Geschichte ist Deutungshoheit, Macht über die Erzählungen – dass die Wahrheit dem Willen unterworfen ist, hat in Russland seit langem Tradition. Schon Fürst Potjomkin überzeugte Katharina II. mit blühenden Landschaften. Dass seine Dörfer aus hölzernen Fassaden bestanden, störte keinen großen Geist. Katharinas später Nachfolger Josef Stalin ging den umgekehrten Weg; er ließ seine liquidierten Rivalen aus sämtlichen Fotografien heraus retuschieren – ein sprichwörtliches „aus den Augen, aus dem Sinn“.
Historische Narrative in Zeiten des Krieges – immer ein heißes Eisen. Vor allem in Russland produziert die Beschäftigung damit ungeahnte Metamorphosen. Zum 85. Jahrestag des Einmarschs sowjetischer Truppen in Polen am 17. September 1939 schrieb das russische Außenministerium diese Woche auf X: An jenem Tag habe „die Rote Armee eine Militäroperation in den polnischen Ostgebieten (gestartet) und verhinderte so den Genozid an der Bevölkerung des westlichen Weißrusslands und der westlichen Ukraine“.
UPDATE
Zweiter Weltkrieg
Moskau unterschlägt Hitler-Pakt: Dann zeigt das Auswärtige Amt die Invasionskarte mit Stalins Unterschrift
Russland revidiert den Historiker-Konsens der 1990er. Jetzt wird auch das Massaker von Katyn an polnischen Offizieren wieder den Deutschen angelastet.
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Eine offene Wunde auch nach 84 Jahren: Trauerfeier für die polnischen Opfer des Massakers von Katyn
© Heritage Katyn Poland Russia
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