1. Frischer Spargel quietscht
Das stimmt, und tatsächlich ist es vollkommen legitim, den Spargel vor dem Kauf einem Frischetest zu unterziehen – das zeigt ja auch das Interesse der Kunden an einem qualitativ hochwertigen Produkt. Nicht so gern gesehen ist es jedoch, wenn jeder Käufer in den Kisten rumkramt, die Stangen wahllos aneinanderreibt oder die Enden der Stangen mit dem Fingernagel malträtiert. Schließlich gibt es auch noch andere Kunden, die den Spargel wohlbehalten eintüten möchten. Dennoch gilt: „Sind die Schnittstellen frisch und saftig, dann ist auch der Spargel frisch“, sagt Jürgen Jakobs.
Am besten bittet man die Verkäufer, sich die Schnittenden einmal zeigen zu lassen, sie sollten nicht eingetrocknet sein. Auch den Reibetest kann man sich vorführen lassen: Reibt man die Stangen aneinander, quietscht das frische Gemüse, ein dumpfes Geräusch spricht eher dafür, dass es vielleicht schon etwas länger liegt.
Jürgen Jakobs, Chef des gleichnamigen Beelitzer Spargelhofes und Vorsitzender des Vereins Beelitzer Spargel e. V.
© Jakobs-Hof
2. Spargel ist ein Schlankmacher und sehr gesund
Das stimmt erst mal: Spargel enthält viele gesunde Mineralstoffe wie Kalium, Kalzium, Eisen, Magnesium, Kupfer und Phosphor – diese sind gut für Herz, Knochen und Kreislauf. Dazu enthält Spargel Vitamin C, E und B. Besonders wichtig ist sein Folsäuregehalt. Dieses B-Vitamin ist sonst nur in geringen Mengen in der Nahrung enthalten. Mit den Kalorien ist es so eine Sache, sagt Jakobs: „Der reine Spargel hat wenig Kalorien, aber wenn man ihn in der fettigen Sauce hollandaise ertränkt, dann ist er natürlich kein Schlankmacher mehr.“ Daher gilt für Menschen, die aufs Gewicht achten wollen oder müssen: ein maßvoller Umgang mit Saucen, Butter und Beilagen.
Da Spargel hauptsächlich aus Wasser besteht, haben 100 Gramm nur 16 Kilokalorien. Dieselbe Menge Kartoffeln hat 70 Kilokalorien.
3. Zu Spargel schmeckt nur Weißwein
„Das sehe ich auf jeden Fall so“, sagt Jürgen Jakobs. Spargel sei ein klassisches Frühjahrsessen, draußen in den ersten warmen Sonnenstrahlen verzehrt passe Weißwein einfach am besten dazu. „Ein schöner, trockener Riesling oder ein Silvaner heben mit ihrer mineralischen Note den Geschmack des Spargels hervor. Das gelingt Rotwein nicht.“ Verboten ist hier aber selbstredend nichts, letztlich ist es Geschmackssache – und auch der Beelitzer Spargelchef kennt ein paar Menschen, die Rotwein zum Edelgemüse trinken.
Kurz vor Saisonbeginn: Wieso Umweltschützer Spargel lieber in Lila mögen
Ostdeutsche Obstbauern: Erdbeer-Saison startet Ende April
4. Weißer Spargel ist gesünder als grüner
„Das kann ich nicht bestätigen“, sagt Jakobs. Grüner Spargel sei mindestens genauso vitamin- und mineralreich. Tatsächlich ist der Unterschied zwischen weißem und grünem Spargel die Anbaumethode. Grüner Spargel wächst oberirdisch, also an der Sonne. Deshalb bildet er grünes Chlorophyll aus. Wenn man den Spargel dagegen in angehäuften Erddämmen aufzieht, bekommt er keine Sonne ab und bleibt weiß.
Sowohl weißer als auch grüner Spargel sind in dem Sinn „gesund“, dass sie viele wertvolle Inhaltsstoffe enthalten – und grüner Spargel enthält von manchen sogar noch ein bisschen mehr.
5. Weiße Stangen sind leckerer als solche mit violetten Köpfen
Das ist Geschmackssache. Jakobs erzählt, dass etwa in der Feinschmeckernation Frankreich der Spargel beliebter ist, wenn die Spitzen schon violett verfärbt sind – er also erst geerntet wurde, wenn er die Erdoberfläche schon leicht durchbrochen hat. „Auf französischen Wochenmärkten sieht man hauptsächlich Spargel mit violetten Spitzen, die Bauern lassen die Stangen extra rauswachsen“, so der Beelitzer Bauer. Er selbst möge auch lieber den violetten Spargel, der schmecke intensiver.
Doch warum mögen so viele Deutsche lieber den weißen Spargel? Jakobs vermutet dahinter hauptsächlich eine optische Geschichte: Weißer Spargel mache sich gut auf dem Porzellan. Außerdem sei er teurer als der violette, das verschaffe ihm einen besonderen Nimbus.
6. Spargel kann man nicht einfrieren oder lagern
Stimmt nicht, sagt Jakobs. Frischen Spargel kann man fünf bis sechs Tage im Kühlschrank aufbewahren: ungeschält und in ein Geschirrtuch eingewickelt. Geschält wird das Gemüse erst kurz vor dem Verzehr. Auch einfrieren kann man die Stangen: Dann aber vorher schälen und innerhalb von neun Monaten aufbrauchen. Unstrittig ist: Frisch schmeckt Spargel einfach am allerbesten.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]