Es ist nicht das weltberühmte Wahrzeichen Völkerschlachtdenkmal, dem Zerstörung droht. Es geht hier um Kunst, die der jungen Generation gefällt, mit der freilich renditeversessene Bauherren wenig anzufangen wissen. Jahrzehntelang wurde das riesige Pop-Art-Motiv an den Brandmauern des Gebäudes gegenüber dem Leipziger Hauptbahnhof von Einheimischen wie Touristen fotografiert und in die Welt gepostet.
Als 3000 Quadratmeter großes Symbol der Friedlichen Revolution 1989, mit Szenen der Leipziger Montagsdemos, der Fluchtströme im Sommer via Ungarn – und schließlich dem Fall der Berliner Mauer am 9. November 1989 und der nachfolgenden Deutschen Einheit 1990.
Noch wird gestritten
Der in Leipzig geborene, in Borna lebende Michael Fischer-Art hatte sich mit diesem knallbunten comicartigen Motiv in die zeitgenössische Szene eingeschrieben wie auch 1998 mit einem riesigen Wandgemälde im Hörsaalgebäude der TU Dresden und im Jahr 2000 mit einem 100 Meter langen Brunnen voller lustiger, bunter, wasserspuckender Skulpturen im Zentrum von Frankfurt (Oder). Der Maler und Bildhauer, der von 1992 bis 1997 an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in der Grafik-Klasse von Rolf Münzner studierte, schuf sein Leipziger Revolutionsbild vor 20 Jahren. Nun aber soll das zum Wahrzeichen gewordene Motiv einem geplanten großen Gebäudekomplex zum Opfer fallen. Nach dem Motto: Ist das Kunst oder kann das weg?
Beispiel Leipzig: Kunst am Bau aus der DDR ist wieder gefragt
Noch wird gestritten, noch gibt es Künstlerprotest. Der zuständige Baukonzern habe, so Fischer-Art in größter Sorge, trotz einer vorherigen Vereinbarung, das Bild zu erhalten und zu archivieren, schon damit begonnen, Teile zuzubetonieren. Die gesellschaftliche Symbolik wie der künstlerische Wert werden völlig ignoriert. Dabei ließe sich das Kunstwerk leicht entfernen, da er es auf eine halbzentimeterdicke Schicht aus Pinselputz gemalt habe, erklärt Fischer-Art. „Man könnte es problemlos mit einem Cuttermesser herausschneiden“, sagt er. Und hat sich sogar bereit erklärt, das selber außerhalb der Bauzeiten zu übernehmen.
Der Künstler will sich nun in letzter Minute für einen Baustopp einsetzen, braucht Unterstützung der Stadtgesellschaft und der Politik – um sein Bild zu retten und Teile davon bei einer Benefiz-Aktion für einen sozialen Zweck zu versteigern. Es gebe, wie er es sagt, bereits weltweit Interessenten. Der in allen Medienmeldungen namentlich ungenannte Baukonzern indes äußerte sich bis dato nicht. (mit dpa)
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