Kaum hat die MoMA-Ausstellung geschlossen, da wird in der Hauptstadt schon wieder eine Kunstsammlung gezeigt, die ebenfalls ein Publikumsmagnet werden dürfte. Im Hamburger Bahnhof an der Invalidenstraße wurde gestern Abend die Flick Collection eröffnet. Die Sammlung von Friedrich Christian Flick - Enkel des NS-Rüstungsmagnaten Friedrich Flick - zeigt rund 2 500 moderne Kunstwerke von mehr als 150 Künstlern. Die Eröffnung der Schau stellte auf jeden Fall die des MoMA deutlich in den Schatten. Denn mehr als 2 000 Gäste waren in das Veranstaltungszelt gekommen (und froren bei Regen und heftigen Sturmböen): Bundeskanzler Gerhard Schröder, Bundesinnenminister Otto Schily, Kulturstaatsministerin Christina Weiss, Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit, Kultursenator Thomas Flierl, EKD-Ratspräsident Bischof Wolfgang Huber, die Schmuckdesignerin Jette Joop. Der 60-jährige Flick, der mit großer Familienbegleitung gekommen war (Kinder, Bruder, Ex-Gattin), hatte den Bundeskanzler persönlich durch die Sammlung geführt. Im Unterschied zum MoMA ist die Flick-Sammlung allerdings umstritten. Kritiker werfen dem Enkel vor, seine Kunst mit dem Vermögen erworben zu haben, das sein Großvater während des Naziregimes durch die Ausbeutung von Zwangsarbeitern verdient hat. Mitglieder des Zentralrates der Juden in Deutschland hatten gefordert, auf die Schau gänzlich zu verzichten. Auch im Publikum waren die Meinungen konträr. Während Jette Joop die Diskussion für "weit überzogen" hielt, formulierte der Grafiker Klaus Staeck wesentlich härter: "Ich finde es unerträglich, dass man einem der prominentesten Steuerflüchtlinge den roten Teppich ausrollt, der auch noch braune Flecken hat." Am späten Abend gab es dann noch einen Empfang für die Premierengäste. ----Wenn Honecker das noch erlebt hätte, dass diese Kapitalisten erst seinen Palast ruinieren und dann ihre dekadenten Partys darin veranstalten! Am Dienstagabend wurde das Berliner Fest des Münchner Magazins Focus im Volkskammersaal gefeiert. Die Geschichtsgewinnler um Verleger Hubert Burda und Chefredakteur Helmut Markwort erdreisteten sich sogar, ihre Festivität "Focus Oktoberrevolution" zu nennen. Unter den mehr als 1 000 Gästen, die im ganz in Focusrot ausstaffierten Volkskammersaal plauderten, waren CDU-Chefin Angela Merkel, Altbundeskanzler Helmut Kohl, das halbe Kabinett, Showmaster Thomas Gottschalk und Ex-Heidekönigin Jenny Elvers. TV-Polittalkerin Maybrit Illner wunderte sich über den guten Zustand der Ruine: "Loftähnlich, offenbar wiederverwertbar." August Hanning, der Präsident des Bundesnachrichtendienstes, hat kein bekanntes Gesicht. Für seinen Beruf ist das gut, für seine Position in der Warteschlange nicht. Da drängelte sich Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm vor ihn. Hanning ist für den Wiederaufbau des Stadtschlosses. TV-Autor Wolfgang Menge würde gern für Baufreiheit sorgen und den Sprengknopf drücken.------------------------------Foto: Im Focus: Jenny Elvers, Angela Merkel.------------------------------Foto: Hält die Debatte um die Flicksammlung für überzogen: Schmuckdesignerin Jette Joop.------------------------------Foto: Der Sammler und der Regierende Bürgermeister: Friedrich Christian Flick und Klaus Wowereit gestern im Hamburger Bahnhof.
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