Studenten, die in Berlin eine Wohnung suchen, müssen dafür im Schnitt 570 Euro bezahlen. Das sind zehn Prozent mehr als vor einem Jahr. Berlin liegt damit ganz im bundesweiten Trend. In 51 von 67 Städten haben sich die Kaltmieten von studententauglichen Wohnungen erhöht.
Das geht aus einer Untersuchung des Internetportals Immowelt hervor, die am Dienstag veröffentlicht wurde. In der Spitze beträgt der Anstieg 16 Prozent. Das ist zum Beispiel in Potsdam der Fall, wo sich die Miete für eine Studentenwohnung im Schnitt um 60 Euro auf 440 Euro erhöht hat.
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Eingeflossen in die Untersuchung sind Angebotsmieten von Wohnungen mit ein bis zwei Zimmern und bis zu 40 Quadratmetern, die zwischen Januar und Juli 2022 auf Immowelt veröffentlicht wurden. Wichtig: Es handelt sich um Angebotsmieten. Zu welchen Preisen die Wohnungen vermietet wurden, geht daraus nicht hervor. Es kann Abweichungen geben.
In vielen Städten liegt die Mietsteigerung über der Inflationsrate
In 28 Städten übersteigt der prozentuale Mietpreisanstieg laut Immowelt die Inflationsrate von 6,8 Prozent im selben Zeitraum. Am teuersten wohnen Studenten nach wie vor in München, wo eine Singlewohnung aktuell rund 840 Euro Miete kostet. Das entspricht einem Anstieg von elf Prozent. Denn vor einem Jahr waren es noch 760 Euro.
In anderen großen Unistädten haben sich die Angebotsmieten von studententauglichen Wohnungen ebenfalls erhöht. In Frankfurt am Main (540 Euro) und Hamburg (500 Euro) sind die Angebotsmieten binnen eines Jahres um acht beziehungsweise neun Prozent gestiegen. Etwas moderater fällt der Mietpreisanstieg hingegen in Köln aus, wo sich Studentenwohnungen um zwei Prozent verteuert haben.
Die Preisanstiege bei studententauglichen Wohnungen korrespondieren laut Immowelt mit der allgemeinen Entwicklung auf dem Mietmarkt. Die Nachfrage nach Wohnraum ist weiterhin groß. Und Studenten konkurrieren mit anderen Bevölkerungsgruppen um kleine Wohnungen. So suchen auch Singles oder Verwitwete zunehmend kleinere Wohnungen, weil sie sich angesichts des hohen Preisniveaus nicht mehr Wohnfläche leisten können. Oder sie ziehen erst gar nicht um, weil eine größere Wohnung mit einem alten Mietvertrag in der Regel günstiger ist als eine kleinere Wohnung, die neu vermietet wird.
Die preiswertesten Wohnungen finden sich in Ostdeutschland
In kleineren Unistädten fallen die prozentualen Zuwächse bei den Mieten teilweise noch stärker aus als in den Großstädten. Am deutlichsten ist das in Potsdam zu sehen, wo der prozentuale Mietpreisanstieg mit 16 Prozent mehr als doppelt so hoch ausfiel wie die Inflationsrate von 6,8 Prozent im selben Zeitraum. Auch in beliebten Unistädten wie Tübingen und Mainz sind die Mieten von Studentenwohnungen schneller gestiegen als die Inflation, jeweils um 13 Prozent.
In einigen Unistädten scheint die Grenze des Bezahlbaren laut Immowelt „vorerst erreicht“. So haben sich die Angebotsmieten von studententauglichen Wohnungen etwa in Münster und Mannheim nicht weiter verteuert. In Städten wie Marburg (minus drei Prozent) und Wiesbaden (minus fünf Prozent) sind die Mietpreise in den vergangenen zwölf Monaten sogar gesunken.
Die preiswertesten Wohnungen finden Studenten laut der Untersuchung in den ostdeutschen Bundesländern. In Chemnitz, der günstigsten Unistadt, liegt die mittlere Kaltmiete einer Studentenwohnung aktuell bei 190 Euro (plus sechs Prozent). In Dresden werden 250 Euro verlangt (minus sieben Prozent), in Leipzig 290 Euro (plus sieben Prozent).
Ein Jahr Mindestwartezeit beim Studierendenwerk
Vergleichsweise günstig sind auch noch die Unistädte des Ruhrgebiets. Wer in Gelsenkirchen (250 Euro), Bochum (290 Euro) oder Duisburg (290 Euro) studiert, zahlt für eine Singlewohnung nur ungefähr ein Drittel der Miete, die Münchener Studenten für eine vergleichbare Bleibe ausgeben müssen.
In Berlin bietet unter anderem das Studierendenwerk preiswerte Unterkünfte für Studenten an – als Alternative zu teuren Wohnungen auf dem Immobilienmarkt. In 32 Wohnheimen des Studierendenwerks stehen insgesamt rund 9200 Plätze zur Verfügung. Der preiswerteste Platz kostet 240 Euro, der teuerste Platz 500 Euro. Im Durchschnitt werden 349 Euro Miete fällig. Damit liegt die Miete beim Studierendenwerk in Berlin im Schnitt gerade noch unter den neuen Wohnzuschlägen von 360 Euro, die im Zuge der diesjährigen Bafög-Reform in Kraft getreten sind.
Jana Judisch, Sprecherin des Studierendenwerks, bezeichnet die Wohnraumsituation für den akademischen Nachwuchs in Berlin weiterhin als „angespannt“. Zum 1. August seien noch 1833 Studierende mit Wohnraum unversorgt, zusätzlich stünden schon jetzt 2398 Studierende auf der Warteliste, die zu einem späteren Zeitpunkt einziehen möchten, so Judisch. Aktuell betrage die Mindestwartezeit ein Jahr.
Angst in Berlin: „Uns graut vor der Veröffentlichung des nächsten Mietspiegels“
Berlinovo baut rund 5300 Wohnplätze bis 2026
Die landeseigene Berlinovo gehört zu den größten Bauherren neuer preiswerter Wohnplätze für Studenten. Sie vermietet bisher rund 1900 Wohnplätze für Studierende. Bis 2026 will sie weitere rund 5300 Wohnplätze errichten. Erst im April hat die Berlinovo zwei Apartmentgebäude in der Plönzeile 27/29 in Oberschöneweide in Betrieb genommen. Die 216 vollmöblierten Apartments sind rund 20 Quadratmeter groß, haben alle eine Küche und ein eigenes Bad sowie Internet. Mietpreis: ab 390 Euro warm.
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