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„Hafenküche“ in der Rummelsburger Bucht: Raus aus dem Grau

Die Hafenküche in der Rummelsburger Bucht bleibt auch unter neuer Bewirtung perfekt, wenn einen Raus-aus-der-Großstadt-Gedanken anfallen.

6 Min
Zum Glück keine „Fine-Dining-Portionen“: im Restaurant Hafenküche

Zum Glück keine „Fine-Dining-Portionen“: im Restaurant Hafenküche

© MALTE JAEGER

Fairerweise muss ich Folgendes vorwegschicken: Es könnte sein, dass ich in dieser Kritik nicht ganz objektiv bin. Es ist nämlich so: Ich schreibe heute über die Hafenküche, ein Restaurant mit spektakulärer Sicht auf die Rummelsburger Bucht. Ich liebe diesen Laden. Schon immer. Deswegen müsste die Hafenküche schon sehr viel Mist anstellen, um bei mir durchzufallen – zumal die neue Bewirtung, die sie seit ein paar Wochen hat, eher verspricht, dass nun alles noch besser wird.

Seitdem die Hafenküche vor zehn Jahren eröffnete, war sie mein Lieblingsort für Kurzausflüge innerhalb Berlins. Ähnlich wie die bloße Existenz der Vabali Spa auf mich beruhigend wirkt, weil ich mich im schlimmsten Dunkelgrau des Berliner Winters theoretisch hierhin flüchten könnte, hat mir die Hafenküche bisher stets geholfen, wenn mich Raus-aus-der-Großstadt-Gedanken anfielen.

In der Hafenküche habe ich mittags heiße und fettige Fish & Chips auf der Sonnenterrasse geknuspert, ich habe Familienfeste gefeiert, und ich bin von dort mit einem Mietboot und Picknickkorb auf die Spree gestartet. Hätte ich meine Hochzeit hier feiern können, ich hätte es getan.

Als ich hörte, dass Frederik Grieb und Mathias Brandweiner die Hafenküche als Gastronomen übernommen haben – aus dem Wunsch heraus, wieder mehr Bodenhaftung zu haben und „normaler“ zu kochen –, machte mein Herz einen Hüpfer.

Beide kennt man eher aus der Luxushotellerie. Mathias Brandweiner startete als Sommelier im Berliner Le Faubourg, wurde dann unglücklich im steifen Les Solistes im Waldorf Astoria. Er ist Österreicher, aufgewachsen, wie er einmal erzählte, in einem Zuhause, wo Besucher erst wieder gehen durften, wenn sie beim besten Willen nichts mehr essen oder trinken konnten. Als Restaurantleiter im Pots, dem nun geschlossenen Restaurant im Ritz Carlton, konnte Brandweiner dann seine lustige, unkomplizierte Art, mit den Gästen zu reden, endlich ausleben. Die Jury der Meisterköche wählte ihn 2019 zum besten Gastgeber Berlins.

Aus dem Pots kommt auch Frederik Grieb, die beiden haben sich dort kennengelernt. Der Koch hat die harte Schule des Drei-Sterne-Kochs Dieter Müller durchlaufen und trotz seiner jungen Jahre wohl so viele Tupfer und Kleckse auf Teller gemacht, dass es ihm erstmal reichte.

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Montags bis Freitags gilt mittags von 12 bis 14.30 Uhr in der Hafenküche das Selbstbedienungsprinzip. Es gibt Kantinenküche, ohne Convenience und mit Anspruch, mal eine selbstgewurstete Currywurst vom Apfelschwein mit Pommes, mal eine Minestrone mit Pesto, stets für den Preis von 7,50 Euro.

Freitag- und samstagabends jedoch geht es schicker, aber nicht steif zu. Casual Fine Dining, sagt man heute dazu. Ich hatte mir vor meinem Besuch auf der Webseite die Karte abgeschaut. Darauf gibt's einige Grillgerichte wie ein Filet von der Holsteiner Färse, ein Kotelett vom Duroc Schwein und Seeteufel mit Limonen Beurre Blanc. Daneben aber auch breitenkompatible Gerichte wie Wiener Schnitzel oder den „Rummels-Burger“ aus gewolftem Rind mit Zwiebelmarmelade.

Als ich ankomme, bin ich doch erstaunt, wie sehr sich die Hafenküche herausgeputzt hat. Mit ihrer langen Glasfront, durch die soviel Licht fällt, fand ich sie immer wunderschön. Für mich glich sie der maritimen Version einer behaglich-warmen Berghütte – viel Weiß-Blau, helle schwedische Möbel, viel Holz.

