Das erste Schiff, das den Hafen von Odessa im Rahmen einer von den Vereinten Nationen, der Türkei, Russland und der Ukraine ausgehandelten Vereinbarung über die Lebensmittelausfuhr verlassen hat, hat offenbar in der syrischen Hafenstadt Tartus angelegt. Die Nachrichtenagenturen Reuters und AP berichten von der Ankunft des Schiffes in Syrien. Der ursprüngliche Käufer im Libanon hatte die Lieferung verweigert. Reuters und AP verweisen auf Satellitenaufnahmen von Planet Labs PBC, die die Razoni in Tartus zeigen, und eine anonyme Quelle aus der Schifffahrt sagte, dass zumindest ein Teil der Ladung dort entladen wurde.
Der Sprecher des US-Außenministeriums Ned Price sagte in Washington, die US-Regierung mache keine Vorgaben, wohin die Schiffe fahren sollten. Wichtig sei, dass das Getreide bei Bedürftigen ankomme und die Ukraine angemessen bezahlt werde. Die ukrainischen Behörden erklärten, sie seien nicht mehr für die Ladung oder das Schiff verantwortlich. Das Gemeinsame Koordinationszentrum der Vereinten Nationen sagte, nach der durchgeführten Inspektion in der Türkei ende die Zuständigkeit des Zentrums.
Der Ukraine-Krieg, der Bauer und das Getreide
Das Schiff, die unter der Flagge Sierra Leones fahrende Razoni, hatte die Ukraine am 1. August mit einer Ladung von 26.000 Tonnen Mais verlassen. Doch entgegen den ursprünglichen Angaben wurde das Schiff nicht wie geplant im Libanon entladen, sondern blieb länger in der Türkei vor Anker. Nachdem sie am 11. August in See gestochen war, schaltete die Razoni offenbar ihren Transponder aus, der die Standortdaten überträgt. Das Schiff war vorübergehend nicht mehr zu orten und tauchte erst wieder im Hafen von Tartus auf.
Syrien ist ein Verbündeter Russlands. Der syrische Präsident Baschar al-Assad hatte Russland nach den Kämpfen zwischen verschiedenen islamischen Milizen und der syrischen Armee um Hilfe gebeten. Russland betriebt in Latakia den einzigen Luftwaffenstützpunkt des Landes am Mittelmeer. Syrien steht seit vielen Jahren unter einem strengen Sanktionsregime der EU, welches nach Angaben Menschenrechts-Organisationen vor allem die Zivilgesellschaft betrifft. Im Juni erkannte Damaskus die Unabhängigkeitserklärungen zweier Regionen in der Ostukraine an, in denen von Russland unterstützte russische Gruppen seit 2014 weite Teile des Landes kontrollieren, woraufhin Kiew die diplomatischen Beziehungen zu Syrien abbrach.
Ende der Getreide-Blockade: Einigung über Export aus Ukraine erzielt
Seit Anfang dieses Jahres transportieren Schiffe ukrainische Lebensmittel aus russisch besetzten Gebieten nach Syrien. Im Mai zeigten laut der Times of Israel Satellitenbilder die unter russischer Flagge fahrende Matros Pozynich am Hafen in Latakia in Syrien. Die Ukraine sagte, das Schiff habe 27.000 Tonnen Getreide geladen, die von Russland gestohlen worden seien. Russland habe zunächst versucht, das Getreide an Ägypten zu verkaufen, das sich jedoch geweigert haben soll, die Ladung anzunehmen.
UN-Generalsekretär Antonio Guterres wird am 18. und 19. August in der Ukraine mit dem ukrainischen und dem türkischen Präsidenten unter anderem in der Hafenstadt Odessa zusammentreffen, um über die Wiederaufnahme der Getreide- und Düngemittellieferungen zu sprechen. Laut einer vorläufigen Bilanz des Koordinationszentrum in Istanbul vom Dienstag verließen seit der Öffnung des Seeweges bis zum 15. August bereits 21 Schiffe ukrainische Häfen. 15 Frachter seien in Richtung Ukraine entsendet worden. Damit seien mehr als eine halbe Million Tonnen Getreide und andere Lebensmittel aus der Ukraine ausgefahren worden, hieß es.
Am Mittwoch liefen nach Angaben des türkischen Verteidigungsministeriums vier weitere Frachter aus den ukrainischen Schwarzmeer-Häfen Odessa und Tschornomorsk aus. (mit dpa)
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