Die Videos der Überwachungskameras aus dem Westin-Hotel in Leipzig lassen Zweifel an der Darstellung des Konflikts aufkommen, den Gil Ofarim vor knapp zwei Wochen dort erlebt hat. Mehrere Medien berichten nach Ansicht, der Musiker habe an dem Abend seine Kette mit dem Davidstern nicht sichtbar getragen. Ofarims emotionale Instagram-Botschaft, dass er antisemitisch beleidigt worden sei, ging allerdings davon aus, dass er wegen einer Kette angegriffen worden sei.
„Neue Erkenntnisse im Fall Ofarim? Video wirft Fragen auf“, heißt es in der Leipziger Volkszeitung. Das mit der Zeitung verbundene Redaktionsnetzwerk Deutschland berichtet, „in einem der Videos sei ein aufgeregter Gil Ofarim am Check-in zu sehen“. Da aus datenschutzrechtlichen Gründen der Ton fehle, lasse sich der Grund der Aufregung nicht klären „Nicht zu sehen ist auf dem Material laut der Zeitung offenbar Ofarims Kette mit Davidstern.“ Die Bild-Zeitung titelt online: „Gil Ofarim und der David-Stern-Skandal: Das Beweis-Video“. Für Abonnenten der Webseite seien die Aufnahmen aus dem Hotel zu sehen, ohne Ton. Die Deutsche Presse-Agentur (dpa) zitiert am Sonntag einen Sprecher der Leipziger Staatsanwaltschaft, dass mehrere Videos von den Überwachungskameras sichergestellt worden seien, deren Auswertung noch nicht abgeschlossen sei. „Was genau in dem Video zu sehen ist, ist Bestandteil der laufenden Ermittlungen“, erklärte eine Sprecherin der Leipziger Polizeidirektion.
„Es geht um etwas Größeres“
Seit Ofarim am frühen Morgen des 5. Oktober sein zweiminütiges Statement auf Instagram hochgeladen hatte, ist es fast 3,5 Millionen Mal gesehen worden. Er sei oft befragt worden zu Antisemitismus in Deutschland, erklärt er darin sichtlich bewegt. Dann erzählt er von seinem Erlebnis, das sich, wie er betont, in der Mitte der Gesellschaft ereignet habe. „Ich stehe hier mit meiner Kette, und eine Person nach der anderen wird vorgezogen“, beschreibt er die Situation in der Schlange, die Kette mit dem Stern dabei zeigend. Irgendeiner aus der Ecke habe gerufen: „Pack deinen Stern ein. Und da sagt der Herr W.: Packen Sie Ihren Stern ein. Und da sagt er, wenn ich ihn jetzt einpacke, darf ich einchecken. Wirklich? Deutschland 2021.“
Zahlreiche Persönlichkeiten sprachen Gil Ofarim ihre Solidarität aus, es gab eine spontane Demonstration gegen Antisemitismus vor dem Hotel. Es gab Aufregung darüber, dass das Hotel mit einem unpassenden Transparent seinen Ruf retten wollte. Das alles war Thema in den Medien in den vergangenen Tagen. Auch, dass Gil Ofarim vor einer Woche Anzeige gegen den Hotel-Mitarbeiter erstattet hat. Ermittler der sächsischen Polizei waren nach München gereist, um den Musiker dazu zu vernehmen.
„Pack deinen Stern ein“: Judenhass gegen Sänger Gil Ofarim in Leipziger Hotel
Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Leipzig sagte der Leipziger Volkszeitung am Sonnabend, die Auswertung der Videoaufnahmen seitens Polizei und Staatsanwaltschaft sei noch nicht abgeschlossen. Die Bild-Zeitung befragte Gil Ofarim. Ob er den Anhänger sichtbar getragen habe, könne er nicht genau sagen, doch gehe es nicht um die Kette. „Es geht eigentlich um was viel Größeres. Da ich oft mit dem Davidstern im Fernsehen zu sehen bin, wurde ich aufgrund dessen beleidigt.“ Es gehe darum, dass er antisemitisch beleidigt worden sei.
Wenige Tage nach dem Vorfall war Gil Ofarim in einer ProSieben-Sendung und berichtete von dem großen Zuspruch, den er für sein Statement erhalten habe. Er frage sich: „Ändert das was an der Situation oder verpufft es wie so oft, wenn etwas mal kurz in den Medien hochspült wird.“ Er habe den Fall öffentlich gemacht, weil man nicht weiter wegschauen dürfe, wenn Juden in Deutschland beleidigt werden. Nicht nur Solidarität habe ihn ereilt, sondern auch unzählige Hassnachrichten.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]