Mittlerweile ist sie weniger maritim, dafür edler. Trennwände mit klaren Linien unterteilen den Raum, und das Mobiliar mit 70er-Jahre-Design-Einflüssen trifft auf Naturstein, etwa bei den Kaminen. Es bleibt jedoch warm und gemütlich.

Mathias Brandweiner begrüßt seine Gäste schwungvoll. Über meine Wahl, mit dem Riesling-Sekt von Reichsrat von Buhl zu starten, ist er erfreut. Ein knackiger Aperitif, der Appetit macht. Bei den Weinen auf der Karte merkt man, dass Brandweiner weg will von großen Gewächsen und hin zu einfacheren, aber dennoch handwerklich anspruchsvollen Weinen mit naturnahem Fokus.

Die Vorspeisen dagegen klingen simpel – etwa Fjordforelle, Fischeintopf und Rote Bete Tatar –, sie sind dann aber doch aus wesentlich mehr Komponenten aufgebaut, als die einfache Beschreibung vermuten lässt.

Beim Fischeintopf etwa, den Frederik Grieb bestens beherrscht, denkt man sofort an Griebs Lehrer, an Dieter Müller. Grieb präsentiert eine röstaromenstarke Bisque aus Hummer-, Garnelen- und Fischkarkassen mit Sahne, Estragon und Curry-Noten und dazu die typisch aufgeschlagene Sauce Rouille aus Eigelb, Knoblauch, Safran, Ketchup und Zitronensaft.

Das ist klassische Sterne-Schule. Bei der Fjordforelle dagegen ist Grieb purer. Einmal ist sie als hauchfeines Carpaccio präsentiert, abgeschmeckt nur mit Olivenöl und Limettenzeste. In der Mitte liegt sie geschnitten als Tatar, veredelt mit Forellenkaviar für die Salzigkeit und eingelegtem Rettich für den Säurekontrast.

Das Hauptgericht meines Mannes, ein Kotelett vom Duroc-Schwein, ist so perfekt, wie es sein kann, wenn Fleischqualität und Zubereitung stimmen. Die Hafenküche hat in ein Big Green Egg investiert, einen fantastischen, teuren Holzkohlegrill aus Keramik, der die Temperatur exakt hält. Zum Kotelett bestellt mein Mann getrüffelten Kartoffelstampf; mehr Schnickschnack wäre bei dem Geschmack eher störend.

Meine Hauptspeise, das Havelländer Apfelschwein, sieht anders aus als erwartet. Ähnlich wie bei den Vorspeisen geht es auch hier mit Grieb etwas durch, allerdings im positiven Sinne. Das Filet ist perfekt gerillt, dazu wird „Eisbein“ und „Blutwurst“ serviert, auch das feiner präsentiert, als die Namen andeuten. Das Eisbein entpuppt sich als gebackene Praline, die Blutwurst schmilzt fast weg und hinterlässt einen wunderbar pfeffrig-süßen Geschmack. Auch spart Grieb nicht mit verschiedenen Komponenten am Teller: begleitet wird das Fleisch von ausgestochenen, in Butter angeschmelzten Apfelkügelchen und einem Apfelmus mit BBQ-Note sowie einer Creme vom Schwarzkohl und frittierten Blättern vom Stängelkohl.

Mein Mann stellt erfreut fest, dass es trotz des hohen Anspruchs der Küche keine „Fine Dining Portionen“ sind. Sogar er wird satt.

Noch wird am Weingarten und der Terrasse gebastelt. Es soll auch einen Grillplatz geben und wieder Picknick-Körbe, die man auf Boote mitnehmen kann. Spätestens dann ist die Hafenküche wieder mein Rundum-glücklich-Paket für Berlin.

Preise:

Vorspeisen 10,50–16,50 Euro; Hauptgerichte 16,50–28,50 Euro; Grillgerichte 16,50–30,50 Euro; Beilagen 3,50–6 Euro; Desserts 9,50 Euro.

Infos:

Restaurant Hafenküche; Zur Alten Flussbadeanstalt 5; 10317 Berlin; Tel: 030 42219926; [email protected]; Kantine: Mo–Fr 9–16 Uhr; Restaurant: Freitags ab 18 Uhr, samstags ab 12 Uhr; Sonntag bis Donnerstag geschlossen.

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