anderem einen toten Eisvogel – diese Art steht unter Schutz. „Ein Vogeltotenhaus“, schrieb Wagner in der Wochenzeitung Zeit über den Flughafen.

„Dieses Problem ist uns bekannt, und wir nehmen es ernst“, sagt die Flughafensprecherin Sabine Deckwerth. Allerdings träten seit der Eröffnung des Terminals kaum noch Vogelkollisionen auf. Vermutlich liege das am Flugbetrieb, durch den sich Vögel gestört fühlten.

Gestorben am BER: eine Singdrossel.

Gestorben am BER: eine Singdrossel.

© Naturschutzbund (Nabu) Brandenburg

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Das Problem gebe es weiterhin, entgegnet Claudia Wegworth. „Im Januar waren wir mit Ornithologen zu einem Ortstermin am Flughafen“, sagt sie. „Wir zählten mindestens 100 Anprallspuren.“ Außerdem wurden zahlreiche Federreste gefunden – unter anderem vom Waldkauz, einer weiteren geschützten Art.

In den vergangenen acht Jahren seien nachweislich zahlreiche Vögel am Terminalgebäude zu Tode gekommen, so die Vogelschützer. Sie gehen davon aus, dass es während der gesamten Bauzeit zu solchen Fällen gekommen ist. „Bereits 2012 haben wir die Flughafengesellschaft auf das Problem hingewiesen“, berichtet Claudia Wegworth. „Doch unsere Schreiben blieben unbeantwortet.“

Tote Vögel auf dem Gehweg vor dem Terminal 1.

Tote Vögel auf dem Gehweg vor dem Terminal 1.

© Naturschutzbund (Nabu) Brandenburg

Der Bund schätzt, dass in Deutschland jährlich 18 Millionen Vögel durch Glasfronten sterben. „Wäre das Problem in der Bauplanung frühzeitig berücksichtigt worden, hätten Vogelkollisionen am BER weitestgehend vermieden werden können“, steht in dem offenen Brief.

Allerdings sei es nicht zu spät, Versäumtes nachzuholen. Bedruckte Folien könnten die Gefahr verringern, sagt Wegworth. Zwar werde dies angesichts der großen Glasflächen, die es auch an anderen BER-Gebäuden gebe, mehrere Millionen Euro kosten - Geld, das die klamme FBB auf absehbare Zeit nicht hat. Doch die Forderung steht: „Die akuten Probleme an den bestehenden Gebäuden müssen umgehend behoben werden.“

Damit sei begonnen worden, berichtet die Flughafensprecherin Sabine Deckwerth. „Wir haben mit unseren Experten bereits Maßnahmen ergriffen.“ So wurden Flächen mit speziellen Folien beklebt. Sollte sich dieses Verfahren bewähren, werden weitere Flächen folgen.

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