Im Großstadtdschungel: Jetzt kommen die Plantfluencer!
Wohn-Oase in Mitte: In aller Gastfreundschaft
Nun ist das mit dieser Stadt und ihren Gerüchen so eine Sache. Nicht unbedingt steht Berlin exemplarisch für zarte Aromen und verführerische Noten. Glücklicherweise aber führte Kowalewskis Spaziergang sie nicht durch die eigenwillig riechende Unterführung am Messedamm oder die Bahnhöfe der U8: „Ich ging am Brandenburger Tor spazieren, Unter den Linden, bis zur Museumsinsel.“ Es ist der Duft der kleinen, weißen Lindenblüten, der nun die Kopfnote des Produktes prägt.
„Flâneur“ erzählt aber nicht nur von einer, sondern von zwei Metropolen. „Mit dem Duft verbinde ich sinnbildlich die beiden mir so wichtigen Städte“, sagt Kowalewski. „Für Berlin steht die Linde und für Barcelona der Absinth, der hier eine langen Tradition hat.“ Vor allem im 1820 eröffneten Raval, der ältesten noch bestehenden Bar der Stadt, werde er in rauen Mengen ausgeschenkt – früher auch an Pablo Picasso und Salvador Dalí.
Der Parfümeur Mark Buxton kreiert auch für Comme des Garçons und Givenchy
Zum leicht bitteren Absinth- und sommerlichen Linden-Geruch gesellen sich noch Bergamotte, Mandel, Ambra – und Kaschmirholz. Tatsächlich ist es dieser holzige, leicht salzige Geruch, der „Flâneur“ besonders auszeichnet. Recht zügig löst er den zarten Duft der Lindenblüten ab, der sich beim ersten Riechen eher kurz erfassen lässt. Insgesamt ein ausgewogener Duft, weniger floral als orientalisch, nicht zu schwer allerdings – ein bisschen wie die Parfüms der Couture-Linie Armani Privé – die in den schwarzen, nicht die in den farbigen Flakons.
Erarbeitet hat Kowalewski „Flâneur“ gemeinsam mit dem Parfümeur Mark Buxton, der auch für Marken wie Comme des Garçons, Givenchy oder Burberry kreiert. Ansonsten hat das Label 27 87 mit den großen Namen kaum etwas gemein: Wird die Parfüm-Branche von wenigen, riesigen Konzernen wie Coty oder Puig dominiert, die via Lizenzgeschäft die Düfte bekannter Modelabels herstellen, ist 27 87 sozusagen eine One Woman Show. Kowalewski gründete die Marke im Alleingang, arbeitet unabhängig, lässt ihre Düfte in Barcelona lokal produzieren.
Die Parfüms stehen in den Regalen von Corso Como und Harvey Nichols
Auf die dortigen Parfümerien und Boutiquen beschränkt sie sich indes nicht. Die Parfüms von 27 87 können in rund 20 Ländern gekauft werden, sie stehen in den Regalen von Corso Como, Harrods oder Harvey Nichols. In Berlin sind sie im Parfümsalon Heinz Schlicht zu haben, der Duft „Flâneur“ kostet zwischen 65 Euro für die kleine und 155 Euro für die große Flasche.
Es ist übrigens nicht das erste Mal, das eine Parfümmarke mit dem Lindenduft der Stadt experimentiert. Auch die Duftkerze „Berlin“ von Diptyque ist ähnlich konzipiert – und wurde zu einem großen Erfolg. Gut möglich, dass es für Romy Kowalewskis „Flâneur“ ähnlich läuft. „Mich fasziniert am Duft der Linde die betörende, leicht süßliche Note, die nicht nur die Hummeln wild macht“, sagt sie, „sondern auch uns Menschen anzieht.“
Die Wochenendausgabe
Am 10./11. Juli 2021 im Blatt:
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https://berliner-zeitung.de/wochenendausgabe
Dieser Text ist in der Wochenendausgabe der Berliner Zeitung erschienen – jeden Sonnabend am Kiosk oder hier im Abo.
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