Es muss nicht immer das Foto vor dem Brandenburger Tor, dem Reichstag oder dem Fernsehturm sein, um eine bildliche Erinnerung an Berlin mit in die Heimat zu nehmen. Selbst so ein Wohnblock wie das markante Gropiushaus in der Neuköllner Gropiusstadt kann ein spannendes Motiv sein, vor dem man sich ablichten lässt. Mag es daran liegen, dass die in die Jahre gekommene Architektur schon wieder etwas Spannendes in sich trägt, es in seiner Heimatstadt Freiburg Wohnblocks dieser Bauweise und Größe nicht gibt oder einfach die Tatsache, dass die kleine Gruppe, mit der sich Tobias Rauber an diesem Vormittag durch die Gropiusstadt bewegte, gerade nach dem Überqueren der Lipschitzallee eine Pause am gegenüberliegenden Schwimmbad einlegte – ein Bild vor dem Gropiushaus musste schnell geschossen werden.
Bezirksstadträtin Karin Korte ist Alba Berlin dankbar
Mehr als ein Schnappschuss für das eigene Album aber wird dieses Foto für den Leiter Gesellschaftliches Engagement des SC Freiburg aber nicht bleiben. Von größerem Interesse während des zweistündigen Spaziergangs im Rahmen des dreitägigen Community Summit des Projekts „Sport Vernetzt“ war der Blick auf den Campus Efeuweg – ein Gemeinschaftsprojekt von Politik sowie Akteuren vor Ort und so etwas wie ein Vorzeigemodell. Für Alba Berlin, aber auch für Karin Korte.
Alba Berlin füllt die eigenen Visionen mit weiterem Leben
Die Bezirksstadträtin in Neukölln für Bildung, Kultur und Sport hat den Aufbau, das Wachsen des Standortes stets unterstützt und zeigte Tobias Rauber und den anderen Teilnehmern aus Deutschland bei einem von vier Rundgängen voller Stolz das, was da in den Jahren der Zusammenarbeit mit dem größten Basketballverein Deutschlands entstanden ist und sich noch immer verändert. „Alba hatte damals die Idee, Bildung und Sport in diesem Stadtteil zusammenzubringen. Und Alba hatte einen langen Atem. Weil: Alles, was bis jetzt passiert ist, entspricht nicht unbedingt der Haushaltslogik einer Kommunalverwaltung“, erzählte Korte. „Wir hatten hier das Glück, dass Alba der starke Partner war. Wenn wir Alba nicht gehabt hätten, dann hätte es nicht geklappt.“
Karin Korte (Mitte), Bezirksstadträtin in Neukölln für Bildung, Kultur und Sport, erzählte von ihren Erfahrungen mit Alba Berlin.
© Alba Berlin/Constantin Timm
Der starke Partner ist Tobias Rauber mit dem SC Freiburg auch in seiner Heimat. „Grundsätzlich rennt man mit dem SC offene Türen ein, weil alle den SC toll finden“, sagt er. „Es hilft natürlich total, dass da SC Freiburg draufsteht. Aber wir sind es ja nicht allein, sondern es ist eine Idee von fünf Kooperationspartnern.“ Seit zwei Jahren versucht er mit seinen Mitstreitern im Breisgau das umzusetzen, was Alba Berlin in der Gropiusstadt begonnen und bereits auf viele weitere Quartiere in der Hauptstadt übertragen hat. Mittlerweile ist daraus ein Projekt geworden, das sich „Sport Vernetzt“ nennt und dem sich bereits deutschlandweit Vereine wie der SV Werder Bremen, die Rostock Seawolves oder Phoenix Hagen angeschlossen haben.
