Der Debattenzug gewährte keine Pause. Als eine junge Buchhändlerin aus Berlin-Kreuzberg von einigen Instagram-Gerechten zu dem Bekenntnis genötigt wurde, für ihr kleines ambitioniertes Projekt das Erbe ihrer Familie eingesetzt zu haben, die ihren Nazihintergrund nicht leugnen konnte und wollte, war mehr ins Wanken geraten als nur das Rechtsempfinden, in einer Gesellschaft ohne Sippenhaft zu leben. Aus einer Anmaßung war plötzlich ein geschichtspolitisches Argument geworden. Autochthone Deutsche, so das neue moralische Gebot, haben bestenfalls die Chance, ihre kollektive Schuld durch freiwillige Vermögensabgaben zu begleichen.
Geschichtspolitik
Die Etablierung eines neuen Erinnerungsregimes
Straßen sollen umbenannt und familiärer Nazihintergrund zur ewigen Schuld erklärt werden. Worum es in den Debatten um Holocaust und Kolonialismus geht.
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Eine junge Frau springt in Berlin über die Stelen des Denkmals für die ermordeten Juden Europas.
© dpa/Jens Kalaene
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