FIFA-Chef Gianni Infantino hat den umstrittenen WM-Bewerber Saudi-Arabien verteidigt und macht unter den Mitgliedsländern des Fußball-Weltverbandes offenbar keine Unterschiede. Jedes der 211 FIFA-Mitgliederländer habe das Recht, sich zu bewerben. „Für mich als FIFA-Präsident ist Nordkorea gleich wie Südkorea. Ist Amerika gleich wie China“, sagte Infantino dem Tagesanzeiger aus der Schweiz.
Saudi-Arabien ist einziger Bewerber für die WM 2034, nachdem nur Kandidaten aus Asien und Ozeanien aufgrund der Vergabe für 2026 und 2030 zugelassen worden waren. „Ein Austragungsort muss alle unsere Kriterien erfüllen, inklusive Menschenrechte. Der Prozess endet ja nicht mit der Kandidatur. Er fängt dann erst an“, so Infantino, der eine „Doppelmoral des Westens“ beklagt: „Alle westlichen Staatschefs hofieren das Land. Sie machen Deals in Milliardenhöhe.“ Infantino verkaufte bereits vor wenigen Wochen die WM-Vergabe an Saudi-Arabien in einem Beitrag auf Instagram als „perfekt“.
Der Schweizer ist der Meinung, dass der Fußball für Veränderungen im Land sorgen könne. Dabei sei er auch im Austausch mit dem saudischen Kronprinzen und faktischen Herrscher, Mohammed Bin Salman: „Ich spreche Missstände an, biete auch Hilfe an. Man diskutiert, sucht gemeinsam Lösungen. Als ich FIFA-Präsident wurde, gab es in Saudi-Arabien keinen Frauenfußball. Jetzt gibt es eine Frauenliga und ein Nationalteam.“
Nach der Katar-WM: „FIFA läuft in das nächste Menschenrechtsdesaster“
Am 20. November 2022 begann die umstrittenste Fußball-WM der Geschichte. Ein Jahr nach der Endrunde in Katar ist die Kritik nicht verstummt. „Die FIFA läuft in das nächste Menschenrechtsdesaster“, sagte Deutschland-Direktor Wenzel Michalski von Human Rights Watch (HRW) mit Blick auf die fast schon sichere Vergabe der WM 2034 durch den Weltverband an Katars großen Nachbarn Saudi-Arabien dem SID: „Das ist ein Hohn. Jeder, der geglaubt hat, dass die FIFA da ernst macht und eine seriöse Organisation ist, muss sich jetzt veräppelt fühlen. Saudi-Arabien ist in vielen Punkten schlimmer als Katar.“
Dabei waren weite Teile der Welt schon am 18. Dezember 2022 peinlich berührt. Als Katars Emir nach dem Finale der 22. Endrunde dem argentinischen Weltmeister-Kapitän Lionel Messi das traditionelle Männergewand umhängte, war die Vereinnahmung des Fußballs durch einen Staat perfekt. Garniert wurde das Schauspiel, das sich Katar über 200 Milliarden Euro kosten ließ, durch Gianni Infantino. Der FIFA-Boss bescheinigte dem Gastgeber die Ausrichtung der „besten WM der Geschichte“.
„Es ist ein schrecklicher Fleck in der Geschichte der FIFA“
Menschenrechts-Organisationen wie HRW und Amnesty International (AI) sehen das auch ein Jahr später ganz anders. Menschenrechtsverletzungen seien nach wie vor an der Tagesordnung, versprochene Arbeitsrechtsreformen zu großen Teilen nicht umgesetzt worden. „Die WM war eine Katastrophe für den Fußball, für die Spieler, für die Fans und für die Gastarbeiter“, sagte HRW-Direktorin Minky Worden: „Es ist ein schrecklicher Fleck in der Geschichte der FIFA.“
Doch der Weltverband hat laut Worden seine „Lektion nicht gelernt“: „Die Möglichkeit, dass die FIFA Saudi-Arabien den Zuschlag für die WM 2034 erteilt, obwohl das Land eine erschreckende Menschenrechtsbilanz aufweist und sich jeglicher Kontrolle verschließt, entlarvt die Menschenrechtsverpflichtungen der FIFA als Augenwischerei.“ Laut der britischen Times soll der Weltverband derzeit gar mit dem saudischen Ölgiganten Aramco über einen millionenschweren Sponsorendeal verhandeln.
FIFA-Präsident Infantino: WM-Vergabe an Saudi-Arabien ist „perfekt“
Rekord bei Honoraren für Spielervermittler
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