Kommentar

Corona-Demos in Berlin: Politischer Wandertag

Demonstrationen gegen Hygienemaßnahmen und Demokratieeinschränkung zogen durch Berlin. Die Polizei agierte klug mit einer schlichten Taktik.

Maritta Adam-Tkalec Maritta Tkalec
2 Min
Kilometerweit laufen: Teilnehmer einer Demonstration gegen die Corona-Politik der Bundesrepublik gehen durch die Stadt, hier einer der Züge, der am Nachmittag durch Prenzlauer Berg zog.

Kilometerweit laufen: Teilnehmer einer Demonstration gegen die Corona-Politik der Bundesrepublik gehen durch die Stadt, hier einer der Züge, der am Nachmittag durch Prenzlauer Berg zog.

© DPA/Christophe Gateau

Mit einer Ausnahme waren alle Demonstrationen verboten – nicht wegen der dort geäußerten Meinungen, sondern weil die Hygiene-Regeln erwartbar missachtet wurden: keine Masken, kein Abstand. Doch die Polizei ließ die Leute laufen – durch Mitte, Friedrichshain, Prenzlauer Berg. War eine kritische Menschenzahl erreicht, stoppte die Polizei den jeweiligen Zug und drängte die Leute in andere Straßen.

Das Stoppen, Wegleiten, Verteilen, Auflösen gelang immer wieder. Die ohnehin weitgehend friedlich gestimmten Menschen freuten sich dennoch der Möglichkeit, ihre Meinung zu zeigen. Vor dem Kino International erklang „Oh, wie ist das schön“.

Sollten aggressive Rechte dabei gewesen sein, blieben sie unauffällig. Da waren vor allem von den schier endlosen Beschränkungen genervte Leute unterwegs, die die Aussetzung von Grundrechten nicht durch Infektionsschutz gerechtfertigt sehen. Und so, wie sie das vortrugen, geht es in Ordnung. Dass es überwiegend friedlich blieb, ist auch der Polizei zu danken. Die Taktik, die Leute bis zur Ermüdung oder einem Regenguss laufen zu lassen, funktionierte.

Corona ist nicht vorbei, aber die Anspannung sinkt. Das spürte man in der Demonstrantenschar. Ehrliche Sorge um die Demokratie ist ernst zu nehmen, auch wenn wieder abstruse Geschichten zu hören waren. Eine lautet: Die Kliniken seien überlastet, weil so viele Impfschäden zu behandeln sind. Sehr falsch. Zum Glück.

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