Der Präsident von Taiwan hat eine Nominierung von US-Präsident Donald Trump für den Friedensnobelpreis in Aussicht gestellt, sollte dieser es schaffen, China von einem Angriff auf die Insel abzubringen. Das sagte Lai Ching-te in einem Interview mit einer konservativen US-Radiosendung und einem Podcast. Das chinesische Außenministerium reagierte der Nachrichtenagentur Reuters zufolge zunächst nicht auf eine Anfrage zu Lais Äußerungen.
Lai sprach in dieser Woche in der „Clay Travis and Buck Sexton Show“, die auf mehr als 400 Talkradio-Sendern ausgestrahlt wird, und bezog sich dabei auf Kommentare von Donald Trump aus dem August. Damals hatte Trump gesagt, Xi Jinping habe ihm versichert, China werde Taiwan nicht angreifen, solange er US-Präsident sei.
„Wir hoffen, weiterhin die Unterstützung von Präsident Trump zu erhalten. Sollte es Präsident Trump gelingen, Xi Jinping davon zu überzeugen, dauerhaft auf militärische Aggressionen gegen Taiwan zu verzichten, wäre Präsident Trump zweifellos ein Friedensnobelpreisträger“, sagte Lai.
Die Vereinigten Staaten sind der wichtigste internationale Unterstützer der von China beanspruchten Insel Taiwan – auch wenn es keine formellen diplomatischen Beziehungen gibt. Seit Donald Trump Anfang dieses Jahres sein Amt angetreten hat, wurden jedoch bislang keine neuen Waffenverkäufe an Taiwan angekündigt.
Lai warnt: Auch USA letztlich betroffen von Chinas Plänen
Auf die Frage, was er dem US-Präsidenten sagen würde, falls er ihm begegnete, erklärte Lai, er würde Trump raten, auf Xis Handlungen zu achten. „Ich würde ihm raten, besonders darauf zu achten, dass Xi Jinping nicht nur zunehmend groß angelegte Militärübungen in der Taiwanstraße durchführt, sondern auch seine Streitkräfte im Ostchinesischen und Südchinesischen Meer ausbaut“, sagte Lai laut einer am Dienstag vom Präsidialamt veröffentlichten Abschrift seiner Äußerungen.
Wenige Stunden nach der Veröffentlichung der Abschrift teilte Taiwans Verteidigungsministerium mit, man habe erneut eine Zunahme chinesischer Militäraktivitäten festgestellt: 23 Militärflugzeuge und Drohnen hätten zusammen mit chinesischen Kriegsschiffen eine „gemeinsame Gefechtsbereitschaftspatrouille“ rund um die Insel durchgeführt.
Chinas zunehmende militärische Aktivitäten, die sich immer weiter von den eigenen Küsten entfernten, seien nicht nur eine Herausforderung für Taiwan, sagte Lai. „Die Herausforderung geht über die bloße Annexion Taiwans hinaus. Sobald Taiwan annektiert ist, wird China mehr Macht erlangen, um auf der internationalen Bühne mit den Vereinigten Staaten zu konkurrieren und die regelbasierte internationale Ordnung zu untergraben“, sagte er. „Letztlich wird dies auch die nationalen Interessen der USA beeinträchtigen. Daher hoffe ich, dass Präsident Trump weiterhin Frieden und Stabilität im indopazifischen Raum aufrechterhält.“
Wie das Wall Street Journal kürzlich unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen berichtete, fordert Chinas Staatschef Xi Jinping nun von den USA, ihre Haltung zu Taiwan zu ändern. Demnach will Peking, dass Washington formal davon spricht, eine Taiwan-Unabhängigkeit „abzulehnen“. Bisher gilt der Stand aus der Zeit von Trump-Vorgänger Joe Biden, dass die USA eine Unabhängigkeit Taiwans „nicht unterstützen“.
Trump fordert schon länger Friedensnobelpreis
Trump war im Laufe der Jahre bereits mehrfach von Anhängern und Abgeordneten für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen worden. Er macht kein Geheimnis daraus, wie sehr es ihn ärgert, dass er den Preis bisher noch nicht bekommen hat – etwa für seine Vermittlerrolle in Konflikten zwischen Indien und Pakistan oder Serbien und dem Kosovo oder für seinen Einsatz für die Abraham-Abkommen, die auf eine Normalisierung der Beziehungen zwischen Israel und mehreren arabischen Staaten abzielen.
Für eine Nominierung Trumps durch Taiwan dürfte es in diesem Jahr jedoch zu spät sein. Bereits an diesem Freitag wird der Preisträger des Friedensnobelpreises 2025 bekannt gegeben.
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