Freizeit

Zurück zur Normalität? Schwieriger Neustart für Veranstalter

Ausgebuchte Konzerte und Events wirken nach zwei Jahren Pandemie wie eine Rückkehr zur Normalität. Wirtschaftlich sieht es für die Branche jedoch weniger ros...

Serhat Koçak dpa
3 Min
ARCHIV - Ausgebuchte Konzerte und Events wirken nach zwei Jahren Pandemie wie eine Rückkehr zur Normalität. Wirtschaftlich sieht es für die Branche jedoch weniger rosig aus.

ARCHIV - Ausgebuchte Konzerte und Events wirken nach zwei Jahren Pandemie wie eine Rückkehr zur Normalität. Wirtschaftlich sieht es für die Branche jedoch weniger rosig aus.

© Andreas Arnold/dpa

Für Veranstalterinnen und Veranstalter ist das Wiederanlaufen des Geschäfts nach zwei Jahren Zwangspause ein Segen: ausgebuchte Hallen, volle Stadien, Messen wie gewohnt. „Tatsache ist, dass die Live-Branche mit Vehemenz zurückgekehrt ist und eine bisher nie gekannte Folge von Konzerten mit fantastischer Resonanz über die Bühne gegangen ist“, sagte Marek Lieberberg, Geschäftsführer von Live Nation GSA, der Deutschen Presse-Agentur. Als Veranstalter sei man zwar in der Verantwortung, die Entwicklung zu beobachten und gegebenenfalls Test- und Maskenpflicht wieder einzuführen. Doch solange es keine behördlichen Lockdowns gebe, würden Live-Veranstaltungen fortgesetzt, sagte Lieberberg.

Lage noch vielfach schwierig

Trotz erfolgreicher Musikveranstaltungen in diesem Sommer ist die Lage der Kulturveranstaltungswirtschaft aber vielfach noch kritisch. In vielen Fällen handle es sich pandemiebedingt um nachgeholte Konzerte und Veranstaltungen aus den vergangenen beiden Jahren, erklärt der geschäftsführende Präsident des Bundesverbandes der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft (BDKV), Jens Michow.

Und Eintrittskarten, die bereits vor einem oder zwei Jahren verkauft wurden, bringen Veranstaltern aktuell keine neuen Umsätze. Zudem waren nach Branchenangaben die Kosten für die Ausrichtungen von Konzerten und Co. seinerzeit niedriger als aktuell. Derzeit seien daher trotz ausverkaufter Hallen oder Festivals teilweise bereits große Verluste erwirtschaftet worden, sagte Michow.

Im Jahr 2019 kam die deutsche Veranstaltungswirtschaft noch auf einen Umsatz von rund sechs Milliarden Euro. Viele Veranstalter hofften, im laufenden Jahr an diese Zeiten anknüpfen zu können. Doch das Umfeld ist schwieriger als gedacht: Die rekordverdächtig hohe Inflation in Deutschland von zuletzt 7,5 Prozent im Juli bremst die Konsumlust vieler Menschen, dazu kommen Sorgen wegen möglicher wirtschaftlicher Folgen des Krieges in der Ukraine. Zudem hat auch die Veranstaltungsbranche mit Personalmangel und Lieferengpässen bei Material zu kämpfen. „Die Rahmenbedingungen für wirtschaftlich profitable Veranstaltungen sind miserabel“, sagt BDKV-Geschäftsführer Michow.

Es fehlt qualifiziertes Personal

Nach wie vor sei die Branche auf staatliche Hilfen angewiesen, die sie bis 2019 nie in Anspruch genommen habe, sagt Michow. Die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie sind noch erkennbar: Ähnlich wie in der Gastronomie fehlt nach Angaben des Ministeriums auch in der Veranstaltungsbranche qualifiziertes Personal, Veranstaltungstechniker oder Bühnenhelfer seien derzeit sehr schwer zu finden.

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Die Eventkalender jedenfalls sind voll. Veranstalter Lieberberg meint, man müsse grundsätzlich lernen, mit der Pandemie zu leben, „statt in obsolete Verbote zu flüchten“. Interesse und Nachfrage der Fans seien weiter vorhanden.

Steigende Corona-Fallzahlen könnten der Branche jedoch einen unruhigen Herbst und Winter einbrocken. „Neuerliche Abstandsregeln und Kapazitätsbeschränkungen wären für das Veranstaltungsgeschäft tödlich“, sagt Branchenverbands-Chef Michow. Er hofft, dass Lockdowns in diesem Winter ausbleiben: „Da leider davon ausgegangen werden muss, dass Corona oder auch andere Pandemien uns noch lange, wenn nicht zukünftig immer begleiten werden, hoffe ich nicht, dass die Politik immer wieder mit den gleichen Maßnahmen reagiert.“

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