DDR und Liebe

Jenny Erpenbecks Roman „Kairos“: Eine unmögliche Liebe anno 1986

Die Endzeit der DDR und der Abstand zwischen einem Paar verdichtet die Autorin zu einem Zeit- und Lebensgewebe. Das muss man in diesem Herbst gelesen haben.

Cornelia Geißler
Cornelia Geißler
5 Min
Die Schriftstellerin Jenny Erpenbeck<br>

Die Schriftstellerin Jenny Erpenbeck

© Katharina Behling

34 Jahre beträgt der Abstand zwischen Katharina und Hans, in ihrer Liebe wirkt die Spanne klein. 34 Jahre sind seit der ersten Begegnung vergangen, da sie in „Kairos“, dem neuen Roman von Jenny Erpenbeck, wieder lebendig wird. Von heute aus gesehen, verbindet sich damit ein Epochenwechsel. „War der Augenblick ein glücklicher, in dem sie damals, als neunzehnjähriges Mädchen, Hans traf?“, fragt Katharina im Prolog. „Kairos“ bezeichnet in der griechischen Mythologie den Zeitpunkt, den man nicht verstreichen lassen sollte. Jenny Erpenbeck, eine der herausragenden Schriftstellerinnen unserer Zeit, wagt mit jedem Buch etwas Neues. In „Aller Tage Abend“ probierte sie fünffach die Varianten eines Lebens im schwierigen 20. Jahrhundert. In „Gehen, ging, gegangen“ konfrontierte sie einen emeritierten Professor mit den Flüchtlingen im Berlin des neuen Jahrtausends. In „Kairos“, dem Roman einer unmöglichen Liebe, schreibt sie zum ersten Mal über Alltag in der DDR.

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