Die radikalislamistischen Taliban haben Recherchen der ARD zufolge vor, die Bezeichnung der afghanischen Botschaft in Berlin-Grunewald zu ändern und die eigene Fahne zu hissen. Obwohl die Bundesregierung dies ablehnt, sind ihr offenbar die Hände gebunden.
Bereits vergangene Woche wurde bekannt, dass zwei Vertreter der Taliban von Deutschland als Diplomaten zugelassen wurden. Einer von ihnen soll in der Vertretung in Bonn arbeiten – ein anderer nun offenbar in Berlin. Die Bundesregierung erklärte letzte Woche, dass Interesse daran bestehe, die afghanischen Vertretungen hierzulande arbeitsfähig zu halten. Deshalb würden Personen eingesetzt, die bereits vor der Machtübernahme durch die Taliban akkreditiert waren. Die nun als Diplomaten zugelassenen Personen seien vor ihrer Einreise kontrolliert worden.
Taliban als Diplomaten: Konsulat in Bonn schließt aus Protest
Zukünftig soll die Flagge, die das muslimische Glaubensbekenntnis in schwarzer Schrift auf weißem Grund zeigt und so Symbol der Taliban-Herrschaft über Afghanistan ist, auch auf dem Konsulat nahe Berlin wehen. Derzeit weht noch die schwarz-rot-grüne Fahne der Islamischen Republik Afghanistan. Zudem soll die diplomatische Vertretung den bisherigen Namen „Botschaft der Islamischen Republik Afghanistan“ verlieren und in „Botschaft von Afghanistan“ umbenannt werden.
Seit 2004 trug das Land den Namen Islamische Republik Afghanistan und ist darunter auch von den meisten Staaten anerkannt. Das von den Taliban ausgerufene „Islamische Emirat Afghanistan“ wird jedoch nur von Russland anerkannt.
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Taliban-Vertreter als Diplomaten in Deutschland zugelassen: Bonner Konsulat macht dicht
Seitens des Auswärtigen Amts heißt es gegenüber der ARD, man habe „der afghanischen Seite klar unsere Erwartung kommuniziert, dass die Botschaft weiterhin Titel sowie Insignien der Islamischen Republik Afghanistan verwendet“. Jedoch gibt es „keine wirkliche rechtliche Grundlage, einem souveränen Staat, mit dem man diplomatische Beziehungen unterhält, zu verbieten, dass er seine Staatssymbole, seine Fahne auch führt und seinen Staatsnamen wählt“, erklärt der Völkerrechtler Markus Kotzur gegenüber der ARD.
Dass einer der Taliban-Diplomaten in Bonn arbeiten soll, wollte der dortige Konsul Hamid Nangialay Kabiri nicht akzeptieren. Insgesamt legten 22 Mitarbeiter ihre Arbeit nieder. Er erklärte, er habe das Generalkonsulat am Montag geschlossen und die Schlüssel an das Auswärtige Amt geschickt. Vergangenen Freitag verschafften sich Mitarbeiter der afghanischen Botschaft Zutritt zu dem Gebäude in Bonn. Das bestätigte die Polizei auf Anfrage der ARD.
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