Finanzen

Inflation Deutschland: Schwieriger Herbst erwartet

Die Inflation bremst die Unternehmen, diese erhöhen die Preise. Es gibt erste Versuche mit gedeckelten Preisen.

Michael Maier
4 Min
Kühlregale in einem Supermarkt

Kühlregale in einem Supermarkt

© dpa/Rolf Vennenbernd

Deutschland schlägt sich nun bereits seit einiger Zeit mit einer rückläufigen Produktion herum. Der PMI für das verarbeitende Gewerbe in Deutschland lag im Juli bei 49,8 Punkten. Das ist immerhin deutlich besser als die von Analysten erwarteten 48,2 Punkte, und auch über der Marke vom Juni, wo der PMI bei 49,3 Punkten gelegen hatte. Dagegen fiel der PMI für den Dienstleistungssektor von 49,7 Punkten im Juni auf 48,2 im August gegenüber den geschätzten 49,0. Der PMI erreichte den niedrigsten Stand seit 18 Monaten.

Phil Smith, Economics Associate Director at S&P Global, hat dennoch keine erfreuliche Einschätzung für Deutschland: „Die Daten zeichnen Mitte des dritten Quartals ein düsteres Bild der deutschen Wirtschaft und zeigen einen sich vertiefenden Rückgang der Geschäftstätigkeit im Privatsektor. Die anhaltende Schwäche im verarbeitenden Gewerbe wird durch eine Verlangsamung im Dienstleistungssektor verstärkt.“ Die Unternehmen klagen über den Rückgang der Nachfrage wegen der hohen Inflation und der gestiegenen Zinssätze. Die Verlangsamung der Wirtschaft führe dazu, dass die Unternehmen weniger Personal einstellen, weshalb das Beschäftigungswachstum im August auf den schwächsten Stand seit fast anderthalb Jahren zurückgegangen ist. Hinzu kommt, dass in den vergangenen Monaten Personal gebraucht wurde, um die Lieferrückstände aus der Corona-Zeit abzuarbeiten – ein Effekt, der bald vorüber sein dürfte und damit zu weiteren Rückgängen in der Beschäftigung führen dürfte.

Überraschend zeigt nun auch Frankreich deutliche Anzeichen von wirtschaftlicher Schwäche: Laut den aktuellen Zahlen von S&P Global fiel der Einkaufsmanagerindex (PMI) für das verarbeitende Gewerbe im August von 49,5 Punkte auf 49,0 Punkte. Jeder Wert unter der 50-Punkte-Linie markiert rückläufige Aktivitäten, während über 50 Punkten eine Expansion anzeigt. Grund für den neuerlichen Rückgang ist die hohe Inflation, die die Nachfrage auf Konsumentenseite bremst.

Joe Hayes, Senior Economist bei S&P Global Market Intelligence, sagte, die Zahlen deuteten darauf hin, dass die französische Wirtschaft „zum ersten Mal seit anderthalb Jahren in eine Kontraktion eingetreten ist“. Auch der Dienstleistungssektor ist den Zahlen zufolge schwach. „Die hohe Inflation hat die Kaufkraft von Verbrauchern und Unternehmen vermindert.“ S&P erwartet, dass der Abwärtstrend anhält, da inflationsbedingt die Nachfrage nach Waren und Dienstleistungen zurückgeht.

In Frankreich liegt die Inflation aktuell bei 6,8 Prozent, in Deutschland lag die Inflation im Juli bei 8,5 Prozent. Bundesbankpräsident Joachim Nagel hatte für Deutschland zuletzt eine zweistellige Inflationsrate prognostiziert. Großbritannien verzeichnete bereits im Juli eine zweistellige Inflationsrate.

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In Frankreich sind die Unternehmen dazu übergegangen, bei bestimmten Produkten Preisdeckel einzuziehen. So friert die Supermarktkette Carrefour die Preise für hundert Produkte des täglichen Bedarfs von Sardinenkonserven bis hin zu Reis und Spülmittel ein, wie der Konzern am Montag mitteilte. Zuvor hatten bereits mehrere andere Unternehmen ähnliche Schritte bekannt gegeben. Die Preisdeckel sollen bis Mitte November gelten und dienen offiziell den Kunden als Hilfe bei der Bewältigung der Inflation. Allerdings dürfte die niedrigen Preise nicht das Ergebnis einer neu entdeckten Wohltätigkeit sein. Die Maßnahmen sind vielmehr Folge einer von Präsident Emmanuel Macron verkündeten Supersteuer auf inflationsbedingte Rekordgewinne. Weil die Unternehmen keine Markanteile an die Mitbewerber verlieren wollen, deckeln viele nun ihre Preise, weil es nicht in ihrem Interesse ist, wegen höherer Gewinne mehr Steuern bezahlen zu müssen.

Auch der französische Ölkonzern TotalEnergies und der Schifffahrtslogistiker CMA CGM haben im Juli Preissenkungen angekündigt. TotalEnergies gab bekannt, das Unternehmen werde die Kraftstoffpreise an seinen Tankstellen in ganz Frankreich vom 1. September bis Ende des Jahres senken. CMA CGM teilte mit, die Versandkosten um 750 Euro pro Container für Importe aus Asien nach Frankreich zu senken.

Sinnbildlich für die Wirkung der Inflation und der angespannten Wirtschaftslage ist der deutsche Elektronikmarkt: Der Absatz von TV-Geräten sank im Jahresvergleich um 16,8 Prozent auf knapp 2,7 Millionen Geräte. Zugleich wurden laut dem Branchenverband gfu die Geräte teurer: Der durchschnittliche Preis eines in Deutschland verkauften TV-Geräts stieg im Jahresvergleich von 633 auf 688 Euro. Im ersten Halbjahr des Corona-Jahres 2020 war der Absatz noch auf 3,1 Millionen Fernseher gestiegen. Damals lag der Durchschnittspreis für ein Gerät mit 557 Euro deutlich unter dem Preis, der heute zu bezahlen ist.

Die Tarifgehälter können mit den Preissteigerungen nicht mithalten: Laut der am Dienstag vorgestellten Analyse der gewerkschaftlichen Hans-Böckler-Stiftung stiegen die Tariflöhne durchschnittlich um 2,9 Prozent. Bei einem gleichzeitig sehr viel stärkeren Anstieg der Verbraucherpreise ergab sich daraus ein Reallohnverlust von 3,6 Prozent.

Vielen Beschäftigten drohe damit das zweite Jahr in Folge ein Reallohnverlust, erklärte der Leiter des WSI-Tarifarchivs, Thorsten Schulten. Trotz zuletzt steigender Abschlüsse rechnet der Schulten nicht mit einem vollständigen Ausgleich der Inflation. (mit dpa)

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