Einige für den Verein entscheidende Momente habe ich für immer sehr plastisch vor meinen Augen. So beeinflusste etwa ein Fehlschuss von Preetz einst Herthas Zukunft und seine eigene dazu. Am 8. Juni 1996, dem letzten Spieltag der Saison in der 2. Bundesliga, stürmte Preetz noch für den feststehenden Absteiger Wattenscheid 09. Hertha, auch akut abstiegsgefährdet, brauchte im Duell im Lohrheidestadion ein Remis, um nicht in der Drittklassigkeit zu versinken.
Im Trikot von Wattenscheid rettet Michael Preetz Hertha BSC
Ich weilte gerade als Reporter der Berliner Zeitung bei der Europameisterschaft in England und rief alle zehn Minuten nervös bei einem Kollegen an, der Augenzeuge der Partie war. Zwei Minuten vor Abpfiff beim Stand von 0:0 bekam Preetz eine Riesenchance, vergab aber überhastet allein vor dem Berliner Tor. Später sagte er gern: „So dick war die Chance doch gar nicht!“ Ich habe mir die Szene später oft auf YouTube angesehen. Sein berühmter Fehlschuss bewahrte Hertha vor dem Absturz und Preetz, den Trainer Jürgen Röber nach Berlin holte, avancierte später zum Torjäger.
Felix Magath lässt das Stimmungs-Jo-Jo bei Hertha BSC wieder nach oben schießen
Kein Fehlschuss, sondern ein wunderbares Tor rettete einst dem beliebten Röber den Job. Im Oktober 1997 zierte Aufsteiger Hertha das Tabellenende der 1. Bundesliga. Am zwölften Spieltag musste die Mannschaft gegen den Karlsruher SC gewinnen, ansonsten hätte man Röber entlassen. Schon nach zwei Minuten ging der KSC im Olympiastadion in Führung. Es war dann der Holländer Bryan Roy, der mit einem wunderbaren Treffer, einem Traumtor aus spitzem Winkel, das ganz wichtige 1:1 schaffte. Am Ende siegte Hertha 3:1 und Röber blieb bis 2002 der Trainer. Roy aber ging als Trainer-Retter in die Geschichte ein.
Francis Kioyo verschießt, Hertha bleibt in der Bundesliga
Noch spektakulärer geriet ein Fehlschuss zugunsten von Hertha. Wieder einmal schwebte der Verein im Mai 2004 in Abstiegsgefahr, hatte Hans Meyer in der Not verpflichtet. Am 14. Mai, dem vorletzten Spieltag, musste das Team bei 1860 München antreten. Ein Remis hätte zum Klassenerhalt gereicht. Im Abstiegsdrama gelang Herthas Alexander Madlung erst nach 82 Minuten der Treffer zum 1:1. Ich saß auf der Pressetribüne des Münchner Olympiastadions und wollte am liebsten die Uhr nach vorne drehen. Doch dann passierte das Unfassbare: Elfmeter für 1860 – in der 89. Minute. Stürmer Francis Kioyo trat an. Ich stand auf meinem Sitz, überlegte, ob ich hinschauen sollte oder nicht. Ich blickte dann doch dem Drama tapfer entgegen. Anlauf Kioyo, Schuss, der Ball zischte links neben den Pfosten. Hertha-Keeper Christian Fiedler trommelte mit den Fäusten auf den Rasen. Hertha blieb erstklassig, 1860 stieg ab.
Suat Serdar schießt Hertha BSC zum Sieg für den Abstiegskampf
Man sieht, tragische Fehlschüsse oder spektakuläre Tore haben ganze Entwicklungen und Karrieren beeinflusst. Ich hoffe nun, dass Suat Serdars Treffer per Hacke eine enorme Bedeutung bekommt – als Auslöser für einen fulminanten Endspurt der Hertha mit Happy End.
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