Falsche Datierungen

Archäologie-Skandal: Forscher soll bei Schädeln und Schlachtfeld betrogen haben

Der Wissenschaftler datierte Schädelfunde in falsche Epochen und manipulierte wohl auch beim antiken „Schlachtfeld von Riol“ bei Trier.

dpa
3 Min
Suche mit Metalldetektoren nach Fundstücken auf dem angeblichen „Schlachtfeld von Riol“ nahe Trier.

Suche mit Metalldetektoren nach Fundstücken auf dem angeblichen „Schlachtfeld von Riol“ nahe Trier.

© SWR

Auch solche Meldungen gibt es aus der Archäologie:  Ein unter Manipulationsverdacht stehender Archäologe aus Rheinland-Pfalz soll Untersuchungen zufolge mindestens 21 gefundene Schädel oder Schädelteile bewusst falsch datiert haben. Sie stammten nicht – wie behauptet – aus vorchristlicher Zeit, sondern aus dem Mittelalter oder sogar erst aus der Neuzeit, wie es heißt. Bereits im Oktober hatte das zuständige Innenministerium in Mainz die ersten Vorwürfe bekannt gemacht. Seitdem weitet sich der Fall offenbar aus. Es gebe weitere Verdachtsfälle, teilte das Innenministerium am Montag mit. Auch zwei angebliche Sensationsfunde gehörten dazu.

Bei dem Archäologen handle sich um einen leitenden Mitarbeiter der Generaldirektion Kulturelles Erbe (GDKE), der hauptsächlich in Koblenz gewirkt habe, berichtet der SWR. Gegen den seit einiger Zeit freigestellten Mann läuft ein Disziplinarverfahren wegen des Vorwurfs der bewussten Manipulation. Auch seine Doktorarbeit wird überprüft.

Zu den angeblichen Sensationsfunden sollen der „Neandertaler von Ochtendung“ und das „Schlachtfeld von Riol“ gehören. Der angebliche Neandertaler-Schädel sei den Untersuchungen zufolge 160.000 bis 170.000 Jahre jünger als angenommen, sagte die rheinland-pfälzische Innenstaatssekretärin Simone Schneider. Laut SWR habe ein externes Labor das Alter des Schädelfragments mittels Radiokarbonmethode bestimmt. Diese datiere das Stück ins Frühmittelalter (7./8. Jahrhundert nach Christus) und nicht in die Altsteinzeit.

Zweifel am Ort der Schlacht zwischen Römern und Treverern

Die archäologische Datenbasis für das „Schlachtfeld von Riol“ nahe Trier habe sich wiederum bei der Überprüfung als unzureichend herausgestellt. In der Schlacht sollen im Jahr 70 n. Chr. die Römer gegen den aufständischen Stamm der Treverer gekämpft haben. Konkret gehe es laut SWR darum, ob die Schlacht tatsächlich auf der als Ort bezeichneten „großen Wiese“ stattgefunden habe und die dort gefundenen Speerspitzen wirklich aus der Schlacht stammten. Am historisch bezeugten Ereignis der Schlacht bei Riol selbst werde nicht gezweifelt. Letzteres würde die Gemeinde Riol auch ihrer Gründungsgeschichte berauben.

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Worum es bei den anderen Verdachtsfällen geht, wurde noch nicht mitgeteilt. Nicht öffentlich bekannt ist außerdem, wie viele Projekte noch untersucht werden, an denen der Archäologe beteiligt war. Auslöser der Überprüfungen war früheren Angaben zufolge eine vertrauliche Anfrage einer nicht genannten Universität aus dem vergangenen Jahr. Dort seien Zweifel an der Doktorarbeit des Mannes aufgekommen. „Alle Verdachtsfälle werden nun systematisch abgearbeitet“, sagte die Staatssekretärin. (dpa, BLZ)

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