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Deutsche Investitionen in Afrika: Einsatz allein reicht nicht, es braucht eine Strategie

Afrika ist aus vielerlei Gründen der Kontinent der Zukunft. Das sind Chancen, direkt vor Europas Haustür, die Deutschland noch nicht zu nutzen weiß.

Matthias von Bismarck-Osten
4 Min
Solaranlage in Lichtenburg, Südafrika

Solaranlage in Lichtenburg, Südafrika

© Ihsaan Haffejee/imago

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Afrika ist der Kontinent der Zukunft. 60 Prozent der Menschen sind unter 25 – ein beispielloser Jugendboom. Bis 2050 wird dort mehr als ein Viertel der Weltbevölkerung leben. Der Kontinent verfügt über die entscheidenden Rohstoffe für das 21. Jahrhundert: Nahezu die Hälfte des weltweiten Kobalts liegt in Afrika, ebenso über 90 Prozent der Platingruppenmetalle. Hinzu kommen große Vorkommen an Mangan, Chrom, Bauxit, Graphit und Uran. Auch die Lithiumproduktion wird stetig ausgeweitet. Diese Rohstoffe sind unverzichtbar für Batterien, Elektromobilität, erneuerbare Energien und die digitale Industrie.

Afrika startet zudem in die Wasserstoffwirtschaft: Erste Pilotanlagen produzieren grünen Wasserstoff und -derivate; Großprojekte stehen vor dem Bau, vertraglich gesicherte Lieferungen nach Europa ab 2027 sind vereinbart. Mehrere afrikanische Länder zählen heute zu den am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften der Welt. Das sind Chancen, direkt vor Europas Haustür.

Container neben der Mombasa-Nairobi Railway, einem Vorzeigeprojekt afrikanisch-chinesischer Kooperation

Container neben der Mombasa-Nairobi Railway, einem Vorzeigeprojekt afrikanisch-chinesischer Kooperation

© Wang Guansen/imago

Deutschland ist nur ein Zaungast

China investiert seit Jahren Milliarden in Infrastruktur und baut inzwischen aber auch Industriepartnerschaften auf. Japan hat jüngst eine Investitionsoffensive im afrikanischen Privatsektor angekündigt, Frankreich verfolgt seit Jahrzehnten gezielt seine Interessen. Auch die Türkei, Indien und die Golfstaaten sind in den vergangenen Jahren zu bedeutenden Investoren in Afrika aufgestiegen. Und Deutschland? Ein Zaungast: In den letzten Jahren floss nur etwa ein Prozent des Bestands deutscher Auslandsinvestitionen nach Afrika – und dieser Anteil ist bis heute kaum gestiegen.

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Die deutsche Wirtschafts- und Entwicklungspolitik zeigt zwar Einsatzbereitschaft für Afrika, verfolgt aber keine kohärente Investitionsstrategie. Das zeigt sich in der Vielzahl der Einzelinitiativen: Compact with Africa, Pro! Afrika, develoPPP, Klimapartnerschaften, Afrika-CIRR, Hermesdeckungen, der 2024 gestartete Rohstofffonds und andere mehr – alle verteilt über Ministerien und Behörden, mit unterschiedlichen Förderbedingungen und ohne gemeinsamen roten Faden.

Was fehlt, ist eine kohärente Investitionsstrategie für Afrika. Mit ihr könnten mehrere Ziele verfolgt werden, als da wären:

Manganförderung in Südafrika

Manganförderung in Südafrika

© Wirestock/imago

Erstens: Rohstoffsicherung

Afrikanische Staaten wollen ihre Rohstoffe nicht länger nur exportieren, sondern zunehmend im eigenen Land verarbeiten. Sie sehen ihre Vorkommen als Chance für Industrialisierung und Beschäftigung. Deutsche Unternehmen sollten deshalb Rohstoffpartnerschaften eingehen, in denen sie Technologie, Maschinen und Know-how bereitstellen – und im Gegenzug langfristig Rohstofflieferungen sichern. Entscheidend sind faire Partnerschaften auf Augenhöhe, die lokalen Mehrwert schaffen: durch hohen „local content“, die Ausbildung afrikanischer Fachkräfte sowie die Beachtung sozialer und ökologischer Standards. So entstehen echte Win-win-Situationen.

Zweitens: Chancen für den Mittelstand eröffnen 

Viele afrikanische Länder verfolgen einen nachhaltigen Entwicklungspfad. Dafür werden energieeffiziente Produktionsanlagen, Solartechnik und Windkraft benötigt. Hier kann der deutsche Mittelstand liefern – und damit wirtschaftliche und klimapolitische Ziele verbinden.

Lagos und andere Städte auf dem afrikanischen Kontinent verfügen zusehends über eine wachsende Mittelschicht.

Lagos und andere Städte auf dem afrikanischen Kontinent verfügen zusehends über eine wachsende Mittelschicht.

© Opeyemi Adisa/unsplash

Die anlaufende Industrialisierung eröffnet deutschen Anlagenbauern große Chancen beim Aufbau von Produktionsanlagen für Konsumgüter. Die Afrikanische Entwicklungsbank zählt 310 Millionen Menschen zur Mittelschicht, mit stark wachsender Tendenz. Besonders in den Megastädten steigt die Nachfrage nach verarbeiteten Lebensmitteln, etwa „ready-to-eat“-Produkten. Dieser Milliardenmarkt wird bisher überwiegend durch Importe bedient.

Deutsche Firmen könnten helfen, Produktionskapazitäten aufzubauen und Verarbeitungs-, Verpackungs- und Kühltechnik liefern – und damit Wertschöpfung und Jobs vor Ort schaffen. Auch für Recycling- und Kreislauftechnologien besteht große Nachfrage.

Drittens: Zugängliche Investitionsförderung und Risikoabsicherung 

Der deutsche Mittelstand scheut Investitionen in Afrika, solange politische und wirtschaftliche Risiken als zu hoch wahrgenommen werden. Bürgschaften, Garantien und Kreditabsicherungen müssen deshalb ausgebaut und speziell für den Mittelstand leichter erreichbar sein. Heute erschweren zu viele programmspezifische Auflagen den Zugang zu staatlicher Risikoabsicherung.

Ähnliches gilt für das EU-Programm „Global Gateway“: 300 Milliarden Euro sind bis 2027 für Infrastrukturprojekte vorgesehen, ein erheblicher Teil davon für Afrika. Doch bislang ist das Programm zu wenig auf Privatsektor-Investitionen ausgerichtet und kaum auf die Bedürfnisse mittelständischer Unternehmen zugeschnitten.

Viertens: Zusammenführung der Einzelinitiativen

Alle Initiativen und Programme, die in der Strategie aufgeführt werden, sollten bei einer hohen politischen Instanz gebündelt werden. Diese sollte mit afrikanischen Partnern auf Augenhöhe verhandeln und eine nunmehr entschlossene Umsetzung sicherstellen.

Matthias von Bismarck-Osten war von 2006 bis 2020 Generalbevollmächtigter der Investitionsbank Berlin (IBB). Er ist Sprecher des Beirats der Greentec Capital Africa Foundation.

Das ist ein Beitrag, der im Rahmen unserer Open-Source-Initiative eingereicht wurde. Mit Open Source gibt der Berliner Verlag allen Interessierten die Möglichkeit, Texte mit inhaltlicher Relevanz und professionellen Qualitätsstandards anzubieten. Ausgewählte Beiträge werden veröffentlicht und honoriert.

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