Eine Woche nach dem Abschuss mehrerer mutmaßlich russischer Drohnen durch Nato-Kampfjets im polnischen Luftraum ist weiterhin offen, ob der Vorfall ein Versehen oder eine gezielte Provokation Moskaus war. Das berichtet das Nachrichtenportal CNN unter Berufung auf Quellen in amerikanischen und anderen westlichen Geheimdiensten. Die Regierung in Warschau hatte am Mittwoch vor fast zwei Wochen mehr als ein Dutzend Verletzungen des polnischen Luftraums durch russische Drohnen gemeldet. Dabei drangen einige der Flugkörper tief ins Land vor.
Nach Angaben einiger Geheimdienstmitarbeiter könnte Russland damit versucht haben, die Reaktionsfähigkeit der Nato zu testen. Dass eine Absicht vorlag, lasse sich jedoch nicht beweisen. Auch innerhalb der Allianz gebe es derzeit dazu keine einheitliche Einschätzung, berichtet CNN weiter.
Die Ukraine und Polen hatten öffentlich erklärt, sie seien überzeugt, dass es sich bei dem Vorfall um eine vorsätzliche Aktion gehandelt habe. Andere europäische Länder teilten diese Einschätzung. Der Kreml selbst hatte nach Bekanntwerden des Drohnen-Vorfalls eine Absicht Russlands bestritten.
US-Präsident Donald Trump sagte vergangene Woche ebenfalls, es „könnte ein Versehen gewesen sein“. Dafür erhielt er umgehend eine öffentliche Rüge vom polnischen Ministerpräsidenten Donald Tusk, der betonte: „Wir wissen, dass es kein Versehen war.“ Trump sicherte Polen und auch den Baltenstaaten am Sonntag schließlich den Beistand der USA im Falle einer weiteren Eskalation durch Russland zu.
Kampfjets im estnischen Luftraum? Russland weist Vorwurf zurück
Zuvor war es am Freitag nach estnischen Angaben zu Luftraumverletzungen durch drei russische Kampfjets gekommen. Moskau hatte den Vorwurf zurückgewiesen, dass die Militärflieger in den estnischen Luftraum eingedrungen waren, und betont, man habe sich an internationales Flugrecht gehalten. Der Nato-Sicherheitsrat wird sich am Montag auf den Wunsch Tallinns hin mit dem Vorfall befassen. Außerdem sollen Beratungen nach Artikel 4 des Nato-Vertrags stattfinden, der Mitgliedstaaten Konsultationen erlaubt, wenn sie ihre Sicherheit bedroht sehen.
Derweil häufen sich derartige Vorfälle. Um eine russische Militärmaschine über der Ostsee abzufangen, stiegen zuletzt am Sonntag Eurofighter der deutschen Luftwaffe auf.
Unabhängig von der Frage einer Absicht Moskaus sehen die Geheimdienste in den jüngsten Zwischenfällen laut CNN ein besorgniserregendes Zeichen. „Das bedeutet nicht, dass es ungefährlich ist“, sagte ein ranghoher westlicher Geheimdienstvertreter. „Es hat sich eindeutig etwas in der Risikobereitschaft des Kremls beim Anvisieren von Zielen geändert.“ Das erhöhe die Gefahr einer Eskalation – eine Einschätzung, die offenbar auch von den anderen Quellen geteilt wird.
Bericht: Alaska-Treffen mit Trump ermutigte Putin, Angriffe auf Ukraine zu verstärken
Wegen russischem Angriff auf Westukraine: Polen lässt Kampfflugzeuge aufsteigen
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]