Ukraine

Polnischer Hafen in der Ukraine? Stellvertretender Minister macht umstrittenen Vorschlag

Polen will Zugang zum Schwarzen Meer. Nun schlägt ein Vertreter der Regierung von Donald Tusk den Kauf des ukrainischen Hafens von Odessa vor.

Katerina Alexandridi
3 Min
Getreidesilos im Hafen von Odessa in der Ukraine.

Getreidesilos im Hafen von Odessa in der Ukraine.

© Jussi Nukari/dpa

Polens stellvertretender Landwirtschaftsminister Michał Kołodziejczak hat vorgeschlagen, dass die Regierung seines Landes den ukrainischen Hafen von Odessa kauft oder pachtet. Warschau würde die Anlagen nutzen, um landwirtschaftliche Erzeugnisse über das Schwarze Meer zu exportieren, wobei der Schwerpunkt auf den afrikanischen Märkten liegen würde, erklärte er im Interview mit Polsat News.

„Warum sollten die Polen nicht mit den Ukrainern über die Verpachtung - oder den Verkauf - einer Werft für 50 Jahre sprechen, in der wir unseren eigenen Getreidehafen haben könnten“, so Kołodziejczak. Eine solche Option könnte der Hafen von Odessa sein, oder „wohin auch immer polnisches oder europäisches Getreide geht“, wie der stellvertretende Minister erklärte. Auf diese Weise, so Kołodziejczak weiter, „sichern wir uns den Zugang zum Schwarzen Meer, wo der Durchschnittspreis für eine Tonne Weizen um 100 Złoty (umgerechnet 23,5 Euro, Anm.d.Red.) höher ist, weil die Transportkosten in afrikanische Länder niedriger sind“.

Polnischer stellv. Minister: Ich habe Angst vor einem EU-Beitritt der Ukraine

Auf die Frage, ob die Ausarbeitung solcher Szenarien nicht in die Zuständigkeit des Außenministeriums falle, antwortete Kołodziejczak scherzhaft: „Grüße an Minister Sikorski“, und fügte hinzu, dass die Vorschläge tatsächlich an das Außenministerium weitergeleitet werden sollten, da „unsere Bedingungen und Bedürfnisse darin bestehen, uns um die polnische Landwirtschaft zu kümmern“.

Der stellvertretende Minister äußerte auch Befürchtungen über einen künftigen EU-Beitritt der Ukraine ohne klare Vereinbarungen, die den polnischen Agrarmarkt schützen würden. „Ich habe Angst vor einem EU-Beitritt der Ukraine, weil wir nicht wissen, was dann passieren wird. Wenn die Ukraine der EU beitritt, sollte ein 10-jähriges Moratorium für ihre Investitionen in der polnischen Lebensmittelindustrie eingeführt werden“, sagte er.

Die ukrainische Regierung hat bisher noch nicht auf die Äußerungen des polnischen Beamten reagiert. In der Vergangenheit war Kołodziejczak in der Ukraine während der monatelangen Bauernblockaden an der Grenze zum Nachbarland heftig kritisiert worden. Die Proteste polnischer Bauern richteten sich gegen die EU-Agrarpolitik, aber auch gegen die Einfuhr günstiger Agrarprodukte aus der Ukraine. Unter anderem wurde Kołodziejczak damals unangemessenes Verhalten bei Gesprächen zwischen den beiden Ländern zur Beilegung des Streits vorgeworfen.

Open Source

Open Source

Sie haben etwas zu sagen? Senden Sie uns Ihren Text! 

Einreichen
Open Door

Open Door

Sie möchten ein Thema vorschlagen? Senden Sie uns Ihren Vorschlag!

Vorschlagen
Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]

Lesen Sie mehr zum Thema
weltbune Banner