Der Terror unter den Rentnerinnen und Rentnern geht weiter: Eine Anwohnerin des Marzahner Mehrfamilienhauses hat jetzt zwei Strafanzeigen wegen Körperverletzung und Beleidigung gestellt. Sie behauptet, von ihrem Nachbarn mit dem Krückstock geschlagen und übel beschimpft worden zu sein. Doch der bestreitet die Tat.
Die Polizei Berlin musste in der vergangenen Woche erneut zweimal ausrücken, um die Streithähne zu besänftigen. Auslöser des Nachbarschaftskonflikts sind zu laut eingestellte Fernseher. Eine Nachbarin fühlt sich von den Geräuschen permanent in ihrer Nachtruhe gestört.
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Die Bewohnerin Elke S. ist im Gespräch mit der Berliner Zeitung empört: „Herr A.* ist im Fahrstuhl mit seinem Stock auf mich losgegangen und hat mich damit am Arm und am Bein verletzt.“ Außerdem habe er sie mit den Worten beleidigt: „Zieh doch endlich aus, du doofe Kuh!“ Sie habe ihn daraufhin „auch provoziert und ihm gesagt, dass er seine Klappe halten soll“. Sie lebe nun mal auch in diesem Haus.
Als die Berliner Zeitung den Beschuldigten mit den Vorwürfen konfrontierte, weist es alles von sich: „Das habe ich nicht getan. Das ist unwahr.“ Eine weitere Bewohnerin bestätigte aber, dass es zwischen beiden Parteien zu einem Wortgefecht gekommen sei, allerdings sei sie erst später dazu gekommen und habe nur gehört, dass die Nachbarin gegegenüber dem Nachbarn geäußert habe, dass sie sich von ihm nicht beleidigen ließe. Mehr könne sie dazu nicht sagen. Er verstehe nicht, warum sie wegen eines zu lauten Fernsehers streiten müssen. „Man kann doch Rücksicht aufeinander nehmen und Kopfhörer aufsetzen, wenn man schwerhörig ist.“
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Die Berliner Zeitung berichtete bereits mehrfach über den Konflikt unter den Nachbarn im Plattenbau. Erst stritten Rentnerin Elke S. und Renate S., nun sind noch weitere Bewohner in den Konflikt involviert. In den vergangenen zwölf Monaten kam es zu mehreren Polizeieinsätzen und beinahe täglich zu Einsätzen der Lärmschutzpolizei, einem privaten Sicherheitsdienst, der vom Wohnungsbauunternehmen Degewo beauftragt wird.
„In den letzten zwei Wochen hatten wir vier polizeiliche Einsätze an der Adresse“, bestätigt ein Sprecher der Polizei Berlin. Zudem lagen in der Vergangenheit gleich mehrere Strafanzeigen verschiedener Mietparteien wegen übler Nachrede und Körperverletzung vor. Eine Anwohnerin goss Nagelöl auf der Teppe aus und beschimpfte ihre Nachbarin als „diebische Elster“. Nun der erneute Vorfall. Ein Ende der Streitereien ist offenbar nicht in Sicht.
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Die Degewo hat bereits einen Mediator beauftragt, um den Konflikt in den Griff zu bekommen. Doch die Fernseher laufen weiterhin mit hoher Lautstärke und beschäftigen damit auch die Berliner Sicherheitsbehörden und Anwälte des Berliner Mieterschutzvereins. Die Berliner Zeitung war bereits dreimal vor Ort: Ganz eindeutig waren die Geräte nicht auf Zimmerlautstärke eingestellt.
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Warum trägt der Vermieter den Mietern nicht auf, Kopfhörer beim Fernsehen zu tragen? Auf Anfrage bei der Degewo heißt es: „Der mit dem Lärmschutz beauftragte Dienstleister wurde in den letzten Wochen sehr häufig in das betroffene Haus gerufen. In fast allen Fällen konnte den Protokollen zufolge aber kein Verstoß festgestellt werden. In den Fällen, in denen Verstöße registriert wurden, konnte Abhilfe geleistet werden“, erklärt der Unternehmenssprecher Stefan Weidelich.
Als Vermieterin werde die Degewo nicht über Streitigkeiten zwischen Mietern informiert und könne dabei auch nur mietrechtlich eingreifen. Das individuelle Verhalten könne man den Mieterinnen und Mietern nicht vorschreiben, man können sie also auch nicht zwingen, Kopfhörer zu tragen. Die Degewo habe alle mietrechtlichen Maßnahmen ergriffen, die sie ergreifen konnte.
Mieterverein: Einhaltung der Ruhezeiten und Rücksichtnahmegebot
Wibke Werner, stellvertretende Geschäftsführerin des Berliner Mietervereins, sieht das ein wenig anders: „Der Vermieter hat auch für eine Einhaltung der Ruhezeiten und der Hausordnung zu sorgen und sollte die Mieter des Hauses auch auf das Rücksichtnahmegebot hinweisen.“ Neben einem Mediationsverfahren könne der Vermieter neutrale Dritte in die Wohnung lassen, um zu schauen, wie laut die Fernseher tatsächlich eingestellt seien.
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Beruhigen könnte sich der Konflikt auch, wenn Frührentnerin Elke S. aus dem Mietshaus auszieht, doch sie findet keine neue Wohnung in derselben Preiskategorie. Bereits in ihrer vorherigen Wohnung hatte sie Ärger, weil sie sich von rauchenden Nachbarn auf dem Balkon gestört fühlte und außerdem Probleme mit „einer kaputten Fußbodenheizung und einer auslaufenden Duschwanne in ihrem Badezimmer“ hatte. Nun hat sie erneut kein Glück.
„Ich verstehe nicht, warum mir die Degewo nicht hilft und mir wenigstens eine neue Wohnung anbietet“, sagt Elke S. Sie schlafe keine Nacht mehr durch. „Ich kann nicht mehr.“ Außerdem wisse sie nicht, wie sie ihren nächsten Umzug von ihrer schmalen Rente bezahlen solle. Sie sagt: „Ich habe schon einen Kredit für den letzten Umzug aufgenommen und muss ihn abzahlen. Ich bin finanziell am Ende.“
* Name abgekürzt und geändert
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