Südlich von Kreta soll es am Dienstag zu Angriffen auf mehrere Schiffe der propalästinensischen Global Sumud Flotilla (GSF) gekommen sein. „Unsere Boote wurden wiederholt von militärischen Drohnen attackiert. Sie beschossen uns mit unbekannten, aber reizenden Substanzen, mit Schallbomben und sogar mit Drohnen, die absichtlich die Masten mehrerer Schiffe beschädigten“, erklärte die italienische GSF-Sprecherin Maria Elena Delia in einem auf Instagram veröffentlichten Beitrag.
Einer Pressemitteilung der Organisation zufolge handelte es sich um israelische Drohnen, mehr als zwölf Explosionen hätten stattgefunden. Angaben über Verletzte lagen zunächst nicht vor.
Die Global Sumud Flotilla ist ein internationales zivilgesellschaftliches Bündnis, das Hilfsgüter nach Gaza bringen will, um auf die humanitäre Notlage im palästinensischen Küstenstreifen aufmerksam zu machen. Die israelischen Behörden haben sich zu den Berichten bislang nicht geäußert.
Italien schickt Fregatte für mögliche Rettungsmaßnahmen ins Mittelmeer
Italien schickte als Reaktion auf die Berichte eine Fregatte der Marine ins Mittelmeer, um die Sicherheit der Flotte zu gewährleisten. Das Schiff sei bereits auf dem Weg in das Gebiet für „mögliche Rettungsmaßnahmen“, erklärte Crosetto am Mittwoch im Onlinedienst X. Er habe zudem „zur Unterstützung der italienischen Staatsbürger auf der ‚Flotilla‘“ mit Regierungschefin Giorgia Meloni gesprochen und den sofortigen Einsatz der Mehrzweckfregatte „Fasan“ der italienischen Marine genehmigt.
Zuvor hatte Italiens Außenminister Antonio Tajani Israel dazu aufgerufen, die Sicherheit der Flotte zu gewährleisten. Unter den propalästinensischen Aktivisten der sogenannten Global Sumud Flotilla befänden sich „italienische Staatsbürger sowie Mitglieder des Parlaments und des Europäischen Parlaments“, erklärte Tajani.
Polnischer Abgeordneter berichtet von drei beschädigten Schiffen
Der polnische Abgeordnete Franek Sterczewski, der sich an Bord eines der Schiffe befindet, schrieb auf X, es habe 13 Angriffe auf insgesamt zehn Schiffe gegeben, darunter sein Schiff. Drei Schiffe seien beschädigt worden.
Die deutsche Aktivistin Yasemin Acar sagte in zwei Videos auf Instagram, insgesamt fünf Schiffe seien attackiert worden. Die Aktivisten an Bord hätten „15 bis 16 Drohnen gesichtet“. „Wir transportieren nur humanitäre Hilfe“, sagte Acar. „Wir haben keine Waffen. Wir stellen für niemanden eine Bedrohung dar.“ Ein Video, das auf der Instagram-Seite der Hilfsflotte veröffentlicht wurde, zeigt eine Explosion, die den Angaben zufolge vom Schiff „Spectre“ aus gefilmt wurde.
Die griechische Küstenwache teilte der Nachrichtenagentur AFP indes mit, ein Patrouillenboot der EU-Grenzschutzagentur Frontex habe sich einem Schiff genähert und „keine Anzeichen von Schäden“ feststellen können.
Gaza-Flottille: Greta Thunberg ist auch an Bord eines der 51 Schiffe
Eine Sprecherin der EU-Kommission sagte zu den Berichten über die erneuten Drohnenangriffe: „Die Freiheit der Schifffahrt nach internationalem Recht muss gewahrt bleiben. Das ist von größter Bedeutung. Daher sind Angriffe, Drohnenangriffe, Beschlagnahmungen oder jegliche Gewaltanwendung gegen die Flottille nicht akzeptabel.“
Die Gaza-Hilfsflotte war Anfang September in Barcelona in See gestochen und will Hilfsgüter in den von Israel abgeriegelten Gazastreifen bringen. Die Flotte besteht derzeit aus 51 Schiffen, von denen sich die meisten vor der Küste der griechischen Insel Kreta befinden. Zu den prominentesten Mitgliedern der Flotte zählt die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg, die jedoch offenbar nicht mehr Teil des Führungskomitees der Organisation ist. Laut einem Bericht der Jerusalem Post wurde sie auf der Website der Flotilla noch bis mindestens vergangenen Sonntag als Mitglied des Führungskomitees (Original: „Steering Committee“) aufgeführt. Nun sei ihr Eintrag jedoch nicht mehr zu finden, hieß es.
Die linksgerichtete italienische Zeitung Il Manifesto berichtete, dass Thunberg dabei beobachtet worden sei, wie sie ihren Koffer entlang eines Docks in Tunis trug, um vom Schiff des Komitees auf ein anderes Schiff zu wechseln. Gegenüber der Zeitung erklärte Thunberg demnach: „Wir alle haben eine Rolle: Meine wird nicht im Führungskomitee sein, sondern als Organisatorin und Teilnehmerin.“ Nach Angaben von Il Manifesto lehnten weitere Mitglieder des Komitees eine Stellungnahme ab.
Bereits bei einem Zwischenstopp in Tunesien hatte es nach Angaben der Organisatoren zwei mutmaßliche Drohnenangriffe auf die Flotte gegeben. Israel hatte am Montag erklärt, ein Anlegen der Boote im Gazastreifen nicht zu erlauben. Bereits im Juni und Juli hatte Israel zwei Versuche von Aktivisten unterbunden, Hilfsgüter auf dem Seeweg in den Gazastreifen zu bringen. Die israelische Armee stoppte die beteiligten Schiffe, nahm die Besatzungen fest und verwies sie des Landes.
Drohnenangriff auf Gaza-Flotilla von Greta Thunberg? Tunesien reagiert auf Vorwürfe
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