Schlager

16,8 Prozent: Giovanni Zarrella liefert ZDF-Traumquote – warum ist das Netz sauer?

Fast drei Millionen schauen zu. Der Marktanteil ist Bestwert seit Jahren – und trotzdem prügelt das Netz auf Giovanni Zarrella ein. Warum jetzt sogar das ZDF interveniert.

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Topquote, doch das Netz tobt: Giovanni Zarella, hier beim Deutschen Fernsehpreis 2023 im Coloneum (Archivbild)

Topquote, doch das Netz tobt: Giovanni Zarella, hier beim Deutschen Fernsehpreis 2023 im Coloneum (Archivbild)

© Rolf Vennenbernd/dpa

Schlager auf dem Fernsehgarten-Rasen, Glitzer im Abendlicht, drei Schlagerlegenden auf der Bühne – und ein Moderator, der so glatt lächelt, als wollte er damit ins Guinness-Buch der Rekorde. Willkommen bei „Die Giovanni Zarrella Show“, Ausgabe Lerchenberg.

Die Show, die (fast) alle sehen wollten

Statt im gewohnten Studio ließ das ZDF seinen Schlagerstar diesmal nämlich live vom Mainzer Lerchenberg aus performen – dort, wo sonst der „Fernsehgarten“ Schlagerherzen höherschlagen lässt. Mit dabei: Andrea Berg, Vanessa Mai und Semino Rossi. Das Line-up liest sich wie das Who’s who der deutschen Vorabend-Nostalgie.

Und die Zahlen? Können sich sehen lassen. Fast drei Millionen Menschen schalteten ein. Laut dem Fachportal dwdl.de bedeutete das einen Marktanteil von 16,8 Prozent beim Gesamtpublikum – Bestwert seit zweieinhalb Jahren. Quotentechnisch: Traumnote mit Sternchen.

Parallel dazu: Der Netz-Aufstand

Doch während die Quote triumphierte, kochte auf Facebook die Volksseele hoch. Zarrella wurde vorgeworfen, nur fremde Songs nachzusingen, „nichts Eigenes“ zu liefern. Andere fühlten sich vom ZDF-Programm generell nicht mehr abgeholt. Wieder andere kündigten – man kennt das Ritual – den Senderwechsel an.

Kurz: Der Kommentarbereich wurde zur Bühne für alles, was Deutschland am deutschen Fernsehen nervt. Insbesondere am ÖRR.

ZDF zieht die Notbremse

Was folgte, war das, was in solchen Momenten fast immer geschieht: Das Social-Media-Team schaltete sich ein und erinnerte höflich, aber bestimmt an die eigene Netiquette. Kritik sei erwünscht, hieß es sinngemäß – persönliche Angriffe und Beleidigungen würden aber konsequent entfernt.

Wer es nicht kapiert, kassiert laut Sender im Wiederholungsfall sogar eine Sperre. Diskriminierung, Drohungen, Wahlwerbung und rechtsradikale Inhalte sind ohnehin tabu – das steht schon länger so in der ZDF-Netiquette.

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Auch auf Instagram kommt die Ansage

Einen Tag später zog das Team hinter der Show auf Instagram nach. Unter einem Beitrag bat man ausdrücklich um einen sachlichen, respektvollen Ton. Beleidigungen, Off-Topic-Kommentare und Werbespam werden gelöscht.

Man merkt: Das ZDF hat offenbar keine Lust mehr, dem digitalen Grummeln tatenlos zuzusehen.

Wer ist eigentlich dieser Zarrella?

Bevor er zur festen Instanz im Schlagerfernsehen wurde, war Giovanni Zarrella Teil der Popgruppe Bro’Sis – Nullerjahre-Nostalgikern dürfte das noch etwas sagen. Seine Familie lebt bis heute in Köln. Aus dem Casting-Band-Mitglied wurde erst ein Schlagersänger, dann ein Moderator, der inzwischen zu den erfolgreichsten seines Fachs zählt.

Warum das Ganze mehr über uns sagt als über Zarrella

Die Ironie der Geschichte: Ausgerechnet die Show mit der besten Quote seit langem sorgt für den größten Shitstorm. Und das bei einem (objektiv betrachtet) nicht besonders kontroversen Inhalt.

Vielleicht sagt das weniger über Zarrellas Fähigkeit als Moderator oder als Musiker aus – und mehr über eine Streitkultur, die im Netz gern besonders laut hochdreht, wann immer Aufmerksamkeit garantiert ist.

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