Götz Offergeld ist Herausgeber der Zeitschriften Numéro Berlin, Intersection Deutschland und Fräulein Magazin. Als Stylist wirkt er an vielen Fotoproduktionen selbst mit und prägt die Publikationen mit einer avantgardistischen Ästhetik auf internationalem Niveau.
© Heiko Richard
Für mich ist die Berliner Fashion Week vollkommen irrelevant. Seit Jahren werden die gleichen Fehler gemacht und die ganze Veranstaltung wird ausgesprochen provinziell vonseiten des Senats betreut. Es gibt keinerlei Alleinstellungsmerkmal, um sich gegenüber Paris, Mailand oder London abzugrenzen. Geschweige denn, dass die Qualität auch nur ansatzweise ausreicht, um dem Event eine internationale Relevanz zu verleihen. Positiv stechen hier die Konzepte von Highsnobiety und Reference Studios hervor, die neue Ansätze haben und Mode in zeitgemäßer Form und passend zu Berlin präsentieren. Allerdings bräuchte es hier wesentlich mehr solcher Konzepte, sodass sie nicht wie Tropfen auf dem heißen Stein verpuffen, sondern eine Welle entsteht. Die Berliner Fashion Week braucht meiner Meinung nach ein klares Konzept, einen Kopf, der die Fashion Week repräsentiert und ihr eine Gesamtvision gibt, bis hin zu einer zielführenden PR-Strategie. Gerade in Zeiten, wo Budgets immer knapper werden, muss man dem internationalen Publikum und insbesondere den Journalisten herausragende Argumente liefern, damit sie eine Reise nach Berlin antreten. Solange dies nicht der Fall ist, ist jede Modenschau, die hier stattfindet, für Designer und junge Talente vertane Liebesmüh und sie sollten ihre Anstrengungen lieber darauf setzen, in Paris, London oder Mailand zu präsentieren.“
Götz Offergeld, Herausgeber
Gianluca Cantaro ist Modejournalist, Berater und Dozent. Er war stellvertretender Chefredakteur der italienischen Männer-Vogue und Chefredakteur des Magazins L’Officiel Italia. Aus Mailand berichtet er für die Berliner Zeitung über Mode.
© Scott Schuman/The Sartorialist
Berlin hat einen einzigartigen Vibe, deshalb wäre eine lokale Modewoche sinnvoll, wenn sie dieses Gefühl zum Motor des Events macht. Oft vergessen wir dieser Tage, dass Mode Spaß machen soll und muss. Wenn eine Veranstaltung in diese Richtung agiert, werden Erfolg und Geschäft folgen. Die Deutschen sind nicht so stark in der Mode verwurzelt wie Italiener oder Franzosen, aber seit dem Mauerfall hat sich gerade Berlin eine vollkommen einzigartige Coolness erarbeitet, die es zu einer der aufregendsten Städte Europas und der Welt gemacht hat. In jüngerer Zeit gehören Modemedien aus Deutschland zu den maßgeblichsten in der Branche. Unabhängige spannende Labels wie GmbH, Lutz Huelle oder Ottolinger zeigen in Paris. Wenn sich all dies zweimal im Jahr zu einem drei- oder viertägigen zusammenhängenden Event verbände (bei dem jeder seine Identität behält, aber alle zusammen Berliner Kreativität und Coolness feiern), wäre eine Fashion Week absolut sinnvoll. Sagen wir nicht immer wieder, dass Fashion Weeks im herkömmlichen, alten Stil langweilig sind?“
Gianluca Cantaro, Modejournalist
Das deutsche Model Veronika Heilbrunner ist auf internationalen Mode-Events gern gesehen. Sie kennt das internationale Pflaster, liebt aber auch Berlin, wo sie zeitweise gelebt hat. Als Journalistin schreibt sie für diverse Modemagazine und betreibt ihre eigene Plattform Hey Woman. Knapp eine Viertelmillion Menschen folgen ihr auf Instagram.
