Eine ehrenwerte Initiative, die durchaus hätte schon eher aufgelegt werden können: Netflix, unser aller Streaming-Versorger, tut sich mit „Producers of Germany“ (PROG) zusammen, um ostdeutsche Perspektiven auf Bildschirm und Leinwand sichtbarer zu machen. Dafür haben beide Parteien ein dreitägiges Workshop-Programm entwickelt. Adressaten sind Drehbuchautoren, Regisseure und Produzenten aus Ostdeutschland oder jene mit Lebensmittelpunkt dort.
Das begrüßenswerte Anliegen ist zwar ein bisschen steif formuliert, lange nicht so fluffig und leichtgängig wie mancher Netflix-Streifen, aber das wird sich sicher in der persönlichen Begegnung auflösen: Man wolle oben genannte Berufsgruppe „stärken und branchenspezifische Ost-West-Perspektiven austauschen und durch Dialog Hürden beim Marktzugang und in der beruflichen Entwicklung abbauen“.
Ostdeutsche Geschichten zu selten erzählt
Stattfinden soll das Ganze im November 2025 als dreitägiger Workshop, bei dem 20 Plätze zur Verfügung stehen. Die Bewerbungsphase endet 22. August, jeder, der die Bedingungen erfüllt, kann sich bis dahin bewerben. Die Producers of Germany freuen sich, für diesen Move Netflix als Unterstützer gewonnen zu haben. „Großartige Geschichten können von überall kommen – ostdeutsche Geschichten und Perspektiven sind da keine Ausnahme“, sagt Katja Hofem, Vice President Content Dach, Netflix. „Viele davon wurden bislang zu selten erzählt.“
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Da hat Frau Hofem absolut einen Punkt. Erzählungen aus Ostdeutschland sollten nicht nur welche von Unrecht und Stasi sein, das Feld ist ausreichend beackert. Die Entwicklung Ostdeutschlands hingegen nach der Wende wenig. Umfragen, die auch von den Beteiligten mit durchgeführt wurden, belegen das: „Die Filmbranche in Deutschland ist auch 35 Jahre nach der Wiedervereinigung von der historischen Ost-West-Trennung geprägt. Lediglich zwölf Prozent der Umfrageteilnehmer empfanden ostdeutsche Perspektiven angemessen repräsentiert in fiktionalen Projekten, im Non-Fiction-Bereich sieht es mit zwanzig Prozent nur unwesentlich besser aus.“
Und dem Entertainment-Riesen Netflix mit über 300 Millionen zahlenden Mitgliedern in über 190 Ländern wird es auch guttun, neues Erzählungsterrain zu gewinnen. Es wird Zeit für „Emily in Parchim“.
Bewerbung unter: www.prog.film/ostdeutsche-perspektiven
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