Russische Invasion

Ukraine-Update: Kiew feiert russischen Rückzug, mehr Kampfpanzer gefordert

Nach Vorstößen der Ukrainer zieht Russland eigene Truppen aus Charkiw zurück. Während Moskau den Abzug als Strategie darstellt, herrscht in Kiew Euphorie.

Team News dpa
3 Min
Ein zerstörter russischer Panzer ist in der Nähe von Charkiw in der Ukraine zu sehen.

Ein zerstörter russischer Panzer ist in der Nähe von Charkiw in der Ukraine zu sehen.

© dpa/David Ryder/ZUMA Press Wire

Für weitere erfolgreiche Gegenoffensiven ist Kiew eigenen Angaben zufolge aber auf weitere Waffenlieferungen aus dem Westen angewiesen. Bei einem Besuch von Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) machte ihr ukrainischer Kollege Dmytro Kuleba diesbezüglich Druck.

Selenskyj: 2000 Quadratkilometer zurückerobert

Selenskyjs Angaben zufolge haben die Ukrainer in den vergangenen zehn Tagen rund 2000 Quadratkilometer in bislang von Russland besetzten Gebieten zurückerobert. Der ukrainische Staatschef dankte allen Soldaten, die an Rückeroberungen im Charkiwer Gebiet beteiligt waren.

Offiziell begründete Moskau den Abzug der eigenen Truppen damit, dass durch die Umgruppierung Einheiten im angrenzenden Gebiet Donezk verstärkt werden sollen. Viele Militärexperten gehen jedoch davon aus, dass die Russen angesichts des massiven ukrainischen Vorstoßes im Charkiwer Gebiet zuletzt so stark unter Druck geraten sind, dass sie sich zur Flucht entschieden haben.

Russische Besatzer rufen Menschen in Charkiw zur Flucht auf

Nach der Bekanntgabe des Rückzugs riefen die russischen Besatzer alle Bewohner der bislang unter ihrer Kontrolle stehenden Orte in Charkiw zur Flucht auf. „Ich empfehle nochmals allen Bewohnern der Region Charkiw, das Gebiet zum Schutz ihres Lebens und ihrer Gesundheit zu verlassen“, sagte der Chef der von Russland eingesetzten Militärverwaltung, Witali Gantschew, laut der Agentur Tass. „Jetzt in seinem Haus zu bleiben, ist gefährlich.“

Ukraine drängt Deutschland zur Lieferung von Kampfpanzern

Mit Blick auf weitere Rückeroberungsversuche drängt die Ukraine Deutschland zur Lieferung von Kampfpanzern. „Wir sehen keine Hindernisse dafür“, sagte Außenminister Kuleba nach einem Treffen mit seiner deutschen Kollegin Baerbock in Kiew. Bis sich Berlin dazu entschließe, solle Deutschland weiter Artilleriemunition liefern. „Das erhöht spürbar unsere Offensivmöglichkeiten und das hilft uns bei der Befreiung neuer Gebiete“, sagte der Chefdiplomat.

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Baerbock reagierte zurückhaltend auf die ukrainische Forderung. „Wir liefern ja seit längerem bereits schwere Waffen. Und wir sehen, dass diese schweren Waffen auch einen Unterschied mit Blick auf die Unterstützung der Ukraine machen“, betonte sie. Konkret nannte Baerbock Mehrfachraketenwerfer, Panzerhaubitzen und Flakpanzer vom Typ Gepard. Von letzteren werde Deutschland schnellstmöglich zehn weitere liefern. Die Außenministerin sagte zudem schweres Gerät zum Aufbau von Brücken und Winterausrüstung zu.

Baerbock fordert russischen Abzug vom AKW Saporischschja

Baerbock forderte darüber hinaus den vollständigen russischen Abzug vom Gelände des Atomkraftwerks Saporischschja in der Südukraine. Mit der Besetzung des Kernkraftwerks setze der russische Präsident Wladimir Putin die gesamte Region der Gefahr eines nuklearen Zwischenfalls aus, sagte die Grünen-Politikerin.

Das wird am Sonntag wichtig

Überschattet von Manipulationsvorwürfen steht in Russland am Sonntag der dritte und letzte Tag von Regional- und Kommunalwahlen an. Bei den ersten Abstimmungen seit Beginn des Kriegs gegen die Ukraine werden in mehr als 80 Regionen des Riesenlandes Gouverneure, örtliche Parlamente und Stadtteilvertretungen neu bestimmt. Unabhängige Wahlbeobachter beklagen, dass kaum von einer freien politischen Willensbekundung die Rede sein kann, weil echte Oppositionelle von vornherein ausgeschlossen worden seien.

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