Unlängst erhielt ich eine Einladung zu einer Buchpräsentation mit dem Titel „Die Erfindung der Hausfrau – Geschichte einer Entwertung“ von einer Autorin namens Evke Rulffes, die mir bis dato unbekannt war. Das finde ich interessant, denn obwohl heute die Tätigkeit der Hausfrau belächelt und gar als unproduktiv und rückschrittig betrachtet wird, besinnen sich viele Familien in besser gestellten Stadtteilen auf Tätigkeiten wie aus dem Hausfrauen-Lehrbuch des 19. Jahrhunderts.
Hausmann und Hausfrau in einem
Da wird begeistert eingekocht, mit dem Eisen das Leinen geplättet und Dekoratives selbst gehäkelt. Der Nachwuchs wird im von Hand gewachsten Kastenwagen zur Kita gebracht, wo Frieda-Luise und Karl Rüdiger Leon mit fair produzierten Lebensmitteln aus der Region abgefüttert werden. All das geht zumeist mit einer klassischen Rollenverteilung einher: Mutti bleibt daheim und der Herr des Hauses geht zur Arbeit. Daheim kümmert er sich höchstens um die Instandhaltung der Elektronik, denn Vati findet, dass Mutti dafür zu doof ist. Womit wir beim eigentlichen Thema wären.
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In meinem Heim lebt keine Frau, und so bin ich Hausmann und Hausfrau in Personalunion. Auch die elektrischen Geräte fallen so in meine Obhut. Denn die wollen, und das wissen viele Leute nicht, auch gereinigt werden. Überraschenderweise ist es nicht die Feuchtigkeit, die elektronische Geräte auf Dauer ruiniert, sondern der Staub. Der Staub ist der Todfeind eines jeden Haushalts, egal, von welchem Geschlecht dieser geführt wird. Ich wische beispielsweise nach der Morgentoilette den Badezimmerboden mit einem Lappen, denn irgendeine umnachtete Gestalt hat mir weiße Bodenfliesen verehrt, auf denen sieht man jedes Härchen. Zwei Stunden später ist die Bude wieder vollgestaubt und niemand, ich wiederhole: niemand, hat das Bad in dieser Zeit betreten.
Die Tastatur einfach abgespült
Leider setzt sich der klassische Hausstaub nicht nur auf den Böden und den Möbeln ab, sondern auch in elektronischen Geräten. Mein Lebensgefährte zum Beispiel hat die unangenehme Angewohnheit, sein Mobiltelefon in die Hosentasche zu schieben. Das sieht nicht nur unvorteilhaft aus, sondern führt auch dazu, dass sich der Hosentaschenstaub in der Öffnung für das Ladekabel absetzt, was zur Folge hat, dass das Kabel nicht mehr richtig eingestöpselt werden kann, wackelt und nicht ordentlich lädt. Mein Freund leugnete das so lange, bis ich mit einer Pinzette eine kleine Staubmaus aus der Ladebuchse zog. Aus Trotz trägt er sein Telefon immer noch in jeder noch so engen Hosentasche. Ich reinige elektronische Geräte wie zum Beispiel den Verstärker meines Plattenspielers regelmäßig, indem ich das Lüftungsgitter abschraube und mit dem Staubsauger sanft und ohne Berührung der Elektronik den feinen Hausstaub absauge.
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Der Hausstaub, zumeist eine Kombination aus Hautschuppen, Haaren, Fasern, Fusseln und, wie ich mit schaudern lesen musste, Resten der Spinnweben der Zitterspinne und ihrer Beutetiere, setzt sich auch in allen Tastaturen ab. Ich sauge sie daher regelmäßig ab, oder klopfe sie vorsichtig aus. Neulich habe ich Kaffee darüber vergossen und die Tastatur einfach abgespült. Nach zwei Tagen, in denen sie senkrecht aufgestellt trocknete, funktionierte sie wie zuvor. Aber bitte stellen Sie nun nicht alle Ihre elektronischen Geräte in die Spüle, dafür übernehme ich keine Verantwortung. Regelmäßig staubsaugen hilft schon viel, auch wenn man den Staub vielleicht noch nicht fingerdick sieht. Er ist trotzdem da. Und er wartet darauf, die Weltherrschaft zu übernehmen. Jetzt muss ich das Bad wischen. Tschüss, bis nächste Woche.
Dieser Text ist in der Wochenendausgabe der Berliner Zeitung erschienen – jeden Sonnabend am Kiosk oder hier im Abo.
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