Er sei „dank seiner Mutter nah am Wasser gebaut“, hat Marco Richter neulich mal gesagt. Insofern war es durchaus erstaunlich, dass der Profi von Hertha BSC am Sonntagnachmittag im Stadion des FC Augsburg relativ gefasst auf die zahlreichen Fragen nach seiner Gemütslage reagierte.
Richter hatte zuvor an alter Wirkungsstätte in der Nachspielzeit nach uneigennütziger Vorarbeit von David Selke das 2:0 erzielt, für seine Mannschaft das Spiel entschieden, gerade mal acht Wochen nachdem man bei ihm einen bösartigen Tumor am Hoden entdeckt hatte. Eine Operation war notwendig geworden, zum Glück keine Chemotherapie, sodass der Offensivspieler Anfang August wieder ins Training einsteigen konnte. Schon am vergangenen Wochenende beim 0:1 gegen Borussia Dortmund war er bei seinem Comeback einem Treffer ganz nah, er traf nur vier Minuten nach seiner Einwechslung die Querlatte. Und nun dieser Moment, der niemanden kaltlassen konnte.
Dank an Manager Bobic und an Präsident Bernstein
Das „i-Tüpfelchen“ sei das gewesen, erklärte der 24-Jährige wiederholt, er wünsche sich, dass es so weitergehe. Und: „Ich will einfach Fußball spielen und Spaß haben. Klar, fehlt körperlich das ein oder andere Prozent.“ Auf dem Weg zum Tor habe er ein bisschen Bammel gehabt, weil er „schon mal so einen vergeben“ habe, aber „am meisten freut mich, dass wir uns als Mannschaft mal belohnt haben“. Schließlich bedankte sich Richter namentlich noch bei Manager Fredi Bobic und bei Präsident Kay Bernstein für die tolle Unterstützung. Und klar, das alles sei für ihn „sehr, sehr emotional“.
Natürlich drehte auch Coach Sandro Schwarz nach dem ersten Saisonsieg der Herthaner seine Runde von Reporter zu Reporter, sprach ebenfalls von einem sehr emotionalen Moment und schloss seine Ausführungen mit einem weitgreifenden Lob: „Wie Marco damit umgegangen ist, wie der Verein damit umgegangen ist – das ist außergewöhnlich.“
Unruhige Wochen und Monate hat der Berliner Bundesligist hinter sich. Abstiegskampf. Machtkampf. Fanaufstand. Relegationsspiele. Neuer Präsident. Neuer Trainer. Neue Mannschaft, nachdem Bobic sich zu einem tiefgreifenden Relaunch des Kaders gezwungen sah. Die Beobachtung von Schwarz lässt allerdings darauf schließen, dass da tatsächlich ein neuer Spirit in Geschäftsstelle und Kabine eingezogen ist. Und womöglich wird Richters Glücksmoment eines Tages als Schlüsselmoment für den Beginn einer zumindest kleinen Erfolgsstory erachtet. Vermeintlich nebensächliche Dinge können nämlich im Gesamtkontext manchmal Großes bewirken.
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