Gleich mehrere Abschiebungsfälle in den vergangenen Tagen haben zu scharfer Kritik an der Ausländerbehörde geführt. Nach Auskunft des Berliner Flüchtlingsrats versuchten Beamte des Bundesgrenzschutzes (BGS) vorigen Freitag vergeblich, einen 17-jährigen Kirgisen nach Moskau abzuschieben. Laut Flüchtlingsrat hat Holsat A. ausgesagt, dass ihn die vier Beamten mit Fäusten geschlagen hätten, als er im Flugzeug gegen die Trennung von seinem Bruder protestierte. Holsat A. war vor kurzem mit seinem ein Jahr älteren Bruder illegal eingereist. Der 17-Jährige soll nach den Worten seines Seelsorgers Druckstellen und Hautabschürfungen davongetragen haben, auch leide er nach den angeblichen Schlägen unter Kopfschmerzen.Das Grenzschutzamt Berlin bestätigte, dass gegen die beteiligten Beamten inzwischen Strafanzeige gestellt worden sei. BGS-Sprecher Michael Baier sagte, es sei zu "Widerstandshandlungen" des 17-Jährigen gekommen, weswegen der Rückführungsversuch auf dem Flughafen Schönefeld abgebrochen wurde: "Es steht jedermann frei, Strafanzeige zu stellen. Wir sehen den Ermittlungen gelassen entgegen." Peter Fleischmann, Sprecher des für die Ausländerbehörde zuständigen Innensenators Ehrhart Körting (SPD), sagte, der Fall des Kirgisen sei eine ganz normale Abschiebung. "Dabei kommt es natürlich vor, dass sich die Leute wehren. Manche verletzen sich sogar selbst, um hier bleiben zu können."Der Flüchtlingsrat berichtet noch von einem zweiten Fall. So solle am zweiten Weihnachtsfeiertag eine alleinstehende Mutter mit vier Kindern im Alter von zwei bis zwölf Jahren nach Belgrad abgeschoben werden. Dies widerspreche einem von der Innenbehörde verhängten Abschiebungsstopp für Roma nach Serbien und Montenegro während der kalten Jahreszeit bis einschließlich März. Die Mutter habe zwar Straftaten begangen, räumte der Flüchtlingsrat ein, ihre Kinder dürften deswegen aber nicht in "Sippenhaft" genommen werden. Körtings Sprecher Fleischmann erklärte dagegen, es gebe derzeit gar keinen Abschiebungsstopp: "Wenn eine Rückführung ansteht, sind wir verpflichtet, sie durchzuführen."Auf einen dritten Fall machte das Oberstufenzentrum für Bürowirtschaft aufmerksam. Dem 16-jährigen Fexhri Syla, derzeit im zweiten Jahr seiner Ausbildung zum Bürokaufmann, drohe unmittelbar die Abschiebung, obwohl er bereits für Anfang Januar einen Praktikumsplatz erhalten habe. Sylas Klassenlehrer Günther Schorkopf forderte die Ausländerbehörde auf, die Abschiebung zumindest bis zum Ende der Ausbildung auszusetzen.
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