Weniger Urlaubsreisen, kaum Restaurantbesuche, keine Konzert- oder Kinoabende. Dass es den Berlinern auch im zweiten Corona-Jahr an Gelegenheiten mangelte, Geld auszugeben, konnte die Berliner Sparkasse an den Ständen der von ihr geführten insgesamt 1,3 Millionen Privatgirokonten ablesen. Denn nachdem dort bereits 2020 erstmals mehr als 20 Milliarden Euro geparkt wurden, wuchs das Guthaben 2021 nochmals auf 22,53 Milliarden Euro. Demnach hatte der Durchschnittskunde der Berliner Sparkasse im vergangenen Jahr 17.330 Euro auf der hohen Kante, womit es ihm finanziell zumindest im Mittel offenkundig nicht schlecht geht. Aber auch die Bank ist zufrieden.
Als Johannes Evers, Chef der Berliner Sparkasse, am Dienstag die Zahlen für das vergangene Geschäftsjahr vorlegte, konnte er immerhin auf einen zweistelligen Millionengewinn verweisen. Genau 42 Millionen Euro blieben zum Jahresende übrig, was etwa dem Vorjahresgewinn entspricht. Evers sprach von einem „zufriedenstellenden Jahresergebnis“. Darüber hinaus habe die Sparkasse ihre Position als Marktführerin in der Hauptstadt festigen und in allen Bereichen Kunden hinzugewinnen können, so der Chef.
Mehr Kunden und höherer Kreditbestand
Tatsächlich zählte die Sparkasse Ende des Jahres 3000 Firmenkunden mehr als ein Jahr zuvor. 95.000 waren es insgesamt. Zugleich stieg im Firmenkundengeschäft der Kreditbestand von 19,7 auf 20,4 Milliarden Euro. Im Privatkundengeschäft legten vor allem die privaten Baufinanzierungen zu und schoben den Kreditbestand in diesem Bereich von 4,46 auf 5,22 Milliarden Euro. Wie es bei der Berliner Sparkasse heißt, seien 2500 Berlinerinnen und Berliner auf dem Weg in die eigenen vier Wände oder bei deren Modernisierung begleitet worden.
Wenngleich das Unternehmen ebenfalls die internen Kosten um fünf Millionen Euro reduzierte, so blieb doch das Filialnetz unangetastet. „Wir haben keine Filiale geschlossen und haben das auch nicht geplant“, sagte Evers. Ganz ausschließen könne er künftige Schließungen jedoch auch nicht. „Wir wollen nah bei den Kunden sein“, sagte er. „Die Kunden müssen es aber auch wollen.“ Soll heißen: Wird eine Filiale dauerhaft wenig genutzt, wird man sich von ihr verabschieden. Aktuell betreibt die Sparkasse eigenen Angaben zufolge insgesamt 79 Filialen in der Stadt. Damit verfügt das Unternehmen über das mit Abstand dichteste Bankenfilialnetz in Berlin. Richtig ist aber auch, dass die Berliner Sparkasse 2014 noch insgesamt 40 Filialen mehr hatte als heute.
Wie sich der Krieg in der Ukraine auf das Geschäft auswirken wird, ist laut Evers „derzeit nicht seriös abschätzbar“. Insgesamt sieht er aber Risiken. Explodierte Energiekosten, gestörte Lieferketten sowie bald fällige Rückzahlungen etwa von Corona-Krediten könnten Unternehmen in existenzielle Schwierigkeiten bringen. Im vergangenen Jahr seien bereits Kredite im Gesamtumfang von 56 Millionen Euro ausgefallen, so der Chef der Berliner Sparkasse. Für das laufende Jahr rechnet er mit einer „leichten Zunahme“. 75 Millionen Euro habe man dafür aber schon zurückgelegt.
Dennoch legt sich der Sparkassen-Chef beim Jahresgewinn schon jetzt fest. 85 Millionen Euro soll das Jahr 2022 bringen, und Evers weiß auch genau, wie er an das Geld kommen wird: Er wird die Inhaber der 1,3 Millionen Privatgirokonten zur Kasse bitten. Für den 1. Juli sind teils drastische Gebührenanhebungen für Girokonten angekündigt. So werden etwa für das Konto „Giro pauschal“ monatlich nicht mehr sieben, sondern 8,95 Euro verlangt. Das Konto „Giro digital“ kostet dann 4,95 Euro statt drei Euro, das Konto „Giro individual“ 2,95 statt einen Euro im Monat. Es geht also um Teuerungen von bis zu 300 Prozent, die eine Gewinnverdopplung durchaus realistisch erscheinen lassen.
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