Reden wir über Berlin

Milan Peschel: „Berlin braucht weniger Autos und weniger Hipster“

In unserer Fragebogen-Rubrik blicken bekannte Berlinerinnen und Berliner auf ihre Stadt. Heute mit dem in Ost-Berlin geborenen Schauspieler Milan Peschel.

3 Min
Wuchs in Lichtenberg und Friedrichshain auf: Milan Peschel.

Wuchs in Lichtenberg und Friedrichshain auf: Milan Peschel.

© Berliner Zeitung/Paulus Ponizak

Berlin hat rund 3,7 Millionen Einwohner, sie sind so verschieden wie die Stadt selbst. Was also macht Berlin aus, wieso lebt man hier – und tut man es überhaupt gern? In unserer Rubrik „Fragebogen Berlin“ fragen wir bekannte Hauptstädterinnen und Hauptstädter nach ihren Lieblingsorten und ihren persönlichen No-go-Areas. Sie verraten ihre Gastro-Geheimtipps, Shopping-Favoriten und Kiezgeheimnisse, aber auch, was sie an Berlin nervt und was man hier auf keinen Fall tun sollte.

Diesmal hat der Schauspieler Milan Peschel unsere Fragen beantwortet. Der 54-Jährige ist in Lichtenberg und Friedrichshain aufgewachsen und lebt heute mit seiner Frau und zwei Kindern in Prenzlauer Berg. Außerdem hat er ein Haus auf dem Land – einen ehemaligen Bauernhof in Vorpommern. Peschel spielte in zahlreichen Fernseh- und Kinoproduktionen mit, war lange Jahre Protagonist an der Volksbühne und ist nun auch als Regisseur eine feste Größe in der Berliner Theaterlandschaft.

1.        Herr Peschel, seit wann sind Sie schon in der Stadt?

Seit dem 17. Januar 1968. Seit dem Tag meiner Geburt habe ich in Friedrichshain, Lichtenberg, Mitte und Prenzlauer Berg gewohnt.

2.       Was ist Ihr Lieblingsort in Berlin?

Mich zieht es immer wieder zur Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz. Wahrscheinlich ist das mein Lieblingsort …

3.        Wo zieht es Sie hin, wenn Sie entspannen wollen?

Nach Hause. In Berlin oder in Vorpommern. Oder, wenn ich gerade im Prenzlauer Berg bin, in die Gegend nördlich der Wichertstraße – also die Ecke Kuglerstraße, Varnhagenstraße, Rodenbergstraße etc.

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4.       Welche Ecken der Stadt meiden Sie?

Ich versuche nichts und niemanden zu meiden. Aber es zieht mich zum Beispiel nichts in den neuen Apple-Store am Hackeschen Markt (oder ähnliche Kathedralen des globalen Kapitalismus). Wenn ich kotzen will, betrinke ich mich lieber mit Freunden oder Kollegen.

Zur Person
imago

Zur Person

Milan Peschel wurde 1968 als Sohn eines Lehrers und einer Modejournalistin in Ost-Berlin geboren. Er machte zunächst eine Ausbildung als Theatertischler an der Staatsoper und war Bühnentechniker an der Volksbühne.

Von 1991 bis 1995 studierte er Schauspiel an der Hochschule Ernst Busch, anschließend gehörte er lange Jahre zum Ensemble der Volksbühne und war dort in vielen Inszenierungen von Frank Castorf und Dimiter Gotscheff zu sehen. Seit 2007 inszeniert Peschel als Regisseur am Maxim-Gorki-Theater und am Theater an der Parkaue.

Peschel spielte auch in zahlreichen Fernseh- und Kinoproduktionen mit. Für die Rolle eines tumorkranken Vaters im Drama „Halt auf freier Strecke“ von Andreas Dresen wurde er 2012 mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnet.

Derzeit ist der 54-Jährige in der Serie „Doppelhaushälfte“ (ZDF-Mediathek) zu sehen. Ab Herbst wird Peschel, der mit der Bühnenbildnerin Magdalena Musial (Foto) verheiratet ist, wieder in der Volksbühne auftreten – in einem neuen Stück von René Pollesch.

5.       Ihr ultimativer Gastro-Geheimtipp?

Ist geheim, deswegen kann ich’s leider nicht sagen. Aber ich würde gern mal wieder zu Konnopke gehen.

6.        Ihr ultimativer Shopping-Geheimtipp?

Siehe Frage Nr. 4 (oder der nächste Baumarkt …)

7.        Der beste Stadtteil Berlins ist … 

Für mich im Moment Oberschöneweide, weil da die Blasen noch am kleinsten sind und ich den Eindruck habe, dass noch nicht alles aufgeteilt beziehungsweise verkauft ist. Na ja … aber was weiß ich schon.

Hier geht noch was. Oder? Das Kulturzentrum Reinbeckhallen an der Wilhelminenhofstraße in Oberschöneweide.

Hier geht noch was. Oder? Das Kulturzentrum Reinbeckhallen an der Wilhelminenhofstraße in Oberschöneweide.

© imago/Jürgen Ritter

8.         Das nervt mich am meisten an der Stadt:

Hipster und erfolgreiche Menschen all over. Zu wenig soziales Neben- und Miteinander.

9.         Was muss sich dringend ändern, damit Berlin lebenswert bleibt?

Bezahlbare Mieten. Bezahlbare Innenstadt. Nicht nur für wohlhabende Menschen. Viel weniger Autoverkehr. Tempo 30. Keinerlei Werbung im öffentlichen Raum. Mehr Großzügigkeit in allen Bereichen. Dann kommen auch Freundlichkeit, Interesse und Aufmerksamkeit füreinander wieder.

10.         Ihr Tipp an Unentschlossene: Nach Berlin ziehen oder es lieber bleiben lassen?

Sobald mit Wohnraum kein Profit mehr gemacht werden kann, gebe ich gerne Hinweise in dieser Sache.

11.         Cooler als Berlin ist nur noch …

Manchmal das Ruhrgebiet. Leider muss man aber sagen: Cooler als Berlin war vor allem Berlin selbst – in den 80er- und 90er-Jahren. In Ost und West.

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