© imago/Pacific Press Agency/Mauro Del Signore
Berlin braucht die Fashion Week nicht, andersherum, die Fashion Week braucht die Hauptstadt! Wobei ich generell nicht von der Idee einer reinen Modewoche überzeugt bin. Die Stadt hat in anderen Bereichen wie in der Musik, Kultur und Kunst so viel mehr zu bieten. Und noch wichtiger ist der Fakt, dass alles miteinander verknüpft sein müsste, um einen Sinn zu ergeben. Ich fände es eine richtig gute Sache, wenn sich statt mehrerer Events die Kräfte bündeln könnten, um eine Art Festival ins Leben zu rufen, bei dem Berlin seine grandiose Vielfalt zeigen kann. Das könnte auch international interessant werden und somit auch von großem Vorteil für die Mode hier sein.“
Veronika Heilbrunner, Model und Influencerin
Mumi Haiati ist Inhaber der international agierenden PR-Agentur Reference Studios. Mit dem interdisziplinären Reference Festival und dem Nachwuchswettbewerb Reference Incubator setzt er sich aktiv für Berlin als Modestandort sowie die Nachwuchsförderung ein. Sein Netzwerk bildet eine Schnittstelle zwischen Berlin und den Top-Playern der Modebranche weltweit.
© Jonas Lindstroem
Die Berlin Fashion Week muss sich erst noch brauchbar machen. Dazu bedarf es originärer Konzepte, die den Zeitgeist darstellen, und Inhalte, die auch über die Stadtgrenzen hinaus relevant sind.“
Mumi Haiati, CEO Reference Studios
Marc Goehring ist Fashion Director des Berliner Magazins 032c und Street-Style-Ikone. Als international gefragter Stylist arbeitet er für Modemagazine und Designer auf der ganzen Welt. Seine Auftritte sind beliebtes Motiv der Fotografen in Paris und Mailand.
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imago/Pacific Press Agency
Ich brauche keine Berlin Fashion Week, meine Arbeit findet anderswo statt und auch in meinem Umfeld ist sie kein Thema. Vielleicht kann sie das ändern, wenn sie ihr Alleinstellungsmerkmal erkennt.“
Marc Goehring, Stylist
David Fischer gründete Highsnobiety 2005 als Sneakers-Blog. Die Marke zählt mit angeschlossenem Shop und PR-Agentur heute zu einem der international erfolgreichsten und einflussreichsten Berliner Brands.
© Alex de Brabant
Berlin braucht eine Fashion Week, weil es einfach zu viele wichtige internationale Talente in dieser Stadt gibt, denen eine Bühne gegeben werden muss. Genau dieses Ziel verfolgen wir ja auch mit Highsnobiety BERLIN, BERLIN. Die Veranstaltung ist ein Mix aus einem physischen Event in unserem Headquarter und einem digitalen Auftritt mit einer Website. Sie präsentiert Kunst, Mode, Musik und Design aus der lokalen Kreativszene.“
David Fischer, CEO Highsnobiety
Esther Perbandt betreibt seit 2004 ihr gleichnamiges Modelabel. Einflüsse aus der Berliner Kultur- und Clubszene finden sich in ihren Entwürfen ebenso wie das Handwerk der Couture. Sie ist eine feste Größe unter den Berliner Modedesignern und erlangte internationale Bekanntheit als Finalistin der Show „Making The Cut“ mit Heidi Klum.
© Birgit Kaulfuss
Berlin ist die Stadt in Deutschland, wo sich die meiste Kreativität entlädt. Dass die Fashion Week hier stattfinden muss oder zumindest der kreativere Part des Events, ist verpflichtend. Wir haben hier fantastische und inspirierende Orte und Locations. Mich langweilt die Frage, wer denn dann noch als Gast kommen soll. Viele Einkäufer haben schon seit Jahren keine Zeit mehr, auf Messen und alle Schauen zu gehen. Dann machen wir eben einfach tolle Veranstaltungen und Happenings für die Leute, die uns unterstützen: unsere Kunden. Ich bin in Berlin geboren. Der Asphalt dieser Stadt hat dafür gesorgt, dass ich Modedesignerin werden wollte. Dieses Commitment gebe ich mit Freude an diese Stadt zurück.“
Esther Perbandt, Modedesignerin und CEO Esther Perbandt
Berlin Street Style: Reference Festival im Bierpinsel
Christiane Arp: „Mode ist kein Platz zum Ausruhen“
Jörg und Maria Koch: Diese Berliner verstehen wirklich was von Mode
Die Wochenendausgabe
Am 11./12. September 2021 im Blatt:
Wo warst Du? 20 Jahre nach 9/11: Unsere Leserinnen und Leser erinnern sich
Street-Style bei der Fashion Week: Das trägt Berlins Mode-Avantgarde wirklich
Auto oder Fahrrad, Christian Lindner? „Taxi.“ Das Interview mit dem FDP-Chef
Hinkelsteine und Pflanzenkübel: Der Bergmannkiez kämpft gegen Autolärm – und seine Anwohner?
Wo knutscht es sich diskret? Unsere Autoren kennen Berlins beste Orte fürs Date
https://berliner-zeitung.de/wochenendausgabe
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