Das gemeinsame Ziel an allen Standorten ist es, vor allem sozial benachteiligten Kindern möglichst niedrigschwellige Sportangebote in ihrem jeweiligen Kiez zu unterbreiten und zusätzlich die gesellschaftliche Wirksamkeit von Sportvereinen zu stärken. „Soziale Brennpunkte gibt es hier nicht so viele“, erzählt Tobias Rauber mit Blick auf Freiburg. Aber: „Der Bedarf hier ist riesig – wir gehen eine Herausforderung an, die viele betrifft.“ Und die Corona-Pandemie hat die Probleme noch einmal vergrößert. Zahlreiche Mannschaften wurden vom Spielbetrieb abgemeldet, in den Kitas spielen Bewegungsangebote für die Kinder nur eine kleine oder sogar gar keine Rolle.
Alba Berlins Geschäftsführer Marco Baldi (l.) ließ es sich nicht nehmen, die Gäste des Community Summit persönlich zu begrüßen.
© Alba Berlin/Philipp Sommer
Probleme, die man bei Alba Berlin aus eigener Erfahrung der vergangenen Jahre kennt und denen man mit der eigenen Sportidee in vielen Kiezen entgegengetreten ist. „Es gibt überall eigentlich das gleiche Grundproblem: dass die Vernetzung nicht stattfindet“, erzählt Albas Vizepräsident und der Leiter der Alba Jugend, Henning Harnisch. „Es gibt überall Spuren davon oder eine Traditionslinie, aber im Kern hat der Schulsport seine eigenen Probleme, der Vereinssport seine Probleme – aber wir wollen das drehen, dass man nicht nur von Problemen redet, sondern miteinander redet und dadurch mehr Chancen hat.“
Alles, was man bei Alba Berlin seit 2005 an Erfahrungen gesammelt hat, wie sich Politik, Bezirke, Ämter, Wohnungsbaugesellschaften, Quartiere, Schulen und Kitas für eine neue Sport- und Bildungsidee gewinnen lassen, gibt Alba im Rahmen von „Sport Vernetzt“ kostenlos an die Partner weiter. Und gewinnt im Austausch mit anderen Vereinen in Deutschland Informationen über die dortigen Herausforderungen und Lösungen. Denn natürlich lassen sich Standorte wie Berlin und Freiburg nicht mal einfach so vergleichen, ist die Ausgangslage oft eine ganz andere. „Wir beschreiten ähnliche Wege wie Alba oder Werder, weil wir schon sehr lange im Austausch sind“, erzählt Tobias Rauber. „Ich bin jetzt auch schon ein paar Jahre im Verein, die Breitensportförderung haben wir jetzt so seit zwei Jahren bei uns – davor waren es lose Sportprogramme und Fortbildungen, die wir zwar regelmäßig ausgeführt haben, aber das Konstrukt der Sportquartiere haben wir vor zwei Jahren initiiert.“
Der SC Freiburg hat eine klare Struktur gefunden
Gemeinsam mit vier weiteren Partnern hat der SC Freiburg eine Struktur gefunden, die perspektivisch auch als Modell für weitere Leuchttürme in Südbaden implementiert werden kann und soll. „Die Sportquartiere sind so strukturiert, dass es eine Mindestanforderung einer Kita, einer Schule und eines Vereins gibt, die zusammenarbeiten“, so Rauber. Eine Struktur, wie sie doch sehr dem Campus Efeuweg mit den verschiedenen Sportstätten wie dem Schwimmbad, dem Sportplatz an der Lipschitzallee oder den Sporthallen in der Gemeinschaftsschule sowie den unterschiedlichen Institutionen ähnelt.
Nur wenige Tage nach der Besichtigung in der Berliner Gropiusstadt ging es für Tobias Rauber in Freiburg mit der ersten Netzwerkveranstaltung in Präsenz weiter. Geschichten von seinem Rundgang oder den anderen Programmpunkten der dreitägigen Veranstaltung der Hauptstadt erzählte er den 90 Teilnehmern nicht. Und auch sein Foto vor dem Gropiushaus wird niemand zu sehen bekommen haben. „Aber es ist immer gut, wenn man sagen kann, dass wir uns nicht immer nur in der Bundesliga austauschen, sondern uns über den Fußball hinaus vernetzen.“
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