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Berliner Festspiele: Das Theatertreffen als organisatorisches Kunstwerk

Nach drei Jahren gibt es endlich wieder ein Theatertreffen in Berlin in Präsenz. Ein Großteil des Programms ist dennoch vom Sofa aus erreichbar.

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Ein Novum in der Geschichte des Theatertreffens: Die eingeladene Performance „Ruhe“ von Signa wird am Entstehungsort in Hamburg gezeigt.

Ein Novum in der Geschichte des Theatertreffens: Die eingeladene Performance „Ruhe“ von Signa wird am Entstehungsort in Hamburg gezeigt.

© Erich Goldmann

Am Freitag beginnt das Theatertreffen, und es gibt noch Tickets. Das sagte die nach elf Jahren aus dem Amt scheidende Festivalleiterin Yvonne Büdenhölzer bei der Pressekonferenz am Dienstagmittag so nebenher. In vergangener Zeit, also bis zum Ausbruch der Pandemie vor gut zwei Jahren, waren Karten für das Theatertreffen nur zu bekommen, wenn man den Server hackte oder – noch ein bisschen früher – wenn man in der Nacht zum Vorverkaufsstart seinen Schlafsack vor dem Festspielhaus ausrollte. Die letzten beiden Ausgaben mussten im virtuellen Raum abgehalten werden, da war sowieso alles anders. Eigentlich ganz praktisch, dass während dieser Zeit das Festspielhaus saniert werden konnte, es ist derzeit noch vollständig von Gerüsten und Bauplanen verhüllt.

Das Haus der Berliner Festspiele ist noch eingerüstet, aber die Türen lassen sich öffnen.

Das Haus der Berliner Festspiele ist noch eingerüstet, aber die Türen lassen sich öffnen.

© Ulrich Seidler

Ob man wirklich von einem Publikumsschwund sprechen kann, wie der Regisseur des Eröffnungsgastspiels Christopher Rüping dies gegenüber der Berliner Zeitung tat, wird sich noch herausstellen. Wie schön wäre es, wenn diese Theaterfestspiele der Weckruf sein könnten, der die Lust auf die Kunst der geteilten Gegenwart wieder anfacht. Pünktlich zum Beginn am Freitag fällt dann auch die Maskenpflicht, auch wenn das Tragen eines Infektionsschutzes weiter empfohlen wird, obwohl es beim pandemiepausenbedingt nachzuholenden Netzwerken sicher lästig ist.

Theatertreffen im Haus der Berliner Festspiele auch online und im TV

Streng genommen gab es natürlich auch früher während des Festivals immer noch Karten an der Abendkasse, auf dem Schwarzmarkt, für weniger glamouröse Veranstaltungen des Rahmenprogramms oder für Festivalrubriken wie den Stückemarkt. Yvonne Büdenhölzer hat ausgerechnet, dass für diese Ausgabe an sechs verschiedenen Orten insgesamt 16.000 Tickets für ganze 77 Veranstaltungen im Angebot sind, von denen für 40 kein Eintritt gezahlt werden muss.

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Und auch wenn der während der digitalen Euphorie am Beginn der Pandemie entstandene Wunsch, das Festival auch weiterhin in einem virtuellen Paralleluniversum zu veranstalten, nicht in Erfüllung geht, gibt es dank der Zusammenarbeit mit 3Sat wieder drei „Starke Stücke“ – nämlich die Gastspiele „Ein Mann seiner Klasse“ aus Hannover, „Humanistää“ aus Wien und „Die Jungfrau von Orleans“ aus Mannheim – die zur Primetime („Ja, das Wort gibt es noch!“, so Büdenhölzer) im linearen Fernsehen gesendet werden und ab dem 6. Mai in den Mediatheken des Senders und der Berliner Festspiele zur kostenlosen Verfügung stehen. Die Festspiele selbst streamen live die Eröffnungsveranstaltung „Das neue Leben“ von Christopher Rüping und die Abschlussinszenierung „Der Tartuffe oder Kapital und Ideologie“ von Volker Lösch. So ist das halbe Gastspielprogramm vom Sofa aus erreichbar: Gut für Menschen, die aus welchen Gründen auch immer nicht ins Theater gehen können.

Heimlicher Höhepunkt des Zehn-Gastspiele-Programms ist sicher „Ruhe“, die Installation von Signa, die – nach Abwägung der Kosten und Ressourcen sowie aus künstlerischen Gründen – am Entstehungsort, dem Postpackhof in Hamburg, gezeigt wird. Ein Novum in der Geschichte des Festivals seit seiner Gründung im Jahr 1964, aber in seiner Pragmatik auch ziemlich schlagend. Ein Shuttleservice nach Hamburg ist eingerichtet, die Show läuft von 17 bis 22 Uhr, sodass man auch mit der Bahn hin- und zurückkommt. Allein organisatorisch ist das Festival schon ein Kunstwerk, möge der Aufwand durch eine künstlerische Qualität und eine Reihe von packenden Gemeinschaftserlebnissen in den Schatten gestellt werden. Wir werden berichten.

Theatertreffen 6.–22. Mai im Haus der Berliner Festspiele und anderen Orten. Informationen, Programm und Tickets unter Tel.: 254 89 100 oder berlinerfestspiele.de

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