Die Wochenendausgabe
Am 7./8. August 2021 im Blatt:
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Ein paar Maßnahmen helfen auch jetzt, in dieser müden Phase, den Garten wieder frisch und munter zu machen. Sie sind aufgeteilt in sich langfristig und zukünftig bezahlbar machende Dinge sowie in Nachlässigkeiten der vergangenen Wochen ausgleichende und spontan umsetzbare Eingriffe, die dem Garten helfen, die Hoch- und Spätsommerzeit bis zum Herbst glorreich zu überbrücken.
Zur ersten Tätigkeitsgruppe gehört vor allem eine vernünftige Auswahl von Pflanzen, die im späten Juli und August blühen. Beobachten Sie also genau, was jetzt in Ihrem Garten blüht und setzen Sie noch mehr der entsprechenden Pflanzensorten. Und ergänzen Sie das Ganze um Sommerstauden! Dazu gehören zum Beispiel Sorten der Sonnenbraut (Helenium), die es in Farben von Gelb über Orange bis Rot gibt. Mir gefallen am besten „Rubinzwerg“, „Baudirektor Linne“, „Moerheims Beauty“ oder „Sahin’s Early Flowerer“: kupfer- bis weinrote Sorten, die richtig Farbe in den Garten bringen, gerade dann, wenn man sie dringend braucht.
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Keine Angst vor „Color Blocking“ in den Beeten
Dabei sollten Sie keine Angst vor „Color Blocking“ haben. Denn nach Wochen von viel Blau und anderen eher subtilen Nuancen in meinem Garten freue ich mich über die plötzliche Farbexplosion. Deshalb setze ich sie neben den Purpursonnenhut (Echinacea purpurea „Primadonna Rosa“), die großblütige blaue Frikarts Aster „Mönch“ (Aster x frikartii „Mönch“) und die tief purpurfarbene Prachtscharte (Liatris spicata). Von Letzterer bieten sich auch die weißen Sorten an, zum Beispiel „Floristan Weiß“. Sie alle blühen jetzt, zur „müden Gartenzeit“.
Auch Schlangenknöterich (Bistorta officinalis), Herbstanemonen (Anemone hupehensis oder Anemone tomentosa) und Patagonisches Eisenkraut (Verbena bonariensis) gehören dazu. Und in den trockeneren Gartenbereichen blühen nun die Duftnesseln (Agastachen). Eine besondere Lebendigkeit strahlen sie aus, wenn sie in verschiedenen Farbtönen zusammen gepflanzt werden. Auch die Prachtkerze (Gaura lindheimeri) läuft jetzt zur Höchstform auf und wird – wie die Duftnesseln und das Eisenkraut – bis in den Herbst blühen.
Glatte Astern sollte man jetzt im August stützen, ob mit Bambus oder dickem Stahldraht.
© Imago
Daneben gibt es noch ein paar nicht so geläufige Stauden, die sich gut im Hochsommergarten machen. Der Hanfblättrige Eibisch (Althaea cannabina) – den man trotz seines Namens übrigens nicht rauchend genießen kann, weswegen die Anpflanzung auch nicht verboten ist – zeigt sich als sehr dezent blühende Staude, die sich aber bis zu zwei Meter hoch über alle anderen erhebt. Oder sollte ich eher sagen: diese „durchwebt“? Das ist zumindest der Eindruck, den ich vom Hanfblättrigen Eibisch habe, der sich durch die anderen Pflanzen im Beet hindurchrankt. Auch die Goldrute (Solidago) – die ich selbst als Unkraut klassifiziere, weil ich sie nicht gerade mag – bietet mit der Sorte „Loysder Crown“ eine wundervolle schwefelgelbe Variante, die zu meinen Favoritinnen gehört: Sie samt nicht aus und ist absolut standfest.
Und dann gibt es natürlich noch die Dahlien (Dahlia). Geschickt in den Beeten verteilt (und durchgehend vor Schnecken geschützt) beginnen sie jetzt zu blühen und behalten ihre Pracht bis zum ersten Frost. Ich habe mir auf der Terrasse vor meinem Schlafzimmer einen kleinen Dahlien-Garten in Kübeln angelegt. Es sind gar nicht so viele, vielleicht zehn Stück, aber wenn sie alle viele Blüten tragen, habe ich damit quasi Mexiko direkt vor der Tür. Vielleicht träume ich deshalb in letzter Zeit so wild?
Wer Pflanzen stützt, gibt dem Garten mehr Struktur
Nun lohnt es sich auch, die Pflanzen zu stützen: Wenn sie aufrechter stehen, gibt das dem Garten gleich noch mehr Struktur. Bei der Glatten Aster (Aster laevis „Calliope“) zum Beispiel ergibt das Stützen besonders viel Sinn, genauso bei manchen Gehölzen wie den kaum richtig tragfähigen Ballhortensien „Annabelle“ (Hydrangea arborescens „Annabelle“).
Ich schneide sie im Frühjahr extra nicht zu tief ab, damit sie möglichst viele, wenn auch eher kleine Blüten entwickeln, die sie noch gut tragen können. Aber aus irgendeinem Grund haben meine Hortensien in diesem Jahr riesige Blütenbälle entwickelt. Und nach dem Regen dieser Woche hat es sie nun auch erwischt: Ein Teil hängt traurig herunter und wartet, von mir erlöst zu werden (durch Stützen und nicht durch Schneiden, obwohl auch das eine Lösung wäre – in der Vase halten sich Hortensien recht lange).
Duftnesseln haben es im Garten am liebsten richtig trocken.
© Imago
Wenn sich in dieser Zeit nun Lücken in den Beeten auftun, dann kann man immer noch einjährige Pflanzen dazusetzen. Mein Favorit ist die Spinnenblume (Cleome). Auch jetzt lohnt es sich noch, sie zu pflanzen, denn an einem sonnigen Standort blüht sie bis zum Frost. Natürlich können Sie auch einfach in eine Gärtnerei gehen und mitnehmen, was Ihnen gefällt. Allzu viel kann man dabei nicht falsch machen, da die Einjährigen im kommenden Jahr sowieso nicht wiederkommen.
Wenn man den Rückschnitt der Stauden zum Johannistag Ende Juni verpasst hat (ich bekenne mich schuldig), dann ist es noch nicht zu spät: Katzenminze (Nepeta cataria) und Steppensalbei (Salvia nemorosa) werden dann zwar nicht mehr mit einer zweiten Blüte belohnen, aber zumindest kommt der Echte Lavendel (Lavandula angustifolia) bestens vorbereitet ins kommende Jahr – und die anderen beiden hängen wenigstens nicht länger traurig runter. Auch andere Stauden, die bei Wind und Regen gelitten haben, sollte man nun ausputzen.
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Meine Schuppenköpfe (Cephalaria) schneide ich genau jetzt zurück. Habe ich mich im Frühsommer an den meterlangen, sich in wilden Bögen hochreckenden Blütenstängeln erfreut, stören mich nun die nickenden Formen, die sie angenommen haben. Und zu guter Letzt lohnt es sich in dieser Zeit auch, noch einmal in die Rasenpflege zu investieren: Ordentlich mähen, alle Kanten säubern oder nachziehen und darauf achten, dass der Rasen nicht zu lang wird. Das bringt einen großen Unterschied in den Garten! Schließlich geht es in den meisten Beeten gerade recht wild zu – da schätzt das verwöhnte Gärtnerauge wenigstens an den Wegen und in den Flächen etwas Ruhe.
Dieser Text ist in der Wochenendausgabe der Berliner Zeitung erschienen – jeden Sonnabend am Kiosk oder hier im Abo.
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