Ein Brandanschlag auf die Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber in Leipzig-Grünau hat empörte Reaktionen ausgelöst. Die Leipziger Linke-Politikerin Jule Nagel nannte den Anschlag vom Wochenende auf Twitter erschreckend, 30 Jahre nach den rassistischen Ausschreitungen in Rostock-Lichtenhagen. Ähnlich äußerte sich der sächsische Grünen-Politiker Jürgen Kasek. Innenminister Armin Schuster (CDU) sprach von einem Alarmzeichen. Die Ermittlungen liefen mit Hochdruck, versicherte er.
Nach Angaben der Polizei vom Samstag entstand nur geringer Sachschaden, verletzt wurde bei dem Brandanschlag im Südwesten von Leipzig niemand. Der Mitarbeiter des örtlichen Wachschutzes hatte am späten Freitagabend nach 23 Uhr die Polizei alarmiert, weil unbekannte Täter Gegenstände gegen die Hauswand der Gemeinschaftsunterkunft geworfen hatten.
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Den Polizeiangaben zufolge entstand ein punktuelles Feuer, das nur leichte Schäden am Gebäudesockel anrichtete und durch den Sicherheitsdienst gelöscht werden konnte. Reste der Wurfgegenstände und Spuren seien gesichert und Wachpersonal und Bewohner befragt worden, hieß es.
Aktionsnetzwerk: „Die Auswahl des Datums ist nicht zufällig“
Das Polizeiliche Extremismus- und Terrorismus-Abwehrzentrum im Landeskriminalamt Sachsen führt die Ermittlungen. Hinweise auf die Täter lagen zunächst nicht vor. Eine politisch motivierte Tat könne nicht ausgeschlossen werden, hieß es. Die Polizei sucht mögliche Zeugen der Tat.
Innenminister Schuster erklärte auf Twitter, dass bei dem versuchten Brandanschlag keine Menschen zu Schaden kamen und nur geringer Sachschaden entstand, sei den umsichtigen Sicherheitskräften vor Ort zu verdanken. Wörtlich sagte der CDU-Politiker: „Es ist ein Alarmzeichen, dass solch menschenverachtende Straftaten nicht der Vergangenheit angehören.“ Für alle Asylbewerberunterkünfte in Sachsen sei die Überwachung im Rahmen der Streifentätigkeit verstärkt worden, fügte der sächsische Innenminister hinzu.
Die Leipziger SPD-Bundestagsabgeordnete Nadja Sthamer zeigte sich wie Lokalpolitiker von Grünen und Linke erschüttert. Shtamer erklärte: „Diese Gewalt vor dem Hintergrund der 30. Gedenkwoche von Rostock-Lichtenhagen zeigt deutlich auf: Hass auf Geflüchtete ist Alltag in Deutschland.“ Zum Glück sei niemand verletzt worden.
Das Aktionsnetzwerk „Leipzig nimmt Platz“ rief für Montagabend zur Demonstration nach Leipzig-Grünau auf. Die Auswahl des Datums sei nicht zufällig, erklärte das Bündnis mit Blick auf die Gedenkwoche zu den Ereignissen in Rostock-Lichtenhagen vor 30 Jahren. Der jüngste Anschlag zeige, „dass die Rechte auch in Leipzig immer offener agiert“. Dem müsse gemeinsam entgegengetreten werden. Die Kundgebung soll am Montagabend um 18.45 Uhr an der S-Bahn-Haltestelle Allee-Center in Leipzig-Grünau beginnen.
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