AWO City Park Residenz

Lauterbach in Seniorenresidenz: Pflegerin schreibt Wutbrief

Die Frau wollte über Probleme in der Pflege sprechen. Jetzt sagt sie: „Ich bin maßlos enttäuscht. Alles was ich sah, war pure Publicity für Medien und Presse.“

Team News Philippe Debionne P. Debionne
3 Min
Karl Lauternach im Seniorenheim Awo City Park Residenz in Langenhagen.

Karl Lauternach im Seniorenheim Awo City Park Residenz in Langenhagen.

© Facebook

Gesundheitsminister Karl Lauterbach hat eine Seniorenresidenz besucht. Er habe in der Langenhagener AWO City Park Residenz über „die Lage in der Pflege“ gesprochen. Im Rahmen des Besuchs teilte Lauterbach am Montag auf Facebook und bei Twitter am Montag mit, dass man„ im Herbst die Zahl der Corona-Opfer in der Pflege durch konsequente Hygiene, Boosterimpfungen und schnelle Paxlovid-Behandlung minimieren“ wolle. Eine Pflegerin der Seniorenresidenz hat nach dem Besuch einen persönlichen Brief an Lauterbach geschrieben. Darin heißt es, der ganze Auftritt habe „enttäuschend und scheinheilig“ gewirkt. Und weiter: „Alles was ich sah war pure Publicity für Medien und Presse.“

Die Pflegerin veröffentlichte ihre Kritik bei Facebook, hier wurde das Schreiben in kurzer Zeit hundertfach geteilt und kommentiert. Im Wortlaut heißt es hier:

„Psychische Belastung, Tränen und Schmerzen“

„Hallo Herr Karl Lauterbach. Sie waren heute bei uns in der Einrichtung und die Aufregung war natürlich hoch. Draußen vor unserem Hause wütende Demonstranten, drinnen aufregte Bewohner. Erwartungsvolle Blicke der Pflege. Mit einem großen Aufgebot standen Sie nun auf unserer Etage. Ein kurzes „Hallo“, ansonsten zugewandt zur Presse und der restlichen Belegschaft die mit Ihnen war.

Ihre Begleitung war ja ganz reizend, lächelnd wie sie uns anschaute, so enttäuschend und scheinheilig wirkte der ganze Auftritt. Wir haben erwartet, dass Sie sich anstatt unten im Garten zu uns an den Tisch setzen und mit uns sprechen. Über die Personalsituation, über die psychische Belastung, über Tränen und Schmerzen, die uns als Pflegekräfte begleiten. Über Menschen, die mehr als zehn Stunden im Bett liegen, weil nur zwei Pflegekräfte für 42 Bewohner zuständig sind oder drei Stück im Frühdienst, die alle Menschen korrekt pflegen sollen.

Wir haben uns gewünscht, ein Ohr zu bekommen und unsere Sicht zu schildern. Aber alles was ich sah, war pure Publicity für Medien und Presse. Ich und meine Kollegen sind maßlos enttäuscht und fühlen uns nicht gehört.“

Mittlerweile hat auch die Politik auf den Brief der Pflegerin reagiert. Die Frau teilt weiter mit: „10.000 Dank für eure Rückmeldung zum Thema Lauterbach. Die Kommunalpolitiker wollen nochmal mit uns ins Gespräch kommen, und haben uns ein Gespräch angeboten in der Einrichtung um die Situation zu besprechen und Verbesserung der Pflege“.

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In einem weiteren Post der Pflegerin heißt es: „Ich denke, es ist ein Anfang um gehört zu werden.“

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