Nachdem Albanien als erstes Land der Welt in der vergangenen Woche eine rein KI-generierte Regierungsministerin eingeführt hatte, sorgen die ersten Worte der virtuellen Amtsträgerin im Parlament für Aufsehen. In ihrer „Antrittsrede“, die als Video auf einem Bildschirm gezeigt wurde, verteidigte die KI-Ministerin mit dem Namen Diella („Sonne“ auf albanisch) ihre Rolle. So sagte sie, sie sei „nicht dazu da, Menschen zu ersetzen, sondern ihnen zu helfen“.
In dem Video wurde sie als Frau in einer traditionellen albanischen Tracht dargestellt. „Ich möchte Sie daran erinnern, dass die wirkliche Gefahr für die Verfassung nie die Maschinen waren, sondern die unmenschlichen Entscheidungen der Machthaber“, sagte der Bot. Es war unklar, wie genau das Video erstellt wurde oder woher die Rede stammt.
„Diella ist das erste Mitglied der Regierung, das nicht physisch anwesend ist, sondern virtuell durch künstliche Intelligenz geschaffen wird“, erklärte Albaniens Premierminister Edi Rama den Parteimitgliedern. Rama erklärte, dass die Entscheidungen über Ausschreibungen „aus den Ministerien“ herausgenommen und in die Hände von Diella gelegt würden, die „die Dienerin des öffentlichen Auftragswesens“ sei.
Rama kündigte weiter an, der Prozess werde „Schritt für Schritt“ verlaufen, aber Albanien werde ein Land sein, in dem öffentliche Ausschreibungen „zu 100 Prozent unbestechlich sind und in dem jeder öffentliche Fonds, der das Ausschreibungsverfahren durchläuft, zu 100 Prozent nachvollziehbar ist.“ „Das ist keine Science-Fiction, sondern die Pflicht von Diella“, sagte er.
Diella wurde bereits im Januar in Albanien als KI-gestützte virtuelle Assistentin eingeführt, die den Menschen bei der Nutzung der offiziellen e-Albania-Plattform hilft, die Dokumente und Dienstleistungen bereitstellt. Nun ernannte Albaniens Premierminister Edi Rama sie in der vergangenen Woche als Ministerin, um Korruption bei der Vergabe von öffentlichen Aufträgen abzuschaffen. Der Schritt war bereits vor einigen Wochen angekündigt und daraufhin kontrovers diskutiert worden. Die sozialistische Mehrheit Ramas im Parlament stimmte schließlich für die ungewöhnliche Personalie.
Opposition kritisiert Ernennung von KI-Ministerin scharf
Oppositionsabgeordnete Jorida Tabaku sagte etwa im Juli gegenüber Politico: „Man kann ein manipuliertes System nicht reparieren, indem man es in die Cloud stellt“.
„Wenn dieselben Akteure, die von korrupten Ausschreibungen profitiert haben, auch diejenigen sind, die den Algorithmus programmieren, dann bewegen wir uns nicht in Richtung Zukunft. Wir verankern die Vergangenheit“, so Tabaku. „In einem Land, in dem 80 Prozent des Budgets über öffentliche Aufträge abgewickelt werden – und ein Drittel davon ohne echten Wettbewerb vergeben wird –, wird KI die Korruption nicht beseitigen. Sie wird sie nur besser verstecken“, sagte sie.
In der Opposition rief die Ernennung von Diella zur Ministerin nun erneut scharfe Kritik hervor. „Das Ziel ist nichts anderes, als Aufmerksamkeit zu erregen“, sagte der ehemalige Premierminister und Oppositionsführer Sali Berisha. „Es ist unmöglich, die Korruption mit Diella einzudämmen“, fügte er hinzu. „Wer wird Diella kontrollieren? Diella ist verfassungswidrig, und die Demokratische Partei wird die Angelegenheit vor das Verfassungsgericht bringen“, sagte er. Berisha wird nach Angaben des australischen Senders ABC selbst der Bestechung beschuldigt.
Im Korruptionsindex von Transparency International liegt Albanien auf Platz 80 von 180 Ländern. Der Kampf gegen die Korruption ist auch ein Schlüssel für Albaniens Bewerbung um den Beitritt zur Europäischen Union. Rama möchte das Balkanland mit seinen 2,8 Millionen Einwohnern bis zum Jahr 2030 zum Mitgliedsstaat machen.
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