Ursprünglich sollte Ende August Annahmeschluss sein. „Auf Bitten von Bewerbern ist die Frist zur Abgabe der indikativen Angebote auf den 28. September 2021 verschoben worden“, sagte Constanze Siedenburg, Sprecherin von Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne). Nach wie vor soll im vierten Quartal des kommenden Jahres feststehen, wer die neuen S-Bahnen für die elf Nord-Süd- und Ost-West-Linien liefert und betreibt. Von 2027 bis 2034 sollen mindestens 1308 Wagen kommen, die Landeseigentum werden.
Interesse aus Hongkong und Frankreich
„Es besteht seitens der Bewerber weiterhin reges Interesse und eine intensive Beteiligung am Wettbewerb“, so die Sprecherin. Ein Insider entgegnete jedoch: „Mit regem Interesse meint der Senat bestimmt die laufenden Rückfragen der Bieter zu den Vergabeunterlagen. Es gibt viele Fragen, und viele sind noch unbeantwortet, teilweise seit April. Viele Fragen heißt aber nicht viele Bewerber.“ Es sei absehbar, dass die Zahl der Unternehmen, die nun tatsächlich ein verbindliches Angebot abgeben werden, sehr übersichtlich sein werde – um es höflich zu formulieren. Der jetzige Betreiber, die S-Bahn Berlin GmbH der bundeseigenen Deutschen Bahn, habe gute Chancen, auch künftig alle Züge auf den Nord-Süd- und Ost-West-Strecken zu fahren.
Berliner S-Bahn-Ausschreibung: Am Ende bleibt wieder nur die DB übrig
Während einer früheren Stufe des Verfahrens hatten auch Verkehrsunternehmen wie die Mass Transit Railway (MTR) aus Hongkong oder die Länderbahn grundsätzlich Interesse geäußert. Allerdings zögern alle diese Unternehmen derzeit, ein verbindliches Angebot abzugeben. Falls das so bleibt, würde die Liaison, die Alstom mit Transdev Regio Ost eingehen wollte, nicht zustande kommen. Zwar will sich die Firma Alstom, die den auch in der Region Berlin tätigen Bahnhersteller Bombardier gekauft hat, entgegen früherer Bedenken nun doch weiterhin an dem S-Bahn-Verfahren beteiligen. Als Einzelanbieter wären die Chancen in diesem Fall aber bestenfalls mäßig, schätzen Beobachter ein.
Eine Erklärung dafür: „Gesamtangebote werden bevorzugt, weil Einzelangebote für das Fahrzeug nicht berücksichtigt werden, wenn keine komplementären Betreiber Einzelangebote vorliegen, selbst dann nicht, wenn sie den halben Preis hätten als die Fahrzeuge im Gesamtangebot. Das Land lässt so viel Geld liegen!“ Das französische Unternehmen äußerte sich auf Anfrage der Berliner Zeitung nicht. „Wir kommentieren keine laufenden Ausschreibungen“, hieß es bei Alstom.
Nach jetzigem Stand wollen die S-Bahn Berlin, Siemens und Stadler ein Gesamtangebot abgeben. Beim Bundeskartellamt haben die Unternehmen die Gründung zweier Gemeinschaftsunternehmen mit gemeinsamer Kontrolle angezeigt.
Hongkonger Unternehmen möchte Berliner S-Bahnlinien betreiben
Der Alstom-Nachprüfungsantrag zur S-Bahn-Ausschreibung ging am 24. Juni bei der Vergabekammer ein, bestätigte ein Sprecher von Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne). Wie lange die Bearbeitung dauert, lasse sich jetzt noch nicht sagen. Die Dauer des Verfahrens könne zwischen einer Woche und mehreren Monaten schwanken.
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