Am Ende des Kurzurlaubs setzt ein kleiner Frackträger namens Django noch mal ein Highlight: Fröhlich watschelt der Humboldt-PinIguin mitten durch das Saunadorf und steuert zielsicher einen kleinen Wasserlauf an, der sich zwischen Schwitzhütten und unter Holzbrücken hindurchschlängelt. Immer in Djangos Nähe: Tierpflegerin Sabine, die unserem Sohn erlaubt, ihren Schützling zu streicheln. Das Kind ist noch etwas zaghaft, legt dann aber doch ganz kurz und ganz vorsichtig seine kleine Hand auf den Pinguin. Wie er sich denn anfühle, fragt Sabine. „Schön weich“, lautet die Antwort.
Highlight für Kids: die Schaufütterung der Pinguine
Wir sind nicht ganz sicher, ob das stimmt. Vielleicht verwechselt unser Sohn die Haptik des echten Vogels auch mit der des Plüschpinguins, der bei der Ankunft auf unserem Zimmer gewartet hatte. Sicher ist hingegen, dass wir nach zwei Tagen im Erlebnisbad Spreewelten, etwa 80 Kilometer südöstlich von Berlin im brandenburgischen Lübbenau gelegen, alle Attraktionen im Innen- und Außenbereich einmal ausprobiert haben. Diverse Schwimmbecken, Spielplätze, Wellenbad, Strömungskanal, Wasserrutschen und natürlich die Schaufütterung der Pinguine. Hier treffen wir Sabine und Django noch einmal wieder. Diesmal hat unser Sohn einen Eimer in der Hand, mit vielen kleinen Fischen darin. Die Heringe darf er den hungrigen Pinguinen direkt in den Schnabel stecken oder sie ins Becken werfen zu den Tieren, die nicht so frech und übermütig sind, dass sie uns direkt in die Eimer kriechen.
Die Humboldt-Pinguine sind das Alleinstellungsmerkmal der Spreewelten, die sich in näherer Umgebung behaupten müssen gegen andere Ziele wie Tropical Islands oder die Spreewaldtherme in Burg. Unser Besuch kurz nach Ostern hat gezeigt: Das Interesse ist riesig, die Schlangen in Lübbenau sind lang, die Becken voll. Gäste kommen aus Berlin, Brandenburg, Sachsen. Es sind viele vietnamesische Familien da, dazu gesellen sich Mütter mit Gelfingernägeln und Väter mit Böhse-Onkelz-Tattoos, die mit den Jahren genauso verblasst sind wie die Zeiten, in denen sich die Männer sie stechen ließen. Heute sitzen sie am Rand des Kleinkinderpools und sehen ihren Söhnen und Töchtern verzückt zu, wie sie die Rutsche runtersausen oder am Steuerrad des Piratenfloßes drehen.
Sollte man unbedingt mitbuchen: die tägliche Pinguinfütterung.
© Anne Vorbringer
Es ist sehr warm im Innenbereich, ein Pluspunkt, gerade mit kleinen Kindern. Allerdings ist es auch sehr laut, wie immer in Spaßbädern. Wohl dem, der mit mindestens zwei Erwachsenen zur Betreuung angereist ist. Das empfiehlt sich, sollten die Großen auch ein wenig Entspannung suchen. Denn die gibt es zwischen jauchzenden und wasserspritzenden Kindern nicht. Also teilt man sich bestenfalls auf: Der eine bleibt bei den kleinen Wasserratten, der andere wechselt rüber in den Wellnessbereich.
Dort wartet, nur ein Drehkreuz und eine Tür entfernt, eine Oase der Ruhe. Egal ob man sich in der Lutki-Höhle bei 85 Grad von Spreewälder Sagengeschichten berieseln lässt, sich in der Gurkensauna gemächlich zum Schwitzen schaukelt oder im Alten Speicher Eukalyptusduft einatmet – die Vielfalt der Saunen lässt keine Wünsche offen, und nachher auf der Sonnenwiese muss man aufpassen, dass man die Lieben drüben im Bad nicht vergisst und vor lauter Entspannung einschläft. Das fände der andere Part dann vielleicht doch nicht so witzig – er will ja schließlich auch noch in die Sauna.
Urig: Themensaunen wie die Gute Stube laden zum Schwitzen ein.
© Spreewelten
Hotelgäste im Vorteil: „Bademantelgang“ umgeht die Schlangen am Einlass
Und so sind am Ende eines langen Spaßbadtages im Idealfall alle zufrieden – die Eltern und die ausgepowerten Kleinen, auf die in den Zimmern des angeschlossenen Hotels ein Doppelstockbett mit Pinguinmotiven wartet, das man mit einem Vorhang verschließen und so in eine heimelige Höhle verwandeln kann. Die Buchung mit Übernachtung hat noch einen weiteren Vorteil: Man kann über einen „Bademantelgang“ direkt vom Hotel ins Bad wechseln und so die Schlangen am Einlass umgehen. Morgens und abends gibt es ein reichhaltiges Büfett, kindgerecht, aber auch für Erwachsene mit lukullischen Ansprüchen passend. Beim Essen gibt es verschiedene Durchgänge, was für die Belegung im Restaurant okay ist, allerdings dazu führen kann, dass beim Check-in plötzlich nur noch die 19.30-Uhr-Schiene frei ist. Mit kleinen Kindern nicht unbedingt die beste Abendbrotzeit, daher fragt man besser schon bei der Buchung nach den Essenszeiten.
Informationen
Das Bad ist Sonntag bis Donnerstag von 10 bis 22 Uhr geöffnet, Freitag und Samstag bis 23 Uhr. Die Pinguinfütterung findet täglich um 11.30 und 15.30 Uhr statt. Wer selbst füttern will, zahlt 10 Euro und muss sich vorher anmelden.
Die Tageskarte für Erwachsene kostet 22 Euro, Kinder ab vier Jahren zahlen 17 Euro. Es gibt auch Familien- und Feierabendtarife sowie Kleinkindtage. Für die Saunawelt wird ein Zuschlag fällig. In jedem Fall ist es sinnvoll, etwas zu essen und zu trinken einzupacken. Zur Stoßzeit ist die Schlange am Bistro sehr lang.
Adresse: Spreewelten Bad, Alte Huttung 13, 03222 Lübbenau/Spreewald, www.spreewelten.de
Ansonsten können wir den Mitarbeitern vor Ort aber ehrliches und herzliches Bemühen attestieren, besonders um die kleinen Gäste. Woke Twitterblasen-Bewohner müssen in den Spreewelten allerdings stark sein. Hier werden kleine Mädchen vom Personal schon mal „Püppi“ genannt und kleine Jungs von ihren sächsischen Vätern rustikal zum Wasserrutschen ermutigt: „Nu ningel hier ni so rum wie ne Memme!“ Wir sind nun mal in der ostdeutschen Provinz, und das ist das Publikum dazu. Hier gibt es keine Hipster, es menschelt in all seiner schillernden, manchmal auch schmerzenden Vielfalt.
Den derzeit 26 Pinguinen ist das alles herzlich egal. Sie haben ihr eigenes Becken und sind von den Besuchern durch eine dicke Glasscheibe getrennt. Mittlerweile kommen die Gäste aus ganz Deutschland, um sie zu sehen. Das Bad heimst Preise ein, doch das war nicht immer so. Als sich die Stadt Lübbenau entschied, anstelle des ehemaligen Freibades ein Freizeitbad zu bauen, hatte jedenfalls noch niemand damit gerechnet, dass man hier irgendwann einmal mit Pinguinen schwimmen kann. 1999 wurde das Bad in der Alten Huttung eröffnet – als eines der ersten Erlebnisbäder Brandenburgs.
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Doch die Kristallwelten GmbH hatte mit dem Betrieb wenig Erfolg, die Besucherzahlen sanken stetig. Also suchte die Stadt einen neuen Betreiber, die Saunawelt wurde umgebaut, und die ersten Pinguine aus Zoos in Berlin, Schwerin und Cottbus zogen in die Felslandschaft mit Bruthöhlen ein. Das war 2008. Zehn Jahre später wurde das Bad noch einmal erweitert und umgebaut. Die Tiere jedenfalls scheinen sich auf der großen Anlage wohlzufühlen: 2021 erblickten zehn Küken das Licht der Welt.
Mit den geselligen, dem Menschen sehr zugewandten Schnabeltieren konnten sich die Spreewelten gegen die Konkurrenz anderer Bäder behaupten. Die Vögel prägen sich bei den kleinen Gästen nachhaltig ein. Als wir abreisten, war unser Sohn jedenfalls tieftraurig: „Ich möchte hier wohnen“, schluchzte er und klammerte sich an seinem Plüschpinguin fest. Gut, dass wir wenigstens den mit nach Hause nehmen konnten.
Transparenzhinweis: Die Autorin war privat und auf eigene Kosten in Lübbenau.
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