Sexismus und Gleichberechtigung

Oben ohne im Schwimmbad: Polizeieinsatz und Hausverbot für Frau

Eine 30-jährige Frau legte sich oben ohne in das Solebecken eines Schwimmbades in Göttingen. Zwei Bademeister schritten ein und forderten sie zum Gehen auf.

Christian Gehrke Team News
3 Min
Eine Frau hat in einem Schwimmbad in Göttingen die Brüste freigemacht. Sie musste gehen, die Polizei wartete am Ausgang (Symbolbild).

Eine Frau hat in einem Schwimmbad in Göttingen die Brüste freigemacht. Sie musste gehen, die Polizei wartete am Ausgang (Symbolbild).

© imago/yay images

„Das ist einfach eine Ungleichbehandlung. Ich will nicht, dass Körper gegen den Willen der Person sexualisiert werden“, sagte sie der taz, die zuerst über den Vorfall berichtete. Ihren richtigen Namen nennt sie nicht. In dem Bericht wird sie Mina Berger genannt.

Sie habe ihr Oberteil erst ausgezogen, nachdem sie sich in ein Solebecken gelegt hatte und sei nicht mit blankem Busen durch das ganze Bad gelaufen, blickt die 30-Jährige auf den Vorfall zurück, der sich im August 2021 ereignet hat. Das Schwimmbad in Göttingen warf sie raus und pocht auf die Hausordnung. Darin heißt es: „Unsere Badeordnung dient insoweit dem Schutz der Intimsphäre unserer Gäste, als nämlich bei allgemeinem Badebetrieb das eine Geschlecht vor sexuell motivierten Verhaltensweisen und Blicken des anderen Geschlechts (oder sonstiger anderer Geschlechter) besser geschützt werden soll durch die Bedeckung der primären und sekundären Geschlechtsmerkmale.“

Betroffene: Frauen werden zu Tätern gemacht, weil sie Brüste haben

Und weiter: „Das Schwimmbad soll sozusagen nicht zum Schauplatz von triebhaften Personen werden, sondern dem unbeschwerten Freizeitspaß aller im Wasser dienen.“

Die Frau sieht gerade in dieser Argumentationslogik dieser Hausordnung eine Ausgrenzung und Diskriminierung von Frauen und Menschen, die nicht männlich wahrgenommen werden. „Das ist genau dieselbe Logik, nach der eine Person selbst schuld ist, wenn sie vergewaltigt wurde, weil ihr Rock zu kurz war oder sie alleine durch den Park gegangen ist.“ Das Opfer würde für die Tat verantwortlich gemacht, weil sie es „provoziert“ habe.

Auch sie sei mit bedeckter Brust nicht vor Anglotzen, Sprüchen und Übergriffen gefeit. „Viele wollen das nicht wahrhaben, aber von Gleichberechtigung kann einfach keine Rede sein, wenn die einen Körper sexualisiert und bewertet werden und die anderen nicht,“ so die Dame.

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Ähnlicher Fall sorgte in Berlin für Aufsehen

Im Internet laufen auf change.org nun gleich zwei Petitionen, die sich dafür einsetzen, dass Männer wie Frauen gleich viel nackte Brüste zeigen dürfen. Die 30-Jährige ist zudem beim Bündnis „Gleiche Brust für alle“ engagiert, dass sich für die Gleichbehandlung einsetzt.

Bei „Gleiche Brust für alle“ ist auch die Berlinerin Gabriele Lebreton aktiv. Ihr passierte im Sommer in Berlin an einer Kinderplantsche in Treptow-Köpenick etwas Ähnliches, das bundesweit für Schlagzeilen sorgte. Sie sonnte sich oben ohne. Der Sicherheitsdienst bat sie, ein T-Shirt anzuziehen, weil ihre nackten Brüste stören würden. Die Polizei kam und erteilte der Französin, die in Berlin lebt, einen Platzverweis. Sie wehrte sich damals und sagt bis heute: Wenn Männer mit freiem Oberkörper im Sommer durch die Gegend laufen, dürfen Frauen das auch. Gleiches Recht für alle, so ihr Argument.

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