Notruf

Lesen Sie mal, wofür die 112 in Berlin und Brandenburg so alles gewählt wird

Der Rettungsdienst der Feuerwehr ist überlastet. Nicht nur Personalmangel ist der Grund, sondern auch die Anrufer. Wir haben uns bei Rettungskräften umgehört.

3 Min
Notfallsanitäter mit Rettungsrucksack auf dem Weg zu einem Einsatz in Berlin.

Notfallsanitäter mit Rettungsrucksack auf dem Weg zu einem Einsatz in Berlin.

© imago stock&people

Fast jeden Tag herrscht beim Rettungsdienst der Berliner Feuerwehr Ausnahmezustand. Das liegt am Personalmangel bei den Notfallsanitätern. Belastet wird der Rettungsdienst aber auch, weil viele Menschen mit alltäglichen Verletzungen oder Krankheiten den Notruf 112 wählen. So landen beim Rettungsdienst viele Bagatellfälle.

Lesen Sie mal, was Berliner und Brandenburger Feuerwehrleute berichten, weshalb in der letzten Zeit einige Menschen die 112 wählten:

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Alle 66 Sekunden wird in Berlin ein Rettungswagen (RTW) alarmiert. Wie viele davon Bagatelleinsätze sind – solche Zahlen liegen nach Angaben von Berlins Feuerwehrchef Karsten Homrighausen nicht vor. Sie werden jetzt mühsam recherchiert. 

Doch für die Berliner Zeitung haben die Feuerwehrleute jetzt einige Fälle aufgelistet, weshalb sie angerufen werden:

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Ein Feuerwehrmann erzählt: „Wir haben auch viele Einsätze, bei denen Kraftfahrer an Orten vorbeifahren, an denen jemand auf dem Boden liegt. Sie halten aber nicht an und schauen oder fragen, sondern rufen die Feuerwehr. Bei Eintreffen des Rettungswagens ist dann keiner mehr da.“ Solche Fälle zählen zu den sogenannten Fehleinsätzen. Von denen gab es laut aktueller Feuerwehrstatistik im vergangenen Jahr mehr als 20.000.

Der Feuerwehrnotruf 112 wurde aber auch gewählt …

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Nicht in immer herrscht bei den Anrufern ein Anspruchsdenken. Es gibt auch jene, die Angst haben. Etwa eine schwangere Frau, die 112 wählte, weil sie einen Kirschkern verschluckt hatte und befürchtete, dass er in die Nabelschnur ihres Babys gelangen könnte.

Manuel Barth von der Deutschen Feuerwehrgewerkschaft kennt viele von diesen Beispielen: „Wir sehen fehlende Selbsthilfefähigkeiten, fehlende ambulante Versorgung und vielleicht auch eine fehlende Sensibilität, was denn Notfallrettung eigentlich heißt“, sagt er. Barth verweist aber auch auf fehlende Möglichkeiten der Feuerwehr, die Hilfesuchenden entsprechend beraten oder weiterleiten zu können.

Die Berliner Zeitung hat sich auch beim kommunalen Rettungsdienst im Landkreis Oder-Spree östlich von Berlin umgehört, warum in den vergangenen Tagen der Notruf 112 gewählt wurde:

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Geht bei der Berliner Feuerwehr ein 112-Notruf ein, dann wird geklärt, ob ein Notfalleinsatz erforderlich ist. Zur Entlastung wurden vor einigen Wochen 14 sogenannte Codes geändert, sodass zu Patienten mit kleineren allergischen Reaktionen, Verbrennungen, Blutungen oder Augenverletzungen kein Rettungswagen mehr fährt.

Für diese 14 geänderten Codierungen gab es nach Angaben der Feuerwehr im vergangenen Jahr 5000 Einsätze – durchschnittlich knapp 14 pro Tag. Diese fallen nun weg.

Allerdings: Bei mehr als 420.000 Notfalleinsätzen und 14.100 Notverlegungen zwischen Krankenhäusern im Jahr oder 1190 pro Tag beträgt die Entlastung nur etwa ein Prozent.

„Fast jede geschilderte Situation eines Anrufs endet regelhaft mit der Entsendung eines Rettungswagens“, sagt Manuel Barth. „Den Kolleginnen und Kollegen der Leitstelle ist es nicht gestattet, zusätzliche Informationen aus dem Notruf zu bewerten, die die Notwendigkeit eines Rettungsdiensteinsatzes deutlich infrage stellen würden. Nach aktuellem Stand bekommen Sie bei Bauchschmerzen einen Rettungswagen selbst dann, wenn Sie die schon seit sechs Monaten haben und grade heute mal Zeit hätten.“

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