Militärparade

Nordkorea präsentiert erstmals neues nukleares Waffensystem – Reichweite bis zu den USA?

Nordkorea hat erstmals die Interkontinentalrakete Hwasong-20 präsentiert. Nach Einschätzung westlicher Experten könnte ihre Reichweite ausreichen, um Ziele auf dem US-Festland zu treffen.

Alexander Schmalz Alexander Schmalz / dpa
4 Min
Pjöngjang: Das Foto zeigt nach Angaben von KCNA eine neue Interkontinentalrakete mit der Bezeichnung „Hwasong Gun-20“.

Pjöngjang: Das Foto zeigt nach Angaben von KCNA eine neue Interkontinentalrakete mit der Bezeichnung „Hwasong Gun-20“.

© KCNA/KNS

Bei der ersten großen Militärparade seit zwei Jahren hat Nordkorea erstmals eine neue Interkontinentalrakete präsentiert. Das Geschoss vom Typ Hwasong-20 wurde am Freitagabend (Ortszeit) in der Hauptstadt Pjöngjang auf dem Kim-Il-Sung-Platz gezeigt. Anlass war der 80. Jahrestag der Gründung der regierenden Partei der Arbeit Koreas. Staatschef Kim Jong-un nutzte die Veranstaltung für eine Demonstration militärischer Stärke – und für außenpolitische Symbolik.

Die staatliche Nachrichtenagentur KCNA bezeichnete die Hwasong-20 als das „stärkste nukleare strategische Waffensystem“ des Landes. Aufnahmen zeigten die meterlange Rakete, die auf einem Transportfahrzeug durch die Reihen jubelnder Zuschauer mit nordkoreanischen Fahnen gefahren wurde. Bei der Waffe wird angenommen, dass sie über eine Reichweite verfügt, mit der auch Ziele auf dem US-amerikanischen Festland erreicht werden könnten. Unabhängige Überprüfungen dieser Angaben liegen bislang nicht vor.

Hwasong-20: Technologische Fortschritte mit ungewisser Einsatzfähigkeit

Nach Einschätzung westlicher Experten könnte die Hwasong-20 mit einem Feststoffmotor angetrieben werden – eine Technologie, die Nordkorea in den vergangenen Jahren weiterentwickelt hat. Raketen mit Feststofftreibstoff lassen sich schneller starten und sind schwerer zu entdecken als flüssigkeitsbetriebene Modelle. Mehrere Medien, darunter Reuters und AP, berichteten, dass die Hwasong-20 möglicherweise für den Einsatz mehrerer Sprengköpfe ausgelegt ist. Ein erfolgreicher Testflug des Systems wurde bisher jedoch nicht bekannt.

Kim Jong-un stärkt militärische Rhetorik und betont Nähe zu Russland

In seiner Rede auf der Tribüne rief Kim Jong-un die Streitkräfte dazu auf, sich zu einer „unbesiegbaren Einheit“ zu entwickeln, die „alle Bedrohungen“ zerstören könne. Er würdigte den „heldenhaften Kampfgeist“ der Armee und sprach von einem „Sieg auf ausländischen Schlachtfeldern für Gerechtigkeit und Frieden“. Beobachter sahen darin eine Anspielung auf die Unterstützung Russlands im Krieg gegen die Ukraine. Nach Erkenntnissen westlicher Geheimdienste hat Nordkorea Russland in den vergangenen Monaten mit Artilleriemunition und ballistischen Raketen beliefert. Mehrere Berichte deuten zudem darauf hin, dass Pjöngjang auch militärisches Personal entsandt haben könnte.

Unter den Gästen der Parade befanden sich hochrangige Vertreter befreundeter Staaten: Chinas Ministerpräsident Li Qiang, Russlands ehemaliger Präsident Dmitri Medwedew und Vietnams Parteichef To Lam saßen auf der Ehrentribüne neben Kim Jong-un. Ihre Anwesenheit gilt als Zeichen engerer Kooperation zwischen den drei Ländern. Nordkorea hatte seine außenpolitischen Kontakte zu China und Russland in den vergangenen Monaten ausgebaut. Erst im September war Kim nach Peking gereist, wo er gemeinsam mit Chinas Staatschef Xi Jinping und Russlands Präsident Wladimir Putin eine Militärparade der Volksbefreiungsarmee verfolgt hatte.

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Signal an Verbündete und Rivalen gleichermaßen

Neben der Hwasong-20 zeigte die nordkoreanische Armee bei der Parade auch Hyperschallraketen, unbemannte Flugkörper und Truppeneinheiten mit modernisierter Ausrüstung. KCNA sprach von einem „Zeichen der Stärke“ und lobte den „unerschütterlichen Geist“ der Partei und des Volkes. Internationale Medien berichteten, dass die Parade am Freitagabend nach Einbruch der Dunkelheit stattfand und mit Lichtshows und Feuerwerk untermalt wurde.

Es war die erste große Militärparade in Pjöngjang seit 2023, als Nordkorea den 75. Jahrestag seiner Staatsgründung gefeiert hatte. Beobachter werten die neuerliche Inszenierung als Versuch, innenpolitische Geschlossenheit zu demonstrieren und gleichzeitig die militärische Zusammenarbeit mit Moskau und Peking sichtbar zu machen. Die Präsentation der Hwasong-20 dürfte zudem eine Botschaft an die USA, Südkorea und Japan sein, die in den vergangenen Monaten ihre gemeinsamen Militärübungen in der Region ausgeweitet hatten.

Von Seiten der Vereinigten Staaten oder Südkoreas gab es zunächst keine unmittelbare Reaktion auf die Parade. Experten in Seoul und Washington erwarten jedoch, dass Nordkorea die Hwasong-20 in den kommenden Monaten bei einem Testflug erproben könnte. Die US-Regierung hatte zuletzt vor einer wachsenden Bedrohung durch Nordkoreas Raketenprogramm gewarnt und bekräftigt, man werde die Abschreckungsfähigkeit in der Region aufrechterhalten.

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