Die russische Währung stabilisiert sich weiter, trotz des harten fünften EU-Sanktionspakets u. a. gegen russische Banken und des US-Investitionsverbots in Russland. Am Freitagnachmittag kostete ein Euro an der Moskauer Börse MOEX nur noch etwa 79,10 Rubel und ein US-Dollar ca. 74,65 Rubel, also ist er auf den Stand von vor dem russischen Einmarsch in die Ukraine abgerutscht. Wie ist das nur möglich? Zum Vergleich: Noch am 10. März erreichte der US-Dollar nach Angaben der russischen Zentralbank ein Rekordhoch von 120 Rubel; ein Euro kostete an dem Tag ebenfalls fast 133 Rubel.
Tragen alle Russen eine Mitschuld am Krieg gegen die Ukraine?
Die Frau für Putins Wünsche
Die Antworten liegen auf der Hand. Da man im Westen gerade überhaupt nichts mit dem Rubel anfangen kann, ist die Stärkung des Rubels vor allem auf die Maßnahmen der russischen Zentralbank zurückzuführen. Hier tritt die Figur der Chefin Elvira Nabiullina, die bereits seit 2013 ihren Posten innehat, in den Vordergrund. Sie gilt zwar als eine Anhängerin der liberalen Marktwirtschaft, kann aber bei Bedarf auch zu restriktiven Maßnahmen greifen. Das britische Fachmagazin Euromoney erklärte sie gerade 2015 zur besten Führungskraft unter den Leitern der Zentralbanken der Welt. Die US-Zeitung Politico nannte sie kürzlich „Moskaus mächtigste Waffe gegen den Wirtschaftskrieg des Westens“.
Elvira Nabiullina
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Laut einem Bloomberg-Bericht bat die 58-jährige Tatarin Russlands Präsident Putin bereits kurz nach dem Angriff auf die Ukraine um ihren Rücktritt. Putin soll ihren Antrag jedoch abgelehnt haben. The Guardian schrieb unter Verweis auf eine Quelle, Nabiullinas Rücktritt mitten im Krieg hätte direkte Konsequenzen für sie und ihre Familie. Der Kreml hatte Anfang März diesen Gerüchten zwar entgegnet, aber tat das nur schwach: Man wisse nichts von Nabiullinas Rücktrittswünschen.
Welche Maßnahmen hat sie ergriffen?
Aktuell übertrifft das Angebot von US-Dollar und Euro auf dem russischen Devisenmarkt deutlich die Nachfrage. Die Zentralbank und das Finanzministerium verpflichteten bereits Ende Februar die russischen Exporteure, 80 Prozent ihrer Deviseneinnahmen an die Zentralbank zu verkaufen. Die gesunkene, oder besser gesagt, gesenkte Nachfrage ist dagegen das Ergebnis der reduzierten westlichen Importe und der Einführung von Devisenkontrollen.
Wladimir Putin (r.), Präsident von Russland, isst und trinkt zusammen mit Sergej Schoigu, Verteidigungsminister von Russland, in einem Taigawald in der sibirischen Region in Russland.
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Die russischen Bürger dürfen jetzt nur noch bis zu 10.000 US-Dollar pro Monat ins Ausland überweisen und genauso wenig von ihrem Konto abheben, was vor allem die Oligarchen trifft. Außerdem dürfen die Banken weder US-Dollar noch Euro in bar verkaufen, und Nichtansässige dürfen ihre Vermögenswerte in Russland nicht an der Börse verkaufen. Unter diesen Bedingungen wirken sich die Kapitalmarktfaktoren nicht wirklich auf die Währung aus und der Wechselkurs wird lediglich durch Export-Import-Operationen bestimmt. Dazu kommt noch, dass europäische Kunden ihre Gasrechnungen in Euro ab 1. April über die Gazprombank begleichen müssen, die die Währung dann in Rubel umtauscht. Wie Putin es wollte.
„Alles andere als stabil“
Finanzexperten verweisen in diesem Zusammenhang darauf, dass der aktuelle Rubel-Kurs „künstlich“ ist und eine Reaktion des Staates auf die Sanktionen darstellt, statt diese widerzuspiegeln. Diese Reaktion dient vor allem dem Ziel, die steigende Inflation zu dämpfen. Dafür senkt die Zentralbank ab Montag den Ende Februar auf 20 Prozent erhöhten Leitzins erst mal auf 17 Prozent. Der führende russische Ökonom Alexander Polidi warnt jedoch vor zu viel Freude, denn der aktuelle Kurs werde alles andere als stabil bleiben. „Die Zentralbank hat kein Interesse an einem künstlich hohen Wechselkurs des Rubels. Schließlich müssen vor dem Hintergrund der kommenden Rezession die Steuereinnahmen erhöht werden, und dies lässt sich leicht durch eine weitere Abwertung des Rubels erreichen“, sagte Polidi gegenüber der Berliner Zeitung. Der aktuelle Kurs sei auch ein Ergebnis der Sanktionen, weil die Exporteinnahmen Russlands aktuell noch relativ hoch, die Importe dagegen zusammengebrochen seien, so der Experte.
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Der überbewertete Rubel hat noch einen Nachteil: Er schränkt die Haushaltseinnahmen ein. Steigt der Rubel zu stark, gehen die Einnahmen aus den Energieexporten zurück, weil Exporteure die Steuern schließlich in Rubel zahlen. Bei einem Gas-Embargo der EU etwa würde das sofort ein Problem für den russischen Staatshaushalt sein – und für Putins Kriegskasse.
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