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Da müssen Sie am Wochenende hin: die Kulturtipps der Redaktion

Unsere Kulturredaktion hat für Sie die Veranstaltungspläne durchforstet und die besten Ideen fürs Wochenende zusammengestellt.

Sie haben am Wochenende noch nichts vor oder sind noch nicht restlos mit Freizeitaktivitäten ausgebucht? Sehr gut! Die Berliner Zeitung hat für ihre Leserinnen und Leser wie jede Woche die Kulturtipps für das kommende Wochenende in Berlin gesammelt. Viel Spaß!


Ausstellung: Mit dem Sternchen auf der sicheren Seite

Diese Genderdebatten sind nicht neu. Spätestens seit Shakespeare (z.B. „Was ihr wollt“), nein viel länger schon, nämlich bereits seit dem 12. Jahrhundert, debattieren wir Theatermenschen den Unterschied zwischen der biologischen und der performativen Auffassung von Geschlechtern und erfreuen uns an der Vielzahl der Slapstick- und Verzweiflungsmöglichkeiten, die das Spiel damit bietet. Ob ein männlicher Schauspieler in der Rolle der Viola auftritt, sich als solche zum Mann verwandelt und den Grafen Orsino sexuell vorübergehend desorientiert (bevor alles wieder schön cis-mäßig einrastet) oder ob wir zu den fernöstlichen Traditionen des Kabuki- oder No-Theaters zurückblicken. Hier wie dort schlagen Erzählung und Darstellung Funken aus der Transgeschlechtlichkeit.

Tosa Mitsuyoshi (1700 – 1772), Tänzer*in, Japan, Edo-Zeit, ca. 1726 – 1772 (Detail), geschenkt 1915 von Marie Meyer und Ernst Grosse

Tosa Mitsuyoshi (1700 – 1772), Tänzer*in, Japan, Edo-Zeit, ca. 1726 – 1772 (Detail), geschenkt 1915 von Marie Meyer und Ernst Grosse

© Staatliche Museen zu Berlin, Museum für Asiatische Kunst / Jürgen Liepe

Derzeit kann man sich vor dem Rollbild eines Hofmalers aus dem Kyoto des 18. Jahrhunderts verlieren, das einen männlichen Darsteller einer weiblichen Tänzerin zeigt. Aber wer weiß, fragt das Humboldt-Forum in seiner Ankündigung unter Verwendung des Gendersternchens, vielleicht hat es sich bei der Tänzer*in doch um eine Frau gehandelt, „die sich an den modischen Idealen der ‚Frauendarsteller‘ orientierte“. Hübsch ist, dass es sich um eine Wechselpräsentation innerhalb der Dauerausstellung für Asiatische Kunst handelt. Es muss eben nichts bleiben, wie es ist. Ulrich Seidler

Humboldt-Forum, Dauerausstellung Museum für Asiatische Kunst, Sommeröffnungszeiten 27. Juli – 8. August, 11–19 Uhr, Informationen


Das Finale der Kunstaktion gegen den umweltzerstörenden Plastik-Trash

Der dritte und finale Akt der Anti-Trash-Kunstaktion von Berliner Künstlern und Studenten der Kunsthochschule Weißensee kommt am Samstagnachmittag, den 30.Juli, zwischen 16 und 19 Uhr nicht auf die Bühne, sondern auf die Straße am Rosa-Luxemburg-Platz. Wie schon an den Wochenenden zuvor wird ein riesiger Würfel aus gepresstem Einwegplastikmüll zum Schendelpark gebracht. Er symbolisiert die Umweltsünden  aus den letzten Jahrzehnten in Berlin, denn er war auf einer wilden Deponie gelandet statt in der Recyclingwirtschaft.

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Am Samstag landet er abermals am Rosa-Luxemburg-Platz: Das Plastik-Trash-Ungetüm von einer wilden Deponie bei Berlin

Am Samstag landet er abermals am Rosa-Luxemburg-Platz: Das Plastik-Trash-Ungetüm von einer wilden Deponie bei Berlin

© Hannes Brunner/ Kunstaktion Trash +/- Value circular economy

Abermals wird das Publikum, gerade die Kinder, von den Künstler-Akteuren eingeladen, an einem extra aufgebauten Markstand  mitzuspielen, wie das für die Zukunft unserer Erde dringend nötige Tauschgeschäft Weggeworfenes gegen Wiederverwertung geht. Beim Angeln einer Müllflasche zum Beispiel bekommt man eine volle zum Trinken, um sie nachher wieder ins Angelbecken zu werfen. Bei einem Stegreifspiel geht es um  Bodenschätze, die im PVC stecken und im Müll verloren gehen.  Der Tausch von Arbeit und Material wird immer wieder neu gestaltet und die Geschichten über Weggeworfenes, Rückholung und Nachhaltigkeit erzählen sich wie von selbst. Ingeborg Ruthe

Kunstaktion Trash+/-Value circular economy: Samstag, 30. Juli 16- 21 Uhr, Rosa Luxemburg-Platz/Schendelpark


Malerei in St. Agnes: Eine Messe des Sonnenlichts

Camilla Engström, eine Schwedin, die in Los Angeles lebt, versetzt die König Galerie in der ehemaligen Kreuzberger Kirche St. Agnes in Schwingungen und Licht. Halb Landschaft, halb Figur haben ihre neuen Öl-Bilder eine geradezu halluzinogene Wirkung. Das liegt vor allem an der Farbpalette der üppig geschwungenen Formen in Orangen-Sorbet-Tönen. Die Sonne spielt in Engströms Malerei die Hauptrolle. Sie hält mit dem Licht gleichsam eine Messe ab. Oft sieht man auf den Leinwänden einen kleinen, leuchtenden Kreis, alles scheint wie von Innen heraus erleuchtet zu sein.

Camilla Engströms Meditationsgemälde mit Sonnenlicht

Camilla Engströms Meditationsgemälde mit Sonnenlicht

© CAMILLA ENGSTRÖM/König Galerie

Zwei große Stichwortgeberinnen der Kunstgeschichte haben diese Art von Malerei der 1989 Geborenen inspiriert: die erotische Kraft der Amerikanerin Georgia O'Keeffe, in deren Werk sich öffnende Blüten als Ursprung allen Lebens erscheinen und ebenso der geheimnisvolle Spirit ihrer erst spät entdeckten schwedischen Landsfrau Hilma af Klint und deren theosophischen Okkultismus. In Engströms Werken herrscht eine Wärme und ruhige Stille, die ihre langjährige Meditationspraxis widerspiegelt. Sie bezeichnet sich selbst als weitgehend autodidaktische Künstlerin. Zuvor hat sie Mode studiert, in New York gelebt und ihren Weg zur Leinwand dann in Kalifornien hauptsächlich durch das Zeichnen gefunden. Ingeborg Ruthe

König Galerie, St. Agnes, Alexandrinenstr. 118-121, Samstag, 10-18/Sonntag 12-18 Uhr, wochentags Di-Fr 10-18 Uhr


Internationaler Orgelsommer im Berliner Dom

Die Sauer-Orgel mit 7269 Pfeifen im Berliner Dom.

Die Sauer-Orgel mit 7269 Pfeifen im Berliner Dom.

© imago/imagebroker

Die Sauer-Orgel im Berliner Dom mit ihren 7.269 Pfeifen und 113 Registern war zur Zeit ihrer Einweihung im Jahr 1905 die größte Orgel in Deutschland. Der Hoforgelbaumeister Wilhelm Sauer aus Frankfurt (Oder) schuf ein Instrument, das damals den neuesten technischen und musikalischen Stand der deutschen Orgelbaukunst verkörperte und all das war, was die Auftraggeber sich wünschten: repräsentativ, modern und von außergewöhnlich hoher Qualität. Der Dom ehrt seine Orgel jedes Jahr mit einer Konzertreihe, dem Internationalen Orgelsommer. Jeweils freitags um 20 Uhr und noch bis zum 26. August spielen hier Organisten aus aller Welt Konzerte. An diesem Freitag ist es der schwedische Organist Hans Fagius, der in einem Konzert mit dem Titel „Die Olsson-Bande!“ die Werke schwedischer Komponisten interpretiert. Sein Spiel auf der historischen Orgel wird auf eine Leinwand in der Kirche übertragen. Susanne Lenz

Internationaler Orgelsommer im Berliner Dom Die Konzerte finden bis zum 26. August immer freitags um 20 Uhr statt. Die Karten kosten zwölf, ermäßigt acht Euro. Hier können Sie Tickets erwerben